Spie­ler oder Re­for­mer: Tsi­pras hat nun die Wahl

Mit sei­nem Sieg fes­tigt Al­exis Tsi­pras sei­ne Macht.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - ST E FA N W I N K L E R

Zur Un­ver­fro­ren­heit, mit der die grie­chi­sche Po­li­tik seit Aus­bruch der Schul­den­kri­se auf­tritt, ge­hört es, dass sich we­der die wech­seln­den Athe­ner Re­gie­run­gen noch die sich in der Op­po­si­ti­ons­rol­le ab­lö­sen­den Par­tei­en bis zum heu­ti­gen Tag ernst­haft die Fra­ge ge­stellt ha­ben, was sie ih­ren eu­ro­päi­schen Part­nern noch al­les ab­ver­lan­gen kön­nen.

Ges­tern ha­ben die Grie­chen ein neu­es Par­la­ment ge­wählt. Wie­der ein­mal. Es war das fünf­te Mal bin­nen sechs Jah­ren und das zwei­te Mal in nur neun Mo­na­ten. Und völ­lig un­ab­hän­gig vom Er­geb­nis war der Ur­nen­gang so ziem­lich das Letz­te, was das Land und Eu­ro­pa in ih­rer ge­gen­wär­tig la­bi­len Ver­fasst­heit nö­tig ge­habt hät­ten.

Denn auch wenn ent­ge­gen al­len Pro­gno­sen am En­de nun doch noch das Sy­ri­za-Links­bünd­nis um Al­exis Tsi­pras deut­lich vor der kon­ser­va­ti­ven Nea Di­mo­kra­tia auf dem ers­ten Platz ge­lan­det ist, so sind die enor­men Her­aus­for­de­run­gen, vor de­nen Grie­chen­land steht, ja um nichts ge­rin­ger ge­wor- den. Im Ge­gen­teil. Das drit­te Wahl­aben­teu­er, in das Tsi­pras die Grie­chen nach den Wah­len vom Jän­ner und dem bi­zar­ren Ju­li-Re­fe­ren­dum über ein zu die­sem Zeit­punkt gar nicht mehr gül­ti­ges An­ge­bot der Kre­dit­ge­ber ge­stürzt hat, hat die Si­tua­ti­on in Grie­chen­land nur noch wei­ter ver­schlim­mert.

Wert­vol­le Zeit wur­de ver­tan, wich­ti­ge Re­for­men wur­den wei­ter ver­schleppt und volks­wirt­schaft­li­che, ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Ener­gi­en für das Kräf­te­mes­sen der Par­tei­en ver­geu­det. Auf Dut­zen­de Mil­li­ar­den Eu­ro wur­den zu Jah­res­mit­te die Aus­fäl­le in Fol­ge des Streits mit den Geld­ge­bern und der po­li­ti­schen An­ar­chie ge­schätzt, die die paar Mo­na­te Sy­ri­za-Re­gie­rung Grie­chen­land be­schert ha­ben. Und der Scha- den dürf­te seit­her noch ein­mal ge­wal­tig ge­stie­gen sein.

Wenn man dem Wahl­sieg von Al­exis Tsi­pras schon et­was Po­si­ti­ves ab­ge­win­nen will, dann, dass er nun die Re­bel­len in der ei­ge­nen Par­tei los ist, die ihm das mit den Geld­ge­bern ver­ein­bar­te Aus­te­ri­täts­pa­ket als ideo­lo­gi­schen Ver­rat aus­leg­ten. amit fes­tigt Tsi­pras sei­ne Macht. Ent­schei­dend wird jetzt al­ler­dings sein, wie er die­se Macht nützt. Be­dient er sich ih­rer, um das po­li­ti­sche Sys­tem zu re­for­mie­ren, wie sich das die Mehr­heit der Grie­chen wünscht, oder er­liegt er ih­ren Ver­lo­ckun­gen und ver­fällt in die Feh­ler sei­ner Vor­gän­ger, die das Land mit ih­rem Kli­en­te­lis­mus wie ei­ne os­ma­ni­sche Pro­vinz re­giert ha­ben?

Nur dar­an wird Tsi­pras zu mes­sen sein. Dar­an wird sich er­wei­sen, ob sein Wan­del vom Re­vo­lu­tio­när zum Re­for­mer echt ist oder nur ei­ne Ka­prio­le mehr im schil­lern­den Le­ben ei­ner po­li­ti­schen Spie­ler­na­tur.

DSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

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