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Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

zu spie­len“, wirbt Stav­ros Theo­do­ra­kis in Cha­nia für sei­ne Par­tei. Er ist zu ei­ner Ko­ali­ti­on mit bei­den gro­ßen Par­tei­en be­reit, aber nicht um je­den Preis: Er wer­de kei­ne Re­gie­rung un­ter­stüt­zen, „in der wie­der die ar­beits­lo­sen Mi­nis­ter von ges­tern sit­zen“, sagt Theo­do­ra­kis und for­dert „ei­nen neu­en An­fang“.

Al­les auf ei­ne Kar­te

Den ver­spricht auch Al­exis Tsi­pras. „Wir ha­ben die Kraft, die Kennt­nis und die Lei­den­schaft, die­ses Land zum Bes­se­rem zu ver­än­dern“, ruft er den Zu­hö­rern zu, die sich in Ka­la­ma­ta an der Süd­küs­te des Pe­lo­pon­nes zur Sy­ri­za-Kund­ge­bung ver­sam­melt ha­ben. Ei­ni­ge schwen­ken bun­te Par­tei­fah­nen, an­de­re hal­ten Spruch­bän­der hoch: „Wir ge­win­nen das mor­gen!“Hört man Tsi­pras zu, be­kommt man den Ein­druck, er kan­di­die­re zum ers­ten Mal und ha­be nicht schon seit Jän­ner re­giert. Von der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit spricht Tsi­pras sel­ten. Die Ban­ken­schlie­ßun­gen, die Ka­pi­tal­kon­trol­len, die Steu­er­er­hö­hun­gen – die­se dun­k­len Ka­pi­tel sei­ner ers­ten sie­ben Re­gie­rungs­mo­na­te spart er aus. Viel­leicht ist auch des­halb die Stim­mung un­ter den Zu­hö­rern eher ver­hal­ten. Be­geis­te­rungs­stür­me blei­ben aus. „Nichts Neu­es“, sum­miert ein Ki­osk­be­sit­zer, der aus sei­ner Bu­de am Rand des Plat­zes die Kund­ge­bung ver­folgt. Im Ja­nu­ar ha­be er Sy­ri­za ge­wählt, er­zählt der al­te Mann. „Aber ge­än­dert hat sich nichts, im Ge­gen­teil – jetzt wer­den die Steu­ern noch ein­mal er­höht und die Ren­ten wei­ter ge­kürzt.“Am Sonn­tag will er nicht zur Wahl ge­hen. „Ich ha­be Tsi­pras im Ja­nu­ar ge­wählt, das muss rei­chen.“Dass er nun schon wie­der ab­stim­men soll, ver­steht der Mann nicht: „Je­des Mal, wenn Tsi­pras nicht mehr wei­ter­weiß, ruft er die Wäh­ler“, sagt er kopf­schüt­telnd. „Erst die Volks­ab­stim­mung An­fang Ju­li, jetzt die Par­la­ments­wahl – soll das so wei­ter­ge­hen?“Der Ki­osk- Volks­ein­heit (Sy­ri­za-Ab­spal­tung)

Nea Di­mo­kra­tia (kon­ser­va­tiv) be­sit­zer in Ka­la­ma­ta steht mit die­ser Mei­nung nicht al­lein. Fast 36 Pro­zent der Wäh­ler, so ei­ne Um­fra­ge des In­sti­tuts Ka­pa Re­se­arch, in­ter­es­sie­ren sich „we­nig“oder „gar nicht“für die­se Wahl. Das lässt am Sonn­tag kei­ne ho­he Wahl­be­tei­li­gung er­war­ten.

So sehr Tsi­pras im Wahl­kampf die Zu­kunft be­schwört: Es geht bei die­ser Ab­stim­mung auch um die Ver­gan­gen­heit. Dass er in den ver­gan­ge­nen sie­ben Mo­na­ten fast kei­nes sei­ner Wahl­ver­spre­chen ein­lö­sen konn­te, son­dern den Grie­chen jetzt ein neu­es Spar­pro­gramm zu­mu­ten muss, ist die schwers­te Hy­po­thek des Sy­ri­za-Chefs. Aber auch Op­po­si­ti­ons­füh­rer Mei­ma­ra­kis schleppt Alt­las­ten. In den Au­gen vie­ler Grie­chen ist der 61-Jäh­ri­ge, der seit im­mer­hin 26 Jah­ren im Par­la­ment sitzt, ein ty­pi­scher Re­prä­sen­tant je­ner al­ten po­li­ti­schen Klas­se, die das Land mit Vet­tern­wirt­schaft und Schul­den­ma­chen rui­niert hat. „Grie­chen­land hat sich ge­än­dert, wir ha­ben uns ge-

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