Ein­mal falsch ge­parkt: Gleich 75 Eu­ro ge­for­dert!

Wer auf ei­nem Pri­vat­park­platz parkt, muss be­zah­len! Sind die Park­re­geln aber nicht klar er­sicht­lich, kann ei­ne For­de­rung an­ge­foch­ten wer­den.

Kleine Zeitung Steiermark - - | IHR GELD -

Un­ser Le­ser stell­te sei­nen Pkw auf dem Park­platz beim AMS in Vil­lach ab und wun­der­te sich noch, dass die sonst hier in­stal­lier­te Schran­ken­an­la­ge fehl­te. Weil er aber ei­nen drin­gen­den Ter­min hat­te, park­te er den Wa­gen und ging. Groß war die Über­ra­schung, als er wie­der weg­fah­ren woll­te: „Ich hat­te ein ,Kn­öll­chen‘ auf der Wind­schutz­schei­be und soll­te für mein Ver­ge­hen, das Au­to oh­ne Park­ti­cket ab­ge­stellt zu ha­ben, 75 Eu­ro be­rap­pen! Ist die­se Hö­he nicht ge­gen die gu­ten Sit­ten?“Als un­ser Le­ser sich dann ge­nau­er auf dem Park­platz um­sah, fand er „drei un­schein­ba­re Zet­tel im A4-For­mat mit Ti­xo be­fes­tigt, wel­che die Kun­den auf die neu­en Mo­da­li­tä­ten hin­wei­sen soll­ten“.

„Der vor­lie­gen­de Fall ist nicht mit den üb­li­chen Ver­kehrs­stra­fen zu ver­glei­chen, auf die sich Ihr Le­ser be­zieht, da Ver­kehrs­stra­fen ent­we­der die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung oder sons­ti­ge ein­schlä­gi­ge Ge­set­ze zu­grun­de lie­gen“, schickt Rechts­an­walt Wolf­gang Rei­nisch vor­aus.

Pri­vat­grund­stück

Das Fahr­zeug war auf ei­nem Pri­vat­grund­stück ab­ge­stellt, das vom Ei­gen­tü­mer der Fir­ma AP­COA zur Park­be­wirt­schaf­tung über­las­sen wor­den ist. Die­se Fir­ma sei al­so be­rech­tigt fest­zu­le­gen, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen und für wel­che Ge­gen­leis­tung die­se Park­flä­che zum Par­ken be­nützt wer­den kann.

Be­nützt ein Au­to­fah­rer ei­nen er­kenn­bar pri­va­ten oder pri­vat ver­wal­te­ten Park­platz, muss er sich den Be­nüt­zungs­be­din­gun­gen un­ter­wer­fen. Aber beim Wort „er­kenn­bar“liegt der Ha­se im Pfef­fer!

„Es stellt sich für mich die Fra­ge, ob für den Le­ser der Um­stand oh­ne Wei­te­res er­kenn­bar war, dass er auf ei­nem Pri­vat­park­platz parkt und da­für ei­ne Park­ge­bühr ent­rich­ten muss. Das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Ver­trags setzt vor­aus, dass für den Be­nut­zer oh­ne auf­wen­di­ge Er­kun­di­gun­gen und mit der er­wart­ba­ren durch­schnitt­li­chen Auf­merk­sam­keit er­kenn­bar ist, dass er ei­nen kos­ten­pflich­ti­gen Park­platz be­nützt“, wen­det Rei­nisch ein.

Wür­de der Pkw-Be­sit­zer ge­klagt, be­ste­he aber ein Kos­ten­ri­si­ko. So weit kam es zum Glück nicht. Die Fir­ma AP­COA zeig­te sich zu ei­nem Kon­sens be­reit und re­du­zier­te die „Stra­fe“auf 40 Eu­ro. „Das ha­be ich so­fort ein­ge­zahlt!“, be­rich­te­te un­ser Le­ser. Birgit Ei­sen­paß-Fa­bi­an, Ar­bei­ter­kam­mer: So­fern der Kon­su­ment te­le­fo­nisch kei­nem Ver­trag zu­ge­stimmt hat, ist auch kei­ner zu­stan­de ge­kom­men. Wird von der Fir­ma das Vor­lie­gen ei­nes kos­ten­pflich­ti­gen Ver­tra­ges be­haup­tet, müss­te die­se den Ver­trags­ab­schluss be­wei­sen kön­nen. Der Kon­su­ment soll­te schrift­lich mit­tei­len, dass kein Ver­trag ab­ge­schlos­sen wur­de und die For­de­rung nicht zu Recht be­steht. Soll­te es am Te­le­fon wäh­rend ei­nes vom Un­ter­neh­mer ein­ge­lei­te­ten An­rufs im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ge­winn­zu­sa­ge zu ei­nem Ver­trags­ab­schluss ge­kom­men sein, ist die­ser Ver­trag nich­tig. Selbst wenn es oh­ne Ge­winn­zu­sa­ge zu ei­nem te­le­fo­nisch ab­ge­schlos­se­nen Ver­trag ge­kom­men ist, wä­re der Kun­de erst dann ge­bun­den, wenn es noch Kor­re­spon­denz (An­ge­bot und An­nah­me) auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger gibt! Das heißt: Ein nur te­le­fo­ni­scher Ver­trags­ab­schluss über Di­enst­leis­tun­gen ist nicht mehr mög­lich!

Ei­ne ho­he „Stra­fe“für ein klei­nes Ver­ge­hen

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