ZUM BUCH

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK -

Au­to­bio­gra­phie. „Die Kunst der Frei­heit in Zei­ten zu­neh­men­der Un­frei­heit“er­scheint im Brand­stät­ter-Ver­lag, ist 176 Sei­ten stark und kos­tet 22,50 Eu­ro.

Ob er mit Ih­nen rech­nen kann? VAN DER BEL­LEN: So et­wa. Be­vor man sich un­be­dingt auf et­was ein­lässt, fragt man sich: Was ist, wenn sich die Ver­hält­nis­se än­dern? Ha­be ich mich viel­leicht ge­irrt? Die Öf­fent­lich­keit un­ter­schätzt das Pro­blem, un­un­ter­bro­chen auf Ba­sis un­voll­stän­di­ger In­for­ma­ti­on ent­schei­den zu müs­sen, nicht zu wis­sen, ob das, was du machst, sich im Nach­hin­ein als rich­tig her­aus­stellt.

Sie lie­ben Iro­nie. Im Jour­na­lis­mus funk­tio­niert sie nicht. Was ist Ih­re Er­fah­rung in der Po­li­tik? VAN DER BEL­LEN: Es ist hei­kel und kommt sehr auf das Gre­mi­um an, vor dem man spricht. Ich muss lei­der sa­gen, im Na­tio­nal­rats­ple­num war es nicht im­mer leicht. Da muss­te man im­mer sa­gen: Ach­tung, Iro­nie. Dann ist es aber nicht mehr iro­nisch, son­dern pein­lich. An­de­rer­seits soll man die Hu­mor­fä­hig­keit der Leu­te nicht un­ter­schät­zen.

Ihr Buch lis­tet vie­le Punk­te auf, bei de­nen Sie nicht mit den Grü­nen über­ein­stim­men, von TTIP über Stu­di­en­ge­büh­ren bis zu Rauch­ver- bo­ten und zum Stras­ser-Pla­kat, das Sie un­mög­lich fan­den. VAN DER BEL­LEN: Es kommt schon was zu­sam­men (lacht).

Wel­ches Ver­hält­nis ha­ben zur Par­tei und um­ge­kehrt? VAN DER BEL­LEN: Wir ha­ben ein durch­aus freund­li­ches Ver­hält­nis. Sie ha­ben ge­lernt, mich zu to­le­rie­ren. Sie hiel­ten mich ir­gend­wie für lern­fä­hig (lacht).

Of­fen­bar ein Irr­tum. VAN DER BEL­LEN (lacht): Ich hal­te mir schon zu­gu­te, dass ich zu ar­gu­men­tie­ren ver­su­che und nicht drü­ber­fah­re. Ich neh­me die Leu­te mit an­de­ren An­schau­un­gen ernst und ver­su­che, mei­ne An­sicht zu er­klä­ren. Manch­mal ha­be ich mich durch­ge­setzt, manch­mal nicht. Bei den Stu­di­en­ge­büh­ren bis heu­te nicht.

Sind dar­an die Ver­hand­lun­gen über ei­ne schwarz-grü­ne Ko­ali­ti­on 2003 ge­schei­tert? VAN DER BEL­LEN: Die Fra­ge der Ab­fang­jä­ger ist viel heik­ler ge­we­sen. Da hät­te man sich drü­ber­mo­geln müs­sen, ei­ne Kom­mis­si­on ein­set­zen oder so. Das funk­tio­niert manch­mal.

Sie

Woran hak­te es noch? VAN DER BEL­LEN: In der Pen­si­ons­re­form hat­te Wolf­gang Schüs­sel so de­tail­lier­te Vor­stel­lun­gen, das war schon recht müh­sam.

Aber Sie hät­ten mit­kön­nen? VAN DER BEL­LEN: Ja, wir hat­ten uns mit Wil­helm Mol­te­rer schon ge­ei­nigt. Ich ge­he tief auf­at­mend nach Hau­se, da ruft mich Mol­te­rer an und sagt: „Dem Chef ist das zu we­nig“. Al­so zu­rück zum Start. Ich fin­de, wir wa­ren zu un­er­fah­ren, Schüs­sel war zu er­fah­ren. Es fängt bei der psy­cho­phy­si­schen Über­be­an­spru­chung an. Am Schluss lag der hal­be Klub krank im Bett, wir ha­ben uns noch zur letz­ten Ver­hand­lung ge­schleppt.

Woran schei­ter­te es zu­letzt? VAN DER BEL­LEN: Jah­re spä­ter saß ich ein­mal bei Schüs­sel im Bü­ro. Ur­su­la Plass­nik kam her­ein und frag­te: Sagt ein­mal, woran ist das 2003 ge­schei­tert? Schüs­sel und ich sind wie die Schul­bu­ben dort­ge­ses­sen und ha­ben uns ge­fragt: Ja, woran ist es jetzt wirk­lich ge­schei­tert?

Sie wuss­ten kei­ne Ant­wort?

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