Nicht auf an­ge­bo­te­ne Quar­tie­re DAS DURCH­GRIFFS­RECHT

Stei­rer, die dem Land Flücht­lings­quar­tie­re an­bie­ten, är­gern sich über „Igno­ranz“. Lan­des­rä­tin Kam­pus re­agiert nach Kri­tik. Und: Das Land lo­ckert Quar­tier­auf­la­gen.

Kleine Zeitung Steiermark - - FLÜCHTLINGSKRISE - BERND HE­CKE

Das gan­ze „Land sucht neue Asyl­quar­tie­re“lau­te­te die Schlag­zei­le in der Klei­nen Zei­tung, die El­ke Weit­gas­ser ein zwei­tes Mal hat ak­tiv wer­den las­sen. „Das kann ich nicht glau­ben“, er­zähl­te die Gas­tro­no­min aus dem Enn­s­tal über ih­re Er­fah­rung mit dem Flücht­lings­re­fe­rat. Sie hat dem Land ei­ne Früh­stücks­pen­si­on für bis zu 44 Per­so­nen in Haus im Enn­s­tal als Quar­tier an­ge­bo­ten. „Mit dem Bür­ger­meis­ter ha­be ich das ab­ge­spro­chen. Das Haus, das mei­nem Mann ge­hört, steht der­zeit leer.“

Es spielt al­le Stü­ckerln, wie dem An­trags­for­mu­lar zu ent­neh­men ist. Je­des Zim­mer hat Bad und Klo, es gibt ei­ne gro­ße Gastro­kü­che, es ist mit dem öf­fent­li­chen Ver­kehr zu er­rei­chen, ja so- gar ein rie­si­ges Frei­ge­län­de samt Spiel­platz gibt es. Al­lein sei­tens des Lan­des gab es nur Funk­stil­le. Ich ha­be im Re­fe­rat noch ein­mal an­ge­ru­fen, als ich von der ,Quar­tier­su­che im gan­zen Land‘ ge­le­sen ha­be. Die Aus­kunft: Man müs­se schau­en, ob mein E-Mail da sei. Bis wann je­mand das Quar­tier an­schaut, ob es passt, kön­ne man nicht sa­gen. In­ner­halb der nächs­ten zwei, drei Wo­chen oder zwei, drei Mo­na­ten.“In­zwi­schen sind drei Wo­chen ver­gan­gen – kei­ne Re­ak­ti­on. Nicht die ers­te der­ar­ti­ge Be­schwer­de.

Im Bü­ro der zu­stän­di­gen So­zi­al­lan­des­rä­tin Do­ris Kam­pus weiß man um die Kri­tik. Die Lan­des­rä­tin ha­be re­agiert. Ab so­fort wer­de das – per­so­nell nicht über­be­setz­te – Flücht­lings­re­fe­rat durch die Be­zirks­haupt­mann­schaf­ten ent­las­tet: „Die­se sol­len sich die Quar­tie­re an­schau­en und frei­ge­ben“, sagt Kam­pus-Spre­cher Jo­sef Rein­precht: „Und das Re­fe­rat wird An­bie­tern von Flücht­lings­quar­tie­ren da­für auch rasch ei­ne Rück­mel­dung ge­ben.“

Ge­lo­cker­te Auf­la­gen

Nicht die ein­zi­ge Re­ak­ti­on des Lan­des auf den zu­neh­men­den Platz­be­darf. Wie be­rich­tet sol­len Auf­la­gen für Asyl­quar­tie­re ge­lo­ckert wer­den. Viel­fach müs­sen Ab 1. Ok­to­ber kann der Bund in Bun­des­im­mo­bi­li­en Flücht­lin­ge auch ge­gen den Wil­len von Ge­mein­den un­ter­brin­gen. So will man die Län­der zwin­gen, ih­re Be­treu­ungs­quo­te zu er­fül­len. Die Stei­er­mark hat der­zeit rund 7000 Asyl­wer­ber un­ter­ge­bracht und die Quo­te in den letz­ten Wo­chen zu 94 Pro­zent er­füllt. Häu­ser ab­ge­lehnt wer­den, weil die Zahl der Sa­ni­tär­an­la­gen nicht aus­reicht oder Lärm- und Däm­mungs­auf­la­gen nicht ganz dem Bau­recht ent­spre­chen. Si­cher­heits­auf­la­gen sol­len nicht ge­lo­ckert, aber bü­ro­kra­ti­sche Hür­den ab­ge­baut wer­den. Für Asyl­quar­tie­re wä­ren dann we­ni­ger oft Bau­ver­fah­ren not­wen­dig. Der Land­tag könn­te das Pa­ket heu­te be­schlie­ßen, die Lan­des­re­gie­rung wür­de die de­tail­lier­te Ver­ord­nung her­aus­ge­ben.

Die­se Be­schleu­ni­gung auf der Su­che nach Flücht­lings­quar­tie­ren hat ei­nen Hin­ter­grund. Mor­gen be­schließt der Na­tio­nal­rat das Durch­griffs­recht des Bun­des bei Flücht­lings­quar­tie­ren. Dann kann der Bund ab 1. Ok­to­ber in Bun­des­ein­rich­tun­gen auch ge­gen den Wil­len von Ge­mein­den Asyl­quar­tie­re ein­rich­ten.

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