Be­mü­hun­gen müs­sen ver­stärkt wer­den

Kleine Zeitung Steiermark - - | LESERFORUM -

Der enor­me Flücht­lings­zu­strom die­ser Ta­ge, die elen­de La­ge der Asyl­wer­ber im Auf­fang­la­ger Trais­kir­chen und das bis­lang zu­min­dest we­nig er­folg­rei­che Agie­ren der Po­li­tik bei der Be­wäl­ti­gung der zu­ge­ge­ben kom­ple­xen Pro­ble­ma­tik ste­hen der­zeit im Zen­trum der me­dia­len Be­richt­er­stat­tung. Die Me­di­en be­rich­ten aber nicht nur, son­dern wir­ken auch im Gu­ten – sie zei­gen das Pro­blem in sei­nem ge­wal­ti­gen Aus­maß auf, plä­die­ren un­miss­ver­ständ­lich für Ver­ständ­nis und Hilfs­be­reit­schaft und for­dern nach­hal­tig auch po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung und Lö­sun­gen ein.

Vor­dring­lich sind kla­rer­wei­se die ge­rech­te Ver­tei­lung und die men­schen­wür­di­ge Un­ter­brin­gung der Flücht­lin­ge. Je­der Flücht­ling soll­te in die­sen be­gin­nen­den Herbst­ta­gen je­den­falls ein Dach über dem Kopf ha­ben. Be­mü­hun­gen müs­sen aber auch ver­stärkt da­hin ge­hen, we­nigs­tens ers­te In­te­gra­ti­ons­hil­fen zu set­zen: Sprach­kur­se, So­zi­al- und Kul­tur­kon­takt statt Iso­la­ti­on usw.

Mit­tel­fris­tig sind aber noch wei­te­re Schrit­te not­wen­dig. So müs­sen Kin­der schnellst­mög­lich von schu­li­scher (auch vor­schu­li­scher) Be­treu­ung er­fasst wer­den! Das Be­treu­ungs­ge­bot gilt aber auch für die Ju­gend­li­chen so­wie die (jun­gen) Er­wach­se­nen un­ter den Flücht­lin­gen. Ih­re Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten ge­hö­ren er­wei­tert, letzt­lich soll­te der Ar­beits­markt auch Asyl­wer­bern of­fen­ste­hen. Denn frag­los sind Schu­le, Aus­bil­dung und Ar­beits­platz die bes­ten In­te­gra­ti­ons­fak­to­ren!

Ei­ne wich­ti­ge Rol­le kommt da den In­sti­tu­tio­nen der Er­wach­se­nen­bil­dung zu. Das Gym­na­si­um für Be­rufs­tä­ti­ge wird schon seit ge­rau­mer Zeit ver­stärkt von Leu­ten mit ak­zep­tier­tem Asyl­sta­tus (teils aber auch Asyl­wer­bern) kon­tak­tiert, die un­be­dingt ih­re im Her­kunfts­land be­gon­ne­ne gym­na­sia­le Aus­bil­dung fort­set­zen oder ei­ne sol­che über­haupt ma­chen möch­ten. Es han­delt sich bei die­sen jun­gen Er­wach­se­nen, die aus Al­ters­grün­den von den AHS/ BHS nicht auf­ge­nom­men wer­den, um viel­fach aus­ge­spro­chen bil­dungs­wil­li­ge Leu­te. Na­tür­lich müs­sen sie an das gym­na­sia­le Ni­veau erst her­an­ge­führt wer­den. Das be­deu­tet zu­nächst in­ten­si­vier­ten Sprach­un­ter­richt in Deutsch und ei­nen auch in an­de­ren Fä­chern auf ih­re Mög­lich­kei­ten ab­ge­stimm­ten Un­ter­richt. Das Abend­gym­na­si­um hat hier­für ein ei­ge­nes Kon­zept aus­ge­ar­bei­tet – in vier Mo­du­len, ins­ge­samt zwei Stu­di­en­jah­ren, sol­len die Stu­die­ren­den Kom­pe­ten­zen er­lan­gen, dass sie ent­we­der in ei­nen Be­ruf ein­stei­gen oder in die Ober­stu­fe des Gym­na­si­ums über­tre­ten kön­nen. atür­lich ist das Abend­gym­na­si­um be­vor­zugt für ein­hei­mi­sche Be­rufs­tä­ti­ge ge­dacht. Aber die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on er­for­dert es, dass das An­ge­bot auch auf an­de­re aus­ge­dehnt wird. Da­zu wä­re die Un­ter­stüt­zung der Schul­po­li­tik not­wen­dig und wün­schens­wert. Ka­rin Wurzin­ger ist Di­rek­to­rin des Abend­gym­na­si­ums für Be­rufs­tä­ti­ge in Graz

N

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.