ZUR PER­SON

Kleine Zeitung Steiermark - - SONNTAGS-INTERVIEW - I NTERVIEW: MANUELA SWOBODA

Ili­ja Tro­ja­now, geb. am 23. 8. 1965 in Sofia, Bul­ga­ri­en. 1971 Flucht aus Bul­ga­ri­en, po­li­ti­sches Asyl in Deutsch­land, Über­sied­lung nach Ke­nia, wohnt spä­ter ei­ni­ge Jah­re in München und meh­re­re in Mumbai. Lebt heu­te vor­wie­gend in Wi­en. Sein Ro­man „Der Wel­ten­samm­ler“, mehr­fach aus­ge­zeich­net, ist ein Welt­best­sel­ler. Sein neu­es Buch „Macht und Wi­der­stand“steht auf der Lon­glist des Deut­schen Buch­prei­ses. Schiw­kows, des zä­hes­ten Dik­ta­tors Ost­eu­ro­pas, der Bul­ga­ri­en drei Jahr­zehn­te im kom­mu­nis­ti­schen Wür­ge­griff hat­te. TRO­JA­NOW: Bo­ris­sow oder ein an­de­rer, völ­lig egal. Sind al­le aus dem­sel­ben Holz. Bo­ris­sow ist so ein hemds­är­me­li­ger Hai­der-Typ, der tut, als könn­te er auf­räu­men. Er hat ei­nen schwar­zen Gür­tel in Ka­ra­te, hat auch ein biss­chen was von Pu­tin. Bo­ris­sow hat so­gar sei­nen Groß­va­ter her­vor­ge­holt, der von den Kom­mu­nis­ten ge­quält wor­den ist. Von 2009 bis 2013 war er schon ein­mal Pre­mier – und in all den Jah­ren hat er es nicht ge­schafft, die Ge­schichts­schrei­bung in den Schul­bü­chern zu kor­ri­gie­ren: Denn da- rin hört die Ge­schich­te ent­we­der 1944 auf oder be­steht aus Ver­klä­run­gen. Ich bin Bo­ris­sow ein­mal be­geg­net und hab ihm das an den Kopf ge­wor­fen, er hat nur ge­zuckt und sich am Kopf ge­kratzt. Aber es ist nicht we­sent­lich, wer in Bul­ga­ri­en an der Macht ist: Nur Thea­ter! Es ist al­les in der Hand der ehe­ma­li­gen No­men­kla­tu­ra, der heu­ti­gen Olig­ar­chie.

War­um hat die DDR-Au­f­ar­bei­tung bes­ser funk­tio­niert? TRO­JA­NOW: Weil et­was ganz Wun­der­ba­res pas­siert ist: Das Volk hat die Sta­si-Ak­ten be­kom­men. Das war der für mich groß­ar­tigs­te Mo­ment der Pro­tes­te.

26 Jah­re nach der Wen­de wird ein Groß­teil der Sta­si-Ak­ten in Bul­ga- ri­en noch im­mer un­ter Ver­schluss ge­hal­ten. TRO­JA­NOW: Das ist so, als wür­de man als Arzt nie den Pa­ti­en­ten zu Ge­sicht be­kom­men. Die In­fek­ti­on bleibt im Ver­bor­ge­nen. Aber wenn man die nicht ent­deckt, ist es auch un­mög­lich her­aus­zu­fin­den, woran der Pa­ti­ent re­spek­ti­ve die bul­ga­ri­sche Ge­sell­schaft krankt. Der Mensch ka­piert nicht, dass ein schein­ba­rer Frie­den in pe­ne­tran­ter Be­ru­hi­gung mör­de­ri­scher ist als das Auf­fla­ckern von Kampf und Wi­der­stand. Bul­ga­ri­en stirbt aus; wie vie­le ehe­ma­li­ge Ost­block­län­der auss­ter­ben. Die Jun­gen ge­hen weg, die Al­ten ster­ben, auch das ist ei­ne Art schlei­chen­der Ge­no­zid. Of­fen­bar stört das aber nie­man­den. Die Fried­hofs­ru­he scheint den Men­schen mehr zu be­kom­men, als auf die Bar­ri­ka­den zu ge­hen.

Sie las­sen Kon­stan­tin, den Wi­der­stands­kämp­fer, am En­de Ih­res Ro­mans sa­gen: „Es hat sich ge­lohnt.“Wie­so lohnt es sich? TRO­JA­NOW: Wi­der­stand lohnt sich, weil er die Wür­de er­hält. Ich glau­be, dass wir im Ok­to­ber die Über­ra­schung die­ser Wahl sein wer­den. Und zwar ei­ne po­si­ti­ve, glaubt ÖVPWi­en-Spit­zen­kan­di­dat Man­fred Ju­racz­ka Fünf­haus, du Op­fa, gib Stim­me! Wirbt im Jar­gon sei­ner Ziel­grup­pe: Ma­xi­mi­li­an Zir­ko­witsch (SPÖ) Ich wäh­le ihn, weil er Aus­tria­ner ist. Die Stim­me von Fern­seh­ma­na­ger Ger­hard Zei­ler ist be­reits Michael Häupl ver­spro­chen Wenn ich Angst hät­te, wä­re ich in der Fern­seh­di­rek­ti­on falsch. ORF- Fern­seh­di­rek­to­rin Kath­rin Zech­ner lehrt die „ Stadl­show“nicht das Fürch­ten Ich has­se das Wort Le­bens­mensch. Über­stra­pa­zier­te Aus­sa­ge, fin­det Ste­fan Petz­ner mitt­ler­wei­le . . . Ich weiß nicht, ob Jörg Hai­der in den Him­mel ge­kom­men ist. . . . und ist auch ir­gend­wie ent­täuscht

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