Ehe als ter­ro­rist„ische Zel­le

Kleine Zeitung Steiermark - - STEIERMARK -

Wir müs­sen uns die­sem Pro­blem stel­len. Es nützt nichts, nur die Flücht­lin­ge un­ter­zu­brin­gen. Man muss se­hen, wo sie her­kom­men: Sie wur­den ver­trie­ben Tie­re.Jo­han­nes­wie

schreibt in sei­ner An­kla­ge das Netz­werk, mit dem der IS ver­sucht, jun­ge Frau­en aus Eu­ro­pa nach Sy­ri­en zu brin­gen. Das äl­te­re der Mäd­chen hat so­gar über Sky­pe be­reits nach is­la­mi­schem Ri­tus ei­nen Mann ge­hei­ra­tet, der als Ter­ro­rist in ar-Raqqa lebt. Die Jün­ge­re soll­te in ei­nem Frau­en­haus für Un­ver­hei­ra­te­te un­ter­kom­men.

Auf dem Han­dy der Äl­te­ren ist zu se­hen, wie ihr Mann ei­nen ent­haup­te­ten Leich­nam schän­det, in­dem er auf ihn ein­tritt. Eben­so ge­spei­chert ist ein Vi­deo, auf dem 20 Mi­nu­ten lang (!) die Ver­bren­nung ei­nes jor­da­ni­schen Pi­lo­ten bei le­ben­di­gem Leib durch den IS zu se­hen ist. Dar­auf an­ge­spro­chen ha­be sie ge­sagt, sol­che Stra­fen stün­den im Koran.

„Das ist grau­sam“, sagt Win­klho­fer, „aber es ist uns zu­zu­mu­ten hin­zu­schau­en, wo die Flücht­lin­ge her­kom­men.“Wie die Tie­re sei­en Men­schen aus Sy­ri­en ver­trie­ben wor­den. „In der Schwarzlhal­le se­hen wir die­se Leu­te. Sie hat­ten Be­trie­be, Häu­ser, land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be. Dort ha­ben sich jetzt die­se Ver­bre­cher ein­ge­nis­tet.“

Ziel des IS sei ein welt­wei­tes Ka­li­fat. Durch die „Um­sie­de­lungs­ak­ti­on“von jun­gen Frau­en soll in ih­rem Staats­we­sen ei­ne In­fra­struk­tur auf­ge­baut wer­den. Winkl“

ho­fer, Staats­an­walt Den Frau­en, die der IS wie das Na­zi­re­gime als „Ge­bär­ma­schi­nen“für Kämp­fer be­trach­te, wer­de ge­sagt, es sei ih­re re­li­giö­se Pflicht, sich ih­nen an­zu­schlie­ßen. Und sie sei­en be­reit, „mit ei­nem Mann ei­ne Zel­le zu bil­den zur Aus­brei­tung des is­la­mis­ti­schen Ter­rors“.

Die zwei An­ge­klag­ten sind Schü­le­rin­nen aus Graz mit rus­si­scher Staats­bür­ger­schaft. Sie sind mit Kopf­tuch und in lan­gen Rö­cken er­schie­nen. In der Sa­che sei­en sie ge­stän­dig, sagt der An­klä­ger. Sie sei­en tief re­li­gi­ös, sei­en ver­führt wor­den und hät­ten ge­glaubt, im Hei­li­gen Krieg mit­zu­hel­fen. Im Ge­gen­satz zu ei­nem drit­ten Mäd­chen sei­en sie auch nicht nach Sy­ri­en ge­reist.

Ver­tei­di­ger Hans Le­ho­fer stellt die An­kla­ge sach­lich nicht in­fra­ge. Er be­strei­tet aber, dass durch den Plan, nach Sy­ri­en zu rei­sen, be­reits der Tat­be­stand ver­wirk­licht sei. Es ge­he um die recht­li­che Wer­tung: voll­ende­te Tat, Ver­such oder doch eher straf­frei­er Rück­tritt vom Ver­such. Im Üb­ri­gen „hat noch kein Mensch je­mals Frau­en an­ge­klagt, weil sie die Ta­ten der Sol­da­ten durch Hei­rat un­ter­stützt hät­ten“. Die zwei sei­en in Ös­ter­reich ge­blie­ben, weil sie er­kannt hät­ten, dass das, was sie vor­hat­ten, falsch sei.

Das Ge­richt sieht bei bei­den den Ver­such ver­wirk­licht, sich an ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung zu be­tei­li­gen. Nur aus Angst, er­wischt zu wer­den, sei­en sie da­ge­blie­ben. Die un­be­schol­te­nen Ju­gend­li­chen wer­den zu 14 be­zie­hungs­wei­se 12 Mo­na­ten be­ding­ter Haft ver­ur­teilt (Höchst­stra­fe fünf Jah­re). Be­wäh­rungs­hil­fe wird an­ge­ord­net. Die Ur­tei­le sind nicht rechts­kräf­tig, we­der Ver­tei­di­gung noch Staats­an­walt­schaft ga­ben ei­ne Er­klä­rung ab.

Ver­gan­ge­nen Frei­tag wur­de ei­ne 20-Jäh­ri­ge we­gen des­sel­ben Vor­wurfs zu eben­falls 12 Mo­na­ten be­dingt ver­ur­teilt.

Zum zwei­ten Mal stan­den jun­ge Ji­ha­dis­tin­nen in Graz vor Ge­richt

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