Auf­bruch in die Frei­heit ZUM STÜCK

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR -

be­richt lässt der Senk­recht­star­ter der jün­ge­ren ös­ter­rei­chi­schen Dra­ma­tik, Fer­di­nand Schmalz, sein zwei­tes Stück „do­sen­fleisch“be­gin­nen – er gibt den Ton vor für ei­ne Er­zäh­lung von der Sehn­sucht nach dem „Aus­büch­sen“.

Im Ju­ni wur­den mit der Urauf­füh­rung von „do­sen­fleisch“die Ber­li­ner Au­to­ren­thea­ter­ta­ge er­öff­net, nun ist Ca­ri­na Riedls am Burg­thea­ter er­ar­bei­te­te Ins­ze­nie­rung erst­mals dort zu se­hen, an der drit­ten Spiel­stät­te, dem Ka­si­no am Schwar­zen­berg­platz. Riedl hat dem Abend ei­ne schlüs­si­ge Klam­mer ver­passt: Das Stück wird von ei­nem trei­ben­den Schlag­zeug­so­lo von Katharina Ernst er­öff­net, die den gan­zen Abend auf der Büh­ne prä­sent bleibt und Schmalz’ stark rhyth­mi­sier­ter, ma­nie­rier­ter Spra­che zu­sätz­li­che Mu­si­ka­li­tät ver­leiht.

Und dann tre­ten auf: ein Fern­fah­rer (Da­ni­el Jesch), Be­ob­ach­ter des Ge­sche­hens vom Füh­rer- „do­sen­fleisch“. Von Fer­di­nand Schmalz. Burg­thea­ter-Ka­si­no, Wi­en, Schwar­zen­berg­platz 1. Mit: Do­ro­thee Har­tin­ger, Fri­daLo­vi­sa Ha­mann, Ti­no Hil­le­brand, Da­ni­el Jesch, Katharina Ernst. Ter­mi­ne: 22., 23., 29. Sep­tem­ber, 1., 6. Ok­to­ber; Be­ginn: 20 Uhr. Kar­ten: Tel. (01) 513 1 513. www.burg­thea­ter.at Be­wer­tung: häus­chen aus. Bea­te (Do­ro­thee Har­tin­ger), Be­trei­be­rin der Tan­ke, Jay­ne (Fri­da-Lo­vi­sa Ha­mann), Un­fall­op­fer, und Ver­si­che­rungs­gut­ach­ter Rolf (Ti­no Hil­le­brand), her­ge­trie­ben von der dun­k­len Ah­nung, dass die Bil­der all der Wun­den, die er von Be­rufs we­gen durch­se­hen muss, das Bild ei­ner grö­ße­ren Wun­de er­ge­ben.

Dar­um näm­lich geht es in „do­sen­fleisch“: Der Mensch in sei­nem Fahr­zeug fun­giert als Sinn- bild für die kon­ser­vier­te, ste­ri­li­sier­te Exis­tenz, aus der es aus­zu­bre­chen gilt, der Un­fall wird zum Be­frei­ungs­sze­na­rio. Die Tan­ke er­weist sich als Wi­der­stands­nest, mit Lei­chen im Kühl­schrank und im Zei­chen ei­ner Phi­lo­so­phie, die Jay­ne in ei­nem fu­rio­sen Ma­ni­fest for­mu­liert: „ist man erst of­fi­zi­ell zu bruch ge­gan­gen, sieht man die viel­heit in sich, die mög­lich­kei­ten“. Der Auf­bruch in die Frei­heit ist nicht nur ei­ne Po­in­te: Was Schmalz in sei­nem De­büt „am bei­spiel der but­ter“sprach­lich aus­ge­führt hat, setzt er in „do­sen­fleisch“fort: ein Spiel mit Wort­be­deu­tun­gen und Phra­sen, die er sei­ne Fi­gu­ren ver­kos­ten und fein zer­kaut wie­der aus­spu­cken lässt und in dem sich lust­voll das Ba­na­le mit dem Phi­lo­so­phi­schen ver­bin­det: „die welt ist al­les, was der un­fall ist“, heißt es da, und das ata­vis­tisch fu­rio­se Fi­na­le nach 70 in­ten­si­ven Mi­nu­ten gibt ihm recht. Lan­ger Bei­fall.

Ge­fähr­li­che Sehn­sucht: Fri­da-Lo­vi­sa Ha­mann als Jay­ne in Fer­di­nand Schmalz’ „do­sen­fleisch“

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