Der Ödi­pus

Mit der Opern­ra­ri­tät „Hans Hei­ling“von Hein­rich Mar­sch­ner er­öff­ne­te das Thea­ter an der Wi­en die Spiel­zeit. Haus­herr Roland Gey­er führ­te Re­gie.

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR - ERNST NAREDI- RAI­NER

Das Thea­ter an der Wi­en fei­ert im Jän­ner sein 10-Jah­res­Ju­bi­lä­um als „Neu­es Opern­haus der Stadt Wi­en“. In­ten­dant Roland Gey­er hat es in die­sem Dez­en­ni­um als in­ter­es­san­tes­tes Opern­haus Ös­ter­reichs zu in­ter­na­tio­na­lem Ruhm ge­führt. Zum Start der Ju­bi­lä­ums­sai­son schloss er ein­mal mehr ei­ne Re­per­toire­lü­cke und in­sze­nier­te selbst Hein­rich Mar­sch­ners „Hans Hei­ling“zum Auf­takt ei­ner Wer­k­rei­he über Au­ßen­sei­ter, in der Richard Wa­g­ners „Flie­gen­der Hol­län­der“und Ben­ja­min Brit­tens „Pe­ter Gri­mes“fol­gen wer­den.

Die 1833 in Berlin ur­auf­ge­führ­te ro­man­ti­sche Oper, die heu­te ein Mau­er­blüm­chen­da­sein führt, steht als zu­kunfts­wei­sen­des Werk zwi­schen Carl Ma­ria von Weber und Richard Wa­gner, der den „Hans Hei­ling“in Wi­en und Mag­de­burg di­ri­giert, ihm den Ni­be­lun­gen­rhyth­mus und das Wal­kü­ren­mo­tiv ent­nom­men hat und von den fünf­zehn Opern Hein­rich Mar­sch­ners nach­hal­tig be­ein­flusst wor­den ist. In dem in Graz 1844 erst­mals und zu­letzt 1938 ge­spiel­ten „Hans Hei­ling“wag­te Mar­sch­ner das küh­ne Ex­pe­ri­ment, die den 19 Mu­sik­num­mern (von de­nen in Wi­en jetzt zwei ge­stri­chen sind) vor­an­ge­hen­de Ou­ver­tü­re erst auf ein durch­kom­po­nier­tes Vor­spiel fol­gen zu las­sen. Der häu­fi­ge Ein­satz des Me­lo­drams ne­ben dem Dia­log, dem Re­zi­ta­tiv und dem Ge­sang zeich­net sei­ne Par­ti­tur eben­so aus wie die in der deut­schen Oper vor­bild­lo­se Be­set­zung der Haupt­par­tie mit ei­nem Ba­ri­ton. Sei­ner lei­den­schaft­li­chen Orches­ter­spra­che blieb das ORF Ra­dio-Sym­pho­nie­or­ches­ter un­ter Con­stan­tin Trinks we­der dra­ma­ti­sche Ener­gi­en noch die dun­k­len Klang­far­ben schul­dig.

Ho­mo­ge­nes En­sem­ble

Auf der Büh­ne rück­ten der ex­zel­len­te Ar­nold Scho­en­berg Chor und ein stim­mi­ges En­sem­ble die mu­si­ka­li­schen Qua­li­tä­ten des Werks ins rech­te Licht. Mit ih­rem leuch­ten­den So­pran und ih­rer in­ten­si­ven Darstel­lungs­kunst be­herrsch­te An­ge­la De­no­ke als Kö­ni­gin der Erd­geis­ter die Büh­ne. Michael Na­gy ver­deut­lich­te mit mar­ki­gem Ba­ri­ton die Zer­ris­sen­heit des Ti­tel­hel­den. Zum glaub­wür­di­gen Cha­rak­ter form­te Ka­te­ri­na Tre­tya­ko­va mit re­schem So­pran das Mäd­chen An­na, um das Pe­ter Sonn als Kon­rad mit hüb­schem Te­nor wirbt, und als des­sen Mut­ter Ste­pha­nie Hout­ze­el mit ih­rem Me­lo­dram ei­ne der

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.