„Sie ha­ben ge­lernt, mich zu to­le­rie­ren“

Alex­an­der Van der Bel­len über sein Ver­hält­nis zu den Grü­nen, zur Re­li­gi­on und sei­ne mög­li­che Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK -

Alex­an­der Van der Bel­len, nach der Lek­tü­re Ih­res Bu­ches fragt man sich, wie ein so nach­denk­li­cher Mensch auf die Idee kommt, Po­li­ti­ker zu wer­den statt Pro­fes­sor oder Jour­na­list. ALEX­AN­DER VAN DER BEL­LEN (lacht): Als ich im Na­tio­nal­rat war, durf­te ich al­le fünf Wo­chen ei­ne Ko­lum­ne für die „Wie­ner Zei­tung“schrei­ben. Ich fand das an­ge­nehm, oh­ne Zen­sur über eu­ro­päi­sche Fra­gen schrei­ben zu dür­fen. In die Po­li­tik kam ich zu­fäl­lig. Wir ha­ben oft ge­blö­delt im Grü­nen Club: Wie konn­te das pas­sie­ren?

Den Grü­nen oder Ih­nen? VAN DER BEL­LEN: Bei­den.

Ih­re zö­ger­li­che Art hat vie­len Leu­ten dann of­fen­bar ge­fal­len. VAN DER BEL­LEN: Da hat sich ein My­thos ge­bil­det. Die­ses so­ge­nann­te Cha­ris­ma, das mir zu­ge­schrie­ben wird, wur­de an­fangs nur als skur­ril be­trach­tet, be­son­ders von Jour­na­lis­ten: Zu sprö­de sei ich, zu lang­wei­lig und ei­gent­lich gar kein Po­li­ti­ker. Erst im Lau­fe der Zeit hat sich dar­aus ein Atout ent­wi­ckelt. Be­güns­tigt wur­de es durch ei­ge­ne Stur­heit oder Un­wil­len zu ler­nen, wie man sich als Po­li­ti­ker kor­rekt ver­hält.

Sie ha­ben den schö­nen Satz ge­schrie­ben: „Dis­tanz zu den Din­gen lähmt den Im­pe­tus zur Tat.“Ist das wirk­lich so? VAN DER BEL­LEN: Es ist schon ei­ne Grat­wan­de­rung. Mein Freund Fer­di­nand La­c­i­na hat auf die Fra­ge, was er von mir hält, ge­sagt: Man weiß nicht im­mer, ob er das jetzt wirk­lich will.

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