Der Punk der Wa­schrum­peln

Worried Man & Worried Boy: ein ge­ris­se­nes Duo.

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR - NI­NA MÜL­LER

P L AT O O - K O N Z E R T E GRAZ. Den Frack hat er längst an den Na­gel ge­hängt. „Der wär schon zu graus­lich“, sagt Her­bert Ja­na­ta. 54 Jah­re lang war der Bur­gen­län­der Herz­mus­kel der le­gen­dä­ren Worried Men Skiff­le Group, die 1962 bei Wil­li Kra­lik (!) ihr TV-De­büt hat­te und mit „Glaubst, i bin bled“(1968) Ge­burts­hel­fer der Aus­tro­pop-Ära war – noch lan­ge be­vor die­se durch Ma­ri­an­ne Mendts „Glockn“ein­ge­läu­tet wur­de. 2015, zwei Jah­re nach der ge­sund­heit­lich be­ding­ten Auf­lö­sung, steht Ja­na­ta als „Worried Man“auf der Büh­ne, be­glei­tet vom „Worried Boy“: sei­nem Sohn Se­bas­ti­an, be­kannt als Schlag­zeu­ger bei Ja, Pa­nik.

„Glaubst, i bin bled“, der (auch) dank Kon­rad Bay­ers Text unka­putt­ba­re Klas­si­ker, darf nicht feh­len, wenn das Va­ter-Sohn-Duo das Ver­mächt­nis der waschrum­pe­li­gen Wie­ner­lie­der der WMSG ins Hier und Heu­te über­setzt – in die Ära ei­nes wie­der auf­ge­blüh­ten Aus­tro­pop, in der jun­ge Men­schen zu Wan­da, Bil­der­buch und Co. tan­zen. Nicht an­ders ist das beim Pla­too-Kon­zert in der Gra­zer Scher­be. Dass da die Über­set­zung mu­si­ka­lisch nicht ganz ein­wand­frei ge­lingt, tut dem Spaß an der Sa­che kei­nen Ab­bruch – im Ge­gen­teil: Zwi­schen den Jazz­vir­tuo­sen der 50er und 60er wa­ren die Skiff­leMu­si­ker so et­was wie die Punks ih­rer Zeit. Den Geist ver­sprüht Her­bert Ja­na­ta auch noch mit 75, „wenn man lang­sam ein bis­serl alt wird“. Mon­tags­kon­zer­te:

www.pla­too.at

Fer­di­nand Schmalz, Ewald Pal­mets­ho­fer, Ger­hild St­ein­buch, Chris­ti­an Wink­ler, Na­ta­scha Gangl: Ih­re Thea­ter­platt­form uniT ist in den letz­ten Jah­ren durch Pro­jek­te wie das Dra­ma­fo­rum oder den Retz­ho­fer Dra­ma­preis zur Brut­stät­te ei­nes klei­nen Dra­ma­ti­ker­wun­ders ge­wor­den. Kön­nen Sie das er­klä­ren? EDITH DRAXL: In den 90er-Jah­ren gab es plötz­lich ei­ne neue, enorm er­folg­rei­che bri­ti­sche Au­to­ren­ge­ne­ra­ti­on. Als ich las, dass das mit län­ger­fris­ti­gen För­der­pro­gram­men zu­sam­men­hing, ha­be ich be­schlos­sen, das auch zu pro­bie­ren. Ich ha­be den Zu­schlag für ein EU-Pro­jekt er­hal­ten, dar­auf­hin ist der Bund mit För­der­zu­sa- gen ein­ge­stie­gen, dann das Land, dann die Stadt.

Im Kl­ar­text: Die EU muss­te für Ihr Pro­jekt ge­won­nen wer­den, da­mit sich auch die re­gio­na­len För­der­stel­len über­zeu­gen lie­ßen? DRAXL: Ja. Und et­li­che der EUPro­jek­te, die ich ver­wirk­licht ha­be, set­zen in­halt­lich gar nicht im Kul­tur­be­reich an. uniT hat ja im­mer wie­der Pro­jek­te mit Mi­gran­ten oder mit be­tag­ten Men­schen ge­macht, und da­bei hat sich ge­zeigt, dass die EU-För­der­stel­len oft sehr auf­ge­schlos­sen sind, wenn es dar­um geht, po­li­ti­sche The­men mit äs­the­ti­scher Er­fah­rung zu ver­bin­den. Man muss zwar auch um die­se För­de­run­gen hart kämp­fen, aber oft wird man re­gio­nal erst wahr­ge­nom­men, wenn man sich in­ter­na­tio­nal oder über­re­gio­nal durch­ge­kämpft hat.

War­um ist das so? DRAXL: Ich neh­me an, das hat mit dem Bud­get­vo­lu­men zu tun.

Weil in Zei­ten star­rer oder so­gar schrump­fen­der Kul­tur­bud­gets je­der neue För­der­wer­ber ei­nem an­de­ren et­was weg­nimmt? DRAXL: Es gibt bei uns ein star­kes Be­har­rungs­ver­mö­gen. Man sieht das der­zeit in der Flücht­lings­fra- ge, da ist Angst das do­mi­nie­ren­de The­ma. Die Leu­te fürch­ten sich da­vor, dass sich was än­dern könn­te. Da­bei ist die Ve­rän­de­rung be­reits in Gang. Die Fra­ge ist: Ver­wei­ge­re ich mich dem? Oder ver­su­che ich den Ve­rän­de­rungs­pro­zess mit­zu­ge­stal­ten?

Das wä­re ja auch ei­ne Auf­ga­be der Po­li­tik. Aber auch die scheint, nicht zu­letzt in Kul­tur­fra­gen, we­nig ge­neigt da­zu. DRAXL: Ich fin­de es eher er­staun­lich, dass man die­se Fra­gen so sehr an die Po­li­tik de­le­gie­ren will. Wir al­le sind doch auf­ge­for­dert, dar­über nach­zu­den­ken, was wir in der Kul­tur­po­li­tik für wich­tig hal­ten. Denn je mehr Leu­te da Ide­en ein­brin­gen und mit­dis­ku­tie­ren, des­to eher kann man auch die Po­li­tik in die Pflicht neh­men.

Die Kul­tur­sze­ne pflegt zu we­nig Ge­dan­ken­aus­tausch? DRAXL: Ehr­lich ge­sagt er­le­be ich da nicht sehr viel Of­fen­heit. Es gibt vie­le Sze­nen in­ner­halb der Sze­ne, die zu­ein­an­der ein dis­tan­zier­tes Ver­hält­nis ha­ben. Da­bei könn­te man auch in – wech­seln­den – Kon­stel­la­tio­nen und Netz­wer­ken den­ken statt in Kon­kur­renz­ver­hält­nis­sen. Das funk­tio­niert, wenn man of­fen auf­ein­an­der zu­geht und

Der Sohn mit dem Va­ter

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