Pö­be­lei­en im In­ter­net sind schwer zu ahn­den

Face­book, Goog­le und Co ge­ben die Iden­ti­tät von Netz­pöblern nur nach dem Ein­satz mas­si­ver Rechts­mit­tel preis. Rechts­an­walt for­dert den Ge­setz­ge­ber zum Han­deln auf.

Kleine Zeitung Steiermark - - | IHR GELD - RECHTSINFORMATION

Trotz recht­li­cher Über­re­gu­lie­run­gen fin­de der ein­fa­che Bür­ger oder Un­ter­neh­mer Rechts­schutz ge­gen­über un­durch­schau­ba­ren oder mäch­ti­gen Un­ter­neh­men wie Goog­le, Youtu­be, Face­book und an­de­ren nur mit sehr ho­hen Ei­gen­kos­ten oder gar nicht, ist der Gra­zer Rechts­an­walt Ste­fan Scho­el­ler über­zeugt. „Ich ha­be in mei­ner Kanz­lei lau­fend Fäl­le, in de­nen ich Fir­men oder Ein­zel­per­so­nen bei der Ver­tei­di­gung ih­rer Per­sön­lich­keits­rech­te im Netz hel­fe. Mei­ne Kli­en­ten rei­chen von Ge­mein­den, de­ren Amts­trä­ger in In­ter­net­fo­ren grob be­schimpft wer­den, bis zu Fir­men, die z. B. auf Be­wer­tungs­por­ta­len auf wi­der­li­che Wei­se in Miss­kre­dit ge­bracht wer­den“, be­rich­tet der Spe­zia­list für Per­sön­lich­keits­schutz, Me­di­en- und Wett­be­werbs­recht.

Kein Rechts­schutz

„Der­zei­tig ist der Rechts­schutz völ­lig un­ge­nü­gend“, ist Scho­el­ler über­zeugt. Die Mel­dung und Lö­schung pro­ble­ma­ti­scher In­hal­te funk­tio­nie­re bei Face­book, Youtu­be und Goog­le über­ra­schend oft, vor al­lem, wenn die Ab­mah­nung über ei­nen An­walt er­fol­ge.

„Rich­tig schwie­rig wird es, wenn Na­me und Adres­se, Na­me oder IP-Adres­se ei­nes Pos­ters be­kannt ge­ge­ben wer­den sol­len; das ist nach mei­ner Er­fah­rung nur über Kla­ge mög­lich, wo­bei erst mas­si­ve recht­li­che Be­dro­hun­gen oder das Ein­brin­gen ei­ner Kla­ge Be­we­gung in die Sa­che bringt. Dies ist mit au­ßer­or­dent­lich ho- hen Kos­ten ver­bun­den, so­dass hier ein Rechts­schutz kaum mög­lich ist“, be­rich­tet Scho­el­ler.

Kla­ge fast un­mög­lich

Ei­ne Kla­ge ge­gen den Rechts­bre­cher sei al­so fast un­mög­lich, da die Di­ens­te­an­bie­ter die ent­spre­chen­den Da­ten nur in den sel­tens­ten Fäl­len über­mit­teln.

„Ge­mäß E-Com­mer­ce-Ge­setz ha­ben Di­ens­te­an­bie­ter (das sind auch Me­di­en­in­ha­ber von so­zia­len Netz­wer­ken) den Na­men und die Adres­se ei­nes Nut­zers auf Ver­lan­gen drit­ten Per­so­nen zu über­mit­teln, so­fern die­se ein über­wie­gen­des recht­li­ches In­ter­es­se an der Fest­stel­lung der Iden­ti­tät ei­nes Nut­zers und ei­nes be­stimm­ten rechts­wid­ri­gen Sach­ver­halts ha­ben. Es muss glaub­haft ge­macht wer­den, dass die In­for­ma­tio­nen ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die Rechts­ver­fol­gung sind“, so Scho­el­ler, der fol­gert: „Weil das der­zeit in der Pra­xis nicht funk­tio­niert, sind Ge­setz­ge­ber und Ge­rich­te mas­siv ge­for­dert!“ Aus dem Blick­win­kel des Ur­he­bers sind Nut­zungs­rechts­ein­räu­mun­gen zu sei­nen Guns­ten im­mer eher eng aus­zu­le­gen. Der Werk­nut­zungs­be­rech­tig­te er­wirbt im Zwei­fel nicht mehr Rech­te, als für den prak­ti­schen Zweck der vor­ge­se­he­nen Werk­nut­zung not­wen­dig er­scheint. Die un­ent­gelt­li­che Zur­ver­fü­gung­stel­lung der Fo­tos (nur) für den Ge­mein­de­ka­len­der um­fasst na­tür­lich nicht die Ver­wen­dung in schrift­li­chen Aus­sen­dun­gen oder für an­de­re Nut­zungs­ar­ten.

E-Com­mer­ceGe­setz er­gibt sich, dass ei­nen Di­ens­te-Be­trei­ber die Ver­pflich­tung trifft, bei Be­kannt­wer­den of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­ger In­hal­te die ent­spre­chen­den Bei­trä­ge bzw. Ein­ga­ben zu ent­fer­nen. Die Be­trei­ber trifft nach der ent­spre­chen­den Mel­dung ei­nes Users ei­ne Ent­fer­nungs­ver­pflich­tung. Je­doch ist ei­ne Kla­ge ge­gen den Rechts­bre­cher fast nicht mög­lich, da die Di­enst­an­bie­ter die ent­spre­chen­den Da­ten nur in den sel­tens­ten Fäl­len über­mit­teln.

An­ony­me Pöbler im Netz sind kaum zu fin­den

Ste­fan Scho­el­ler, Rechts­an­walt:

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