Die Bio­lo­gie ist nicht po­li­tisch kor­rekt

Der re­nom­mier­te Ge­nom­for­scher Axel Meyer na­vi­giert un­be­fan­gen durch das Mi­nen­feld der Ge­schlech­ter­rol­len und Gen­der­zie­le. Star­ker To­bak in amü­san­ter Ver­pa­ckung.

Kleine Zeitung Steiermark - - TRIBÜNE - ERNST SIT­TIN­GER

Gut, ein bis­serl was weiß man über Frau­en und Män­ner und den „klei­nen Un­ter­schied“so­wie­so. Aber aus der Fe­der ei­nes Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gen und Ge­nom­for­schers klingt das al­les gleich viel prä­zi­ser: Frau­en sind im Schnitt um sie­ben Zen­ti­me­ter klei­ner, Män­ner sind bei vie­len Sport­ar­ten um zehn Pro­zent schnel­ler. Bei­de ha­ben so­gar mit Pflan­zen wie Kohl­ra­bi ei­ne ho­he ge­ne­ti­sche Über­ein­stim­mung.

Dann gibt es auch Fak­ten, die man gar nicht so genau wis­sen will. Et­wa: Män­ner sind den Schim­pan­sen rein ge­ne­tisch un­ge­fähr gleich ähn­lich wie den Frau­en – zur Frau liegt die Über­ein­stim­mung bei 98,9 Pro­zent, zum Schim­pan­sen bei 98,5 Pro­zent. Oder: Die Ge­ne ei­nes Men­schen ent­hal­ten ins­ge­samt 0,85 Gi­ga­byte In­for­ma­ti­on, was Axel Meyer so for­mu­liert: „Die ge­sam­te ge­ne­ti­sche In­for­ma­ti­on zehn ge­nia­ler Wis­sen­schaft­ler (. . .) kön­nen Sie auf ei­ne ein­zi­ge DVD bren­nen.“

Ab­ge­se­hen von die­sem Pa­n­op­ti­kum ge­ne­ti­schen Fach­wis­sens, das teils amü­sant (und teils auch sper­rig) prä­sen­tiert wird, hat Mey­ers Buch frei­lich auch viel Ex­plo­si­ves zu bie­ten. Dass In­tel­li­genz sehr stark erb­lich ist – und zwar na­he­zu so stark wie die Kör­per­grö­ße –, ist ge­wiss ei­ne nicht über­all will­kom­me­ne Zu­sam­men­fas­sung al­ler zu die­sem The­ma ver­füg­ba­ren Stu­di­en. Auch bei Ho­mo­se­xua­li­tät kon­sta­tiert Meyer ei­ne „re­la­tiv ho­he Erb­lich­keit“. Der Au­tor scheut nicht ein­mal vor der Be­mer­kung zu­rück, dass in Thi­lo Sar­ra­zins um­strit­te­nem Buch „Deutsch­land schafft sich ab“der Kennt­nis­stand zur ge­ne­ti­schen Ba­sis von In­tel­li­genz „wis­sen­schaft­lich weit­ge­hend kor­rekt dar­ge­stellt wur­de“. chwer ver­min­tes Ge­län­de be­tritt Meyer dort, wo er er­läu­tert, war­um Bu­ben mit Au­tos und Mäd­chen mit Pup­pen spie­len und war­um bei der Wahl ei­nes Phy­sik- oder Ma­the­ma­tik­stu­di­ums durch Hoch­be­gab­te noch im­mer auf ei­ne Frau acht Män­ner kom­men. Kurz ge­sagt: Un­ter­schie­de in Be­rufs­nei­gung und So­zi­al­ver­hal­ten sei­en zu­min­dest teil­wei­se ge­ne­tisch er­klär­bar. Die bio­lo­gi­schen Un­ter­schie­de lie­ßen sich „nicht we­gi­deo­lo­gi­sie­ren“, schreibt Meyer: „Die Wahr­heit ist eben nicht im­mer po­li­tisch kor­rekt.“

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