Das ban­ge War­ten auf den Sturm

Ab Mit­ter­nacht soll die Gren­ze zu Un­garn kon­trol­liert wer­den. Wie genau das aus­se­hen soll, ist un­klar. Ein Rund­gang in Ni­ckels­dorf.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - CHRIS­TI­NA TRAAR

Der 21-jäh­ri­ge As­sad aus Alep­po steht mü­de in der kur­zen Schlan­ge vor der Es­sens­aus­ga­be. Er hat sei­ne Fa­mi­lie in Un­garn ver­lo­ren, sie wur­de in ei­nen an­de­ren Bus ge­setzt. Hier woll­ten sie sich wie­der tref­fen, am Grenz­über­gang Ni­ckels­dorf, wo sie laut ungarischer Po­li­zei hin­ge­bracht wer­den wür­den. So wie die 6000 an­de­ren Flücht­lin­ge, die es gera­de noch über die un­ga­ri­sche Gren­ze ge­schafft ha­ben, die in der Nacht ge­schlos­sen wur­de. Seit Vor­mit­tag ist der An­sturm ab­ge­flaut, Hel­fer ha­ben sich hin­ge­setzt, in ei­nem Klein­bus dö­sen fünf er­schöpf­te Po­li­zis­ten. Der Frie­de ist kurz, am Nach­mit­tag strö­men wei­te­re 1500 auf das Ge­län­de.

Die Be­am­ten wer­den der­zeit aus al­len Bun­des­län­dern an­ge­for­dert. So wie die 26-jäh­ri­ge Kris­ti­na, die sonst im 12. Be­zirk in Wi­en im Ein­satz ist. Der­zeit ist sie in der Wei­ter­bil­dung, seit Sams­tag hat Bur­gen­land Vor­rang. Ein­satz statt Se­mi­nar. „Es war schon un­fass­bar, als ich hier an­ge­kom­men bin. Aber bis­her läuft al­les gut, wir wei­sen ein und schau­en, dass es zu kei­nen Zwi­schen­fäl­len kommt. Für Se­mi­nar und Lern­stoff bleibt da we­nig Zeit“, schmun­zelt sie. Wie lan­ge sie hier ein­ge­teilt ist, weiß sie nicht, eben­so we­nig, ob sie bald Grenz­kon­trol­len durch­füh­ren wird. Noch gibt es die­se Kon­trol­len nicht, laut In­nen­mi­nis­te­ri­um sol­len die­se aber ab Mit­ter­nacht in Kraft tre­ten. „Wir war­ten der­zeit noch auf wei­te­re De­tails“, sagt Po­li­zei­spre­cher Hel­mut Mar­ban. Bei Kon­trol­len un­ter­stützt das Bun­des­heer, das sich all­zeit be­reit zeigt. Was mit je­nen pas­siert, die an der Gren­ze kei­ne Pa­pie­re ha­ben, ist un­klar, eben­so, wie vie­le Men­schen noch über die Gren­ze kom­men wer­den.

Be­vor As­sad hier an­ge­kom­men ist, war er zehn Ta­gen un­ter­wegs, hat über 1000 Eu­ro für das Schlep­per­boot be­zahlt, durch­quer­te Ma­ze­do­ni­en und Ser­bi­en per Zug. „Ich mach mir Sor­gen um die an­de­ren, die noch un­ter­wegs sind“, sagt As­sad und blickt zu Bo­den. Mit den „an­de­ren“mei­ne er aus­schließ­lich Sy­rer, denn auch er ha­be ge­hört, dass sich Flücht­lin­ge aus an­de­ren Län­dern für Sy­rer aus­ge­ben. „Wir ha­ben Krieg, wir müs­sen flie­hen. Die an­de­ren wol­len nur öko­no­mi­sche Ver­bes­se­rung. Ich ha­be ge­hört, dass sie Sy­rern des­halb Päs­se steh­len. Ich ha­be mei­nen im­mer nah bei mir“, sagt er und tät­schelt die Um­hän­ge­ta­sche, die eng um den Kör­per liegt. Sein blau­er sy­ri­scher Pass ist ab­ge­grif-

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