„400 Mil­lio­nen feh­len uns noch“

Michael Schick­ho­fer, ro­ter Vi­ze-Lan­des­haupt­mann und Vo­ves-Er­be, über neue Schul­den, Ge­mein­de­äm­ter als Asyl­quar­tie­re und sei­nen gu­ten Draht zur FPÖ.

Kleine Zeitung Steiermark - - | STEIERMARK- THEMA -

Ur­sprüng­lich hät­te das Land nächs­ten Sonn­tag ge­wählt. Wie wä­re das aus­ge­gan­gen? MICHAEL SCHICK­HO­FER: Schwer ab­schätz­bar, die Her­aus­for­de­run­gen für die Groß­par­tei­en sind si­cher grö­ßer ge­wor­den. Man wird se­hen, wie sich das in Wi­en und Ober­ös­ter­reich aus­wirkt. Kei­ner wünscht sich Krieg und Flucht; aber jetzt ha­ben auch wir da­mit um­zu­ge­hen – mensch­lich.

Die meis­ten Stim­men ge­holt, aber den Lan­des­haupt­mann ver­lo­ren: Hat das die SP nun ver­daut? SCHICK­HO­FER: Da­zu ist al­les ge­sagt, es ist kei­ne Zeit für Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung mehr. Wir hat­ten kürz­lich Par­tei­vor­stand, der Par­tei­tag ist fest­ge­legt, die pro­gram­ma­ti­sche Ar­beit läuft.

Steht die Par­tei hin­ter Ih­nen? SCHICK­HO­FER: Ja, dar­an ha­be ich kei­nen Zwei­fel.

Die Fort­set­zung der Zu­sam­men­ar­beit mit der ÖVP ist al­ler­dings schwie­ri­ger als ge­dacht. SCHICK­HO­FER: Nein, die Of­fen­si­ve steht: Wir wer­den über die Ener­gie Stei­er­mark bis zu 500 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­ren: in Breit­band, Wind­kraft, neue Be­tei­li­gun­gen; wir re­den übers Mur­kaft­werk in Graz mit wei­te­ren Part­nern. Das For­schungs­zen­trum am Erz­berg, die Sport­hal­len in Graz etc. wer­den durch­ge­zo­gen. Wir för­dern die Flä­chen­ent- wick­lung am Are­al ÖDK Voits­berg und bei Ma­gna die Stif­tung.

Die Mit­tel sind vor­han­den? SCHICK­HO­FER: Nun, Ar­beits­markt und wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on sind un­se­re größ­ten Her­aus­for­de­run­gen. Der­zeit feh­len uns et­was we­ni­ger als 400 Mil­lio­nen, nächs­tes Jahr et­wa 150 bis 180 Mil­lio­nen Eu­ro. Noch wird ver­han­delt, mei­ne Bud­get­re­de ist erst En­de Ok­to­ber.

Al­so wei­ter Schul­den ma­chen? SCHICK­HO­FER: Wir sind ja nicht ab­ge­kop­pelt von die­ser Welt. Wir kon­so­li­die­ren wei­ter, frie­ren vie­les auf 2014er-Ni­veau ein. Nur, so­lan­ge Kos­ten für Spi­tä­ler, Ärz­te, So­zia­les und Per­so­nal so stei­gen, aber die Er­trags­an­tei­le nach­las­sen: Ich kann das nicht al­les weg­spa­ren. Die Stei­rer brau­chen Jobs und so­zia­le Ab­si­che­rung. Ei­ne ge­wis­se Neu­ver­schul­dung ist wohl in Kauf zu neh­men, wir kön­nen die Kon­junk­tur ja nicht ab­wür­gen.

Das klingt nun ein we­nig nach Alt­kanz­ler Bru­no Kreis­ky. SCHICK­HO­FER: In die­ser wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on viel­leicht. Aber der Kreis­ky hat et­was wei­ter­ge­bracht, hat zur rich­ti­gen Zeit die rich­ti­gen Im­pul­se ge­setzt.

Kreis­ky hat sich auch nicht ge­scheut, der SPÖ Mehr­hei­ten mit den Blau­en zu be­schaf­fen. SCHICK­HO­FER: Ich re­de re­spekt­voll mit al­len und will gu­te Ide­en ge­mein­sam um­set­zen, wie­wohl ich in­halt­lich nicht über­all ei­ner Mei­nung mit der FPÖ bin.

Wür­den Sie sich von der FPÖ zum Lan­des­chef wäh­len las­sen? SCHICK­HO­FER: Jetzt gibt es auf fünf Jah­re die Ko­ali­ti­on mit der ÖVP und es läuft gut. Auch in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen wie nach der Amok­fahrt; nun die Flücht­lin­ge. Ich ste­he zu die­ser Ko­ali­ti­on mit Her­mann Schüt­zen­hö­fer. Ich wer­de 2015 aber nicht sa­gen: Mit der FPÖ re­den wir 2020 nicht.

Wie groß ist Ih­re Sor­ge, dass Schüt­zen­hö­fer vor 2020 ab­tritt? SCHICK­HO­FER: Soll­te das pas­sie­ren, wer­den wir die Si­tua­ti­on neu be­wer­ten. So­fern ich in der Gestal­tungs­kraft ein­ge­schränkt wür­de, müss­te ich mir et­was über­le­gen.

Michael Schick­ho­fer (35) ist Vi­ze-LH und für Fi­nan­zen, Re­gio­nen, Be­tei­li­gun­gen und Ka­ta­stro­phen­schutz ver­ant­wort­lich

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.