Ein En­de der „Bau­ern­op­fer“

Ab­schluss der Bau­ernGroß­de­mons­tra­ti­on in Graz. Die Land­wir­te for­dern fai­re Prei­se und die So­li­da­ri­tät des gan­zen Lan­des.

Kleine Zeitung Steiermark - - BAUERNPROTEST - UL­RICH DUNST, AL­F­RED LOBNIK

Ein Trak­tor in der Her­ren­gas­se, Trach­ten, so weit das Au­ge reicht, ei­ne ech­te Kuh, die ein An­den­ken auf dem Gra­zer Haupt­platz hin­ter­lässt . . . Nein, es ist noch nicht „Auf­stei­rern“, und wenn, dann ei­nes der an­de­ren Art: Nach ih­ren Pro­tes­ten in drei­zehn stei­ri­schen Städ­ten ka­men rund 2000 Bäue­rin­nen und Bau­ern Sams­tag zu Mit­tag zum Ab­schluss nach Graz.

An­ge­sagt war sym­pa­thi­scher Pro­test, be­wusst kei­ne Stra­ßen­blo­cka­den, kei­ne chao­ti­schen Sze­nen. Statt­des­sen wur­den Jau­sen­sa­ckerln an Pas­san­ten ver­teilt, um be­wusst zu ma­chen, wie we­nig vom Kauf­preis die­ser Pro­duk­te den Er­zeu­gern bleibt, den Bau­ern. Die Kon­su­men­ten will man nicht ver­grä­men, son­dern als Ver­bün­de­te ge­win­nen.

Es läu­ten nicht nur die Kuh­glo­cken, son­dern auch die Alarm­glo­cken. „Es ist nicht mehr fünf Mi­nu­ten vor, son­dern fünf Mi­nu­ten nach zwölf“, sagt Lan­des­rat Jo­hann Seit­in­ger an­ge­sichts der Ent­wick­lung, dass der­zeit täg­lich fast drei stei­ri­sche Bau­ern­hö­fe für im­mer zu­sper­ren.

Die Pa­ro­len und vor­be­rei­te­ten Trans­pa­ren­te spre­chen ei­ne deut­li­che Spra­che: „Bau­ern­fleiß braucht ei­nen fai­ren Preis!“„Han­del, lass uns le­ben!“„Un­ser Pro­zent der stei­ri­schen Bau­ern ha­ben an­ge­sichts des an­hal­ten­den Preis­tiefs schon über­legt, ih­ren Hof zu­zu­sper­ren. 75 Pro­zent ge­ben an, dass sich ih­re wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on in den letz­ten Mo­na­ten (stark) ver­schlech­tert hat. Lohn ist ein Hohn!“Und vor al­lem: „Lie­be Stei­rer, lasst uns nicht im Stich!“Seit­in­ger ap­pel­liert da­her auch an die Kon­su­men­ten: „Ich bit­te euch, greift zu un­se­ren stei­ri­schen bäu­er­li­chen Pro­duk­ten!“Dar­über schwe­ben ro­sa Schwein­chen­luft­bal­lons mit der Auf­schrift „Schwei­ne­bau­er sucht Zu­kunft“im blau­en Him­mel.

Für den Prä­si­den­ten der Land­wirt­schafts­kam­mer Franz Tit­schen­ba­cher ist die­se größ­te Bau­ern­de­mons­tra­ti­on der letz­ten 30 Jah­re ein star­kes „Zei­chen der Be­trof­fen­heit und Sor­ge“. Es sei Zeit, die Ver­ant­wor­tung der Ge­sell­schaft ein­zu­for­dern.

Ne­ben der Ar­bei­ter­kam­mer mit ih­ren als un­fair emp­fun­de­nen Preis­ver­glei­chen be­kommt vor al­lem der Han­del von den Spar­ten­ver­tre­tern der Bau­ern sein Fett ab, und der Lan­des­rat klagt: „Der Preis, den wir für un­se­re har­te Ar­beit be­kom­men, und der Preis, den die Kun­den zah­len, das passt nicht mehr zu­sam­men.“

Auch wenn der­zeit kein St­ein auf dem an­de­ren blei­be und man sich nicht mit Hil­fe­su­chen­den ver­glei­chen wol­le, die ins Land kom­men: „Wir dür­fen auch auf un­se­re Bau­ern nicht ver­ges­sen in die­ser St­un­de.“Und mit Blick auf den stei­ner­nen Erz­her­zog Jo­hann ruft Jo­hann Seit­in­ger: „Stirbt der Bau­er, stirbt das Land, lebt der Bau­er, lebt das Land!“Vie­le Kuh­glo­cken, viel Ap­plaus.

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