Wie Macht Kunst macht

Ein Pro­jekt im Gra­zer öf­fent­li­chen Raum re­flek­tiert die Ab­hän­gig­keit der Kunst von Po­li­tik und Ge­schich­te.

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - WAL­TER TITZ

Arno Breker (1900–1991) ist als Hit­lers Lieb­lings­bild­hau­er in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen. Sei­ne Kar­rie­re eig­net sich per­fekt, um „das Ver­hält­nis von Kunst und Macht“zu be­leuch­ten, für wel­ches sich (Christine) Dell­brüg­ge & (Ralf ) de Moll in­ter­es­sie­ren. „Das Mo­nu­men­ta­le ist mei­ne Krank­heit“nennt das deut­sche Künst­ler­paar mit ei­nem Breker-Be­kennt­nis ein Kunst­pro­jekt im öf­fent­li­chen Raum der 1938 von den Na­zis zur „Stadt der Volks­er­he­bung“er­nann­ten Mur­me­tro­po­le.

In Pau­lustor­nä­he, im Spalt zwi­schen Schloß­berg­wall und Alex­an­der Sil­ve­ris „Eh­ren- und Mahn­mal für die Ge­fal­le­nen bei­der Welt­krie­ge“, in­for­mie­ren Dell­brüg­ge & de Moll über den auch nach 1945 hoch­ge­schätz­ten Breker, über die Ge­schich­te sei­nes Ate­liers. Die­ses wur­de bis 2011 für ein För­der­pro­gramm jun- Das deut­sche Künst­ler­paar mit Wohn­sitz Berlin rea­li­siert seit 1984 ge­mein­sam spar­ten­über­grei­fen­de Pro­jek­te. work­work­work.de ger Künst­ler ge­nutzt, an dem u. a. Dell­brüg­ge & de Moll teil­nah­men. Nun be­treibt es ei­ne Stif­tung als Pri­vat­mu­se­um für das Werk von Brekers po­li­tisch un­ver­däch­ti­gem Meis­ter­schü­ler Bern­hard Hei­li­ger (1915–1995).

Die kon­tem­po­rä­re Ins­ze­nie­rung zielt dar­auf ab, „wie Ge­schich­te über­schrie­ben wer­den kann“, deut­lich zu ma­chen, dass „Ge­schich­te ein un­ab­ge­schlos­se­nes Kon­strukt“sei: „Kunst im öf­fent­li­chen Raum bil­det die Aus­ein­an­der­set­zung um die De­fi­ni­ti­ons­ho­heit ab“. Sil­ve­ris Ar­beit sei ein Bei­spiel – ur­sprüng- lich 1958 auf dem Kar­me­li­ter­platz auf­ge­stellt, muss­te es 2003 kom­mer­zi­el­len Plä­nen wei­chen.

Als Ma­te­ri­al ver­wen­den Dell­brüg­ge & de Moll auch „Stim­men“. Ve­re­na Ler­cher spricht live Äu­ße­run­gen und Tex­te von Breker, Hit­ler, Go­eb­bels, von Ideo­lo­gen und Kunst­his­to­ri­kern. Ru­di Wi­der­ho­fer und Ele­na Tran­tow wie­der­ho­len ein In­ter­view, das André Mül­ler 1979 mit Arno Breker führ­te (Ter­mi­ne: kioer.at). Dell­brüg­ge & de Moll. Das Mo­nu­men­ta­le ist mei­ne Krank­heit. Er­öff­nung: 18. Sep­tem­ber, 16 Uhr, Sil­ve­ri- Mahn­mal Pau­lus­tor. Bis 18. Ok­to­ber. kioer. at

Brekers „Ka­me­rad“, „Tod“von Sil­ve­ri , Schau­spie­le­rin Ve­re­na Ler­cher; un­ten die Hin­ter­sei­te des Sil­ve­ri-Mahn­mals

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