Die Ver­eh­rung des

Das Wur­zel­kreuz von Stra­ßen­gel wur­de vor 760 Jah­ren ge­fun­den. Der Sa­kral­ge­gen­stand wird bis heu­te von Pil­gern ver­ehrt und er­leb­te selbst ei­ne durch­aus aben­teu­er­li­che Ge­schich­te.

Kleine Zeitung Steiermark - - | STEIERMARK - RO­BERT PREIS

Die Ähn­lich­keit ist ver­blüf­fend. Der bär­ti­ge, ans Kreuz ge­na­gel­te Mann. Der To­des­schmerz im Ge­sicht. Doch es han­delt sich um kein Kunst­werk, hier hat kein Mensch Hand an­ge­legt. Dies ist ein Kru­zi­fix, das aus Wur­zel­fa­sern ge­wach­sen ist.

Ei­ne Chro­nik aus dem 14. Jahr­hun­dert be­rich­tet, dass das Wur­zel­kreuz 1255 an ei­ner Tan­ne am Stra­ßeng­ler­berg ge­fun­den wor­den war, wel­ches das „un­ver­nunf­ti­ge Vich durch lang­wü­ri­ges Pril­len, auch mit nider­ge­bo­ge­nen Kni­en ge­of­fen­bah­ret hat“. Als die Hir­ten die Ver­for­mung der Wur­zel be­merk­ten, eil­ten sie zum Abt Ru­dolf von Lan­de­lier (1246-1255) des im Jah­re 1129 ge­grün­de­ten Stif­tes Rein, der den Salz­bur­ger Erz­bi­schof ver­stän­dig­te.

In Ge­gen­wart der Geist­li­chen und ei­ner gro­ßen Men­ge Vol­kes wur­de das Ast­kreuz vom Baum ge­löst und fei­er­lich in die Stra­ßeng­ler Ka­pel­le ge­tra­gen.

Das Wur­zel­kreuz wur­de als wun­der­ba­res Er­eig­nis ge­mel­det und das Fest der Kreu­z­auf­fin­dung, das dem Kreuz Chris­ti zu Jerusalem galt (3. Mai), wur­de auch zu ei­nem Ver­eh­rungs­tag für das „wun­der­tä­ti­ge Wur­zel­kreuz“von Stra­ßen­gel.

„Um die Le­gen­de zu un­ter­mau­ern, wur­den im 20. Jahr­hun­dert pflan­zen­phy­sio­lo­gi­sche Un­ter­such­nun­gen durch­ge­führt, wel­che fest­ge­stellt ha­ben, dass beim Wur­zel­kreuz kein Schnitz­mes­ser am Werk ge­we­sen war“, be­rich­tet Nor­bert Mül­ler, Ar­chi­var im Stift Rein. Vor zehn Jah­ren be­stä­tig­te dies das Bun­des­denk­mal­amt, wenn­gleich an­ge­merkt wur­de, dass das Kreuz „re­pa­riert“wor­den war. „Die Ar­me set­zen sich in Ma­te­ri­al und Far­be vom üb­ri­gen Kor­pus ab (…) Bart und Haupt­haar aus na­tür­lich ge­wach­se­nen Wur­zel­fa­sern sind teils mit kör­ni­ger krei­de­ar­ti­ger Mas­se ver­klebt“, heißt es in dem Be­richt. Stra­ßen­gels Pfar­rer Pa­ter Phil­ipp Helm er­gänzt: „Das Kru­zi­fix wur­de frü­her si­cher an­ge­fasst und ge­küsst, wahr­schein­lich sind die Ar­me ab­ge­bro­chen, und man hat ver­sucht, es zu re­stau­rie­ren.“

Bis 1976 wur­de es am Volks­al­tar in der Wall­fahrts­kir­che prä­sen­tiert – an je­ner Stel­le, an der einst auch die Tan­ne ge­stan­den ha­ben soll. Im Be­reich des Ma­ri­en­al­tars be­fand sich einst die höl­zer­ne Ka­pel­le. Das Kreuz zog über die Jahr­hun­der­te hin­weg stets zahl­rei­che Pil­ger an, vor al­lem am 13. je­den Mo­nats, dem Wall­fahrts­tag. Seit Jo­seph II. gibt es in Stra­ßen­gel zwar kein ei­ge­nes Fest der Kreu­z­auf­fin­dung mehr,

Fas­zi­nie­ren­des „Kunst­werk“: Nicht von Men­schen­hand ge­schnitzt, son­dern aus Wur­zel­fa­sern ge­wach­sen

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