Die­ser Mo­tor läuft schon „seit im­mer“ DER SCHACH­SPIE­LER

Michael Leitner, seit 30 Jah­ren Vor­sit­zen­der des Ar­bei­ter-Be­triebs­ra­tes der ATB Spiel­berg. Ein Stra­te­ge in der mäch­ti­gen Ge­werk­schaft, der 24 Chefs über­leb­te und so­fort wie­der Kreis­ky wäh­len wür­de.

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK - BET­TI­NA OBERRAINER

Auf Mallor­ca wa­ren schon vie­le. Bei Bru­no Kreis­ky se­lig si­cher nicht. Das Er­leb­nis lässt Michael Leitner nicht los, als er da­mals in Wi­en das An­ge­bot des „Al­ten“ernst ge­nom­men, ihn bei sei­nem nächs­ten Ur­laub auf der In­sel an­ge­ru­fen – und flugs wie Ara­fat und an­de­re Gran­den ei­nen Be­suchs­ter­min in der Ta­sche hat­te. Et­li­che Kanz­ler pflas­tern Leit­ners Weg, die Bild­do­ku­men­te in den Hal­len der ATB Spiel­berg sind un­über­seh­bar. Aus­tria An­triebs­tech­nik, vor­mals Bauknecht. Dort, wo der 59-jäh­ri­ge Ju­den­bur­ger seit „im­mer schon“Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der ist.

Ex­akt seit 30 Jah­ren, ein ein­zig­ar­ti­ges Ur­ge­stein in der Pro­duk­ti­ons­ge­werk­schaft, wie die mäch­ti­gen Me­tal­ler heu­te hei­ßen. Mäch­tig auch das Fest, das der Be­triebs­rat ges­tern als Dank an Be­leg­schaft und Weg­ge­fähr­ten im Wirt­schafts­zen­trum ge­schmis­sen hat. Die La­ckie­rer Mo­ri­na Bes­nik und Man­fred Küns­tel, bei un­se­rem Be­such gera­de Michael Leitner, geb. 1956 in Ju­den­burg. Ge­lern­ter Kfz-Mecha­ni­ker – der von sich be­haup­tet, kei­nen der heu­te üb­li­chen Mo­to­ren re­pa­rie­ren zu kön­nen, Rei­fen wech­seln aber funk­tio­niert. Be­gann 1976 in der da­ma­li­gen Bauknecht Aus­tria als Fach­ar­bei­ter in der Wel­len- be­zie­hungs­wei­se Ro­tor­fer­ti­gung. Ar­bei­ter­be­triebs­rat seit 1980, seit 1985 des­sen Vor­sit­zen­der. Die ATB er­zeugt Elek­tro­mo­to­ren für In­dus­trie, Haus und Gar­ten, bei den Pen­ta­ir-Mo­to­ren han­tie­rend, die Ar­bei­ter Sa­bi­ne Lass­nig und Harald Mo­stögl, sie wer­den wohl al­le ge­fei­ert ha­ben. 400 Ar­bei­ter zählt die ATB-Be­leg­schaft heu­te, 500 ins­ge­samt.

Ener­gie

„Mir ging es vor al­lem dar­um, die Ar­beits­plät­ze zu er­hal­ten und aus­zu­bau­en.“Die­ser Plan lief in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten bei­lei­be nicht lei­se schnur­rend, Michael Leitner ver­brauch­te ver­mut­lich mehr Ener­gie als die in Spiel­berg er­zeug­ten Elek­tro­mo­to­ren, wenn es mehr als ein­mal ums nack­te Über­le­ben ging. Heu­te ist er stolz, zwei In­sol­ven­zen über­lebt (Bauknecht, Ko­vats) und das dro­hen­de end­gül­ti­ge Schach matt un­ter dem deut­schen Ei­gen­tü­mer Flen­der ab­ge­wehrt zu ha­ben. Ja, Leit­ners Lei­den­schaft, mit Turm, Pferd und Kö­nig stra­te­gisch zu den­ken (Lan­des­ju­gend­meis­ter), hat ihm auch be­ruf­lich ge­hol­fen.

„Ein Spieß­ru­ten­lauf, nie­mand woll­te uns ha­ben. Es ge­lang mir, dass die Re­pu­blik ein zwei­tes Mal Haupt­ab­satz­markt Eu­ro­pa, vor al­lem Deutsch­land. Ver­bringt sei­ne (spär­li­che) Frei­zeit am liebs­ten im Krei­se der Fa­mi­lie, be­treut mit sei­ner zwei­ten Frau Ma­ria Leitner sei­ne El­tern, zwei er­wach­se­ne Söh­ne Michael und Mar­tin aus ers­ter Ehe. Ein Hund, zwei Kat­zen, Lei­den­schaft Schach, Fuß­ball mit den Söh­nen, Sport, Kul­tur. Le­bens­mot­to: „Man ist nicht an der Spit­ze, um her­ab­zu­bli­cken, son­dern um vor­aus­zu­schau­en.“ als Auf­fang­ge­sell­schaft ein­ge­sprun­gen ist.“24 Di­rek­to­ren, acht Per­so­nal­chefs, wel­cher Be­triebs­rat hat so ein Re­per­toire in der Ta­sche? Als Gar­ni­tur vier Bür­ger­meis­ter, fünf Ar­bei­ter­kam­mer­prä­si­den­ten. In der Ta­sche kul­lern viel­leicht auch ein paar Le­cker­li. Für Ai­ko, den Dal­ma­ti­ner, der im Bü­ro des Be­triebs­ra­tes wacht, wenn Ehe­frau Ma­ria Leitner bei ih­rer Ar­beit ist.

Die Letz­ten, die die Spiel­ber­ger ha­ben woll­ten, war die chi­ne­si­sche Wo­long-Grup­pe, Ei­gen­tü­mer seit 2012. Die bie­tet kei­ne Le- Er kommt noch im­mer ger­ne in „sei­ne“Fir­ma, der ge­lern­te Kf­zMecha­ni­ker und ewi­ge Be­triebs­rat. Aber was schon ist ewig? Ei­ne Pe­ri­ode will er noch voll­enden, Stra­te­gi­en ent­wer­fen im Sin­ne des re­spekt­vol­len Um­gangs zwi­schen Ar­bei­tern, An­ge­stell­ten, Chefs. Den „rie­si­gen Pri­vi­le­gi­en­stadl“, den hat er zu Be­ginn sei­ner Tä­tig­keit dicht ge­macht. „Acht Wie­der­wah­len be­stä­ti­gen, man ist mit mei­ner Ar­beit zu­frie­den.“Ei­ne Pe­ri­ode noch im Sin­ne Kreis­kys, den Michael Leitner oh­ne Zö­gern als Kanz­ler auf­er­ste­hen las­sen wür­de ...

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