Ein Su­per-GAU für VW, Um­welt und die Kun­den

Mar­tin Win­ter­korn ver­ant­wor­tet Ruf-To­tal­scha­den.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - ADOLF WINK­LER

Sitz­ge­blä­se, be­heiz­ba­re Au­ßen­spie­gel – was wird heu­te nicht al­les in Au­tos ein­ge­baut, ehe sie bald über­haupt selbst­ge­steu­ert oh­ne uns fah­ren. Ein ganz spe­zi­el­les Zu­be­hör soll sich VW aus­ge­dacht ha­ben, um bei der Ho­mo­lo­ga­ti­on, der Fahr­zeug­zu­las­sung, bes­ser aus­zu­schau­en: ei­ne Soft­ware, die beim Emis­si­ons­test er­kennt, dass das Test­ge­rät an­ge­dockt ist, wor­auf der Mo­tor auf ei­nen an­de­ren Fahr­zy­klus schal­tet. Bei fast ei­ner hal­ben Mil­li­on Die­sel­au­tos soll VW auf die­se Wei­se, so der Vor­wurf der ame­ri­ka­ni­schen Um­welt­schutz­agen­tur EPA, Prä­si­dent Ba­rack Oba­mas ge­fei­er­tes Luf­t­rein­hal­te­ge­setz „Cle­an Air Act“per Ab­gas­schwin­del um­gan­gen ha­ben.

Bei Com­p­li­an­ce-Re­geln ken­nen die Ame­ri­ka­ner kei­nen Spaß. Schon gar nicht, wenn ein eu­ro­päi­scher Kon­zern sie bricht. Noch teu­rer als die 18 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, die VW als Stra­fe dro­hen, ist al­ler­dings der Ruf-To­tal­scha­den, den VW mit die­sem Su­per-GAU der Glaub­wür­dig­keit er­lei­det.

Volks­wa­gen ist das Ur­au­to so­li­des­ter deut­scher Mecha­nik: Mut­ter al­ler Qua­li­täts­ka­ros­sen, Lang­le­big­keit auf vier Rä­dern, in PS ge­gos­se­ne Auf­rich­tig­keit. All das wur­de auf dem wich­ti­gen US-Markt mit Ab­gas­mo­ge­lei von 130 auf null an die Wand ge­fah­ren, leicht­fer­tig wur­de deut­sche Ak­ku­ra­tes­se in Über­see zu Schrott ge­macht.

Die Bör­se hat den Volks­wa­genkon­zern und sei­nen Len­ker Mar­tin Win­ter­korn da­für be­reits ges­tern bru­tal ab­ge­straft. Der Ta­ges­ver­lust von über 15 Mil­li­ar­den Eu­ro an Bör­sen­wert ist an sich schon his­to­risch. Noch schwe­rer wiegt, dass die VW-Ak­tie vor ei­nem hal­ben Jahr noch bei 245 Eu­ro lag und nun bei 130 Eu­ro fast hal­biert wie­der auf dem Ni­veau des Jah­res 2012 her­um­tau­melt.

Der Scha­den, den sich VW an­ge­rich­tet hat, hat vie­le Ge­sich­ter: die smog­ge­fähr­de­te Um­welt, öko­gläu­bi­ge Kun­den, die dü­pier­ten Fi­nanz­märk­te, ja ver­mut­lich auch die US-Fi­nanz, die um Ab­gas­ab­ga­ben um­fiel. Das sind für ei­ne Welt­mar­ke al­les kei­ne klei­nen Blech­schä­den. Der Mo­tor­scha­den liegt im Ver­lust der Glaub­wür­dig­keit. Die Kos­ten, um die zer­beul­te Image­ka­ros­se­rie wie­der glatt zu ma­chen, sind un­ab­seh­bar. b Mar­tin Win­ter­korn noch selbst den Speng­ler wird ge­ben kön­nen, ist frag­lich. Als Tech­ni­ker par ex­cel­lence im VW-Kon­zern er­wischt ihn auf sei­ner stärks­ten Fach­sei­te ei­ne Ver­feh­lung, die sich kaum ein Lehr­ling aus­ge­dacht ha­ben dürf­te. Der Mo­gel­schat­ten fällt auf die gan­ze Au­to­mo­bil­bran­che, Deutsch­lands In­dus­trie­mo­tor schlecht­hin. Zur Glaub­wür­dig­keit von VW kann Win­ter­korn am ehes­ten mit der deut­schen Tu­gend kla­rer Kon­se­quenz bei­tra­gen.

OSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.