Herrn Wink­lers spä­te An­ste­ckung

Jo­sef Wink­ler hat mit „Spec­ter of the Gar­de­nia“sein ers­tes Büh­nen­werk ver­fasst. Am Frei­tag wird da­mit der stei­ri­sche herbst er­öff­net.

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR -

Uni Kla­gen­furt, Fa­kul­tät für In­ter­dis­zi­pli­nä­re For­schung und Fort­bil­dung. Hier hat Jo­sef Wink­ler, Dok­tor h. c. und Lehr­be­auf­trag­ter der Uni­ver­si­tät, sein Schreib­zim­mer, hier hat der Büch­ner-Preis­trä­ger sein Li­bret­to zu „Spec­ter of the Gar­de­nia oder Der Tag wird kom­men“ver­fasst. Ei­ne, so steht es in der An­kün­di­gung, „in­stal­la­ti­ve Kon­zert­per­for­mance“, für die Jo­han­nes Ma­ria Staud die Mu­sik kom­po­niert hat. Und mit de­ren Urauf­füh­rung in der Gra­zer List-Hal­le am Frei­tag der stei­ri­sche herbst 2015 er­öff­net wird.

Herr Wink­ler, Sie ha­ben Ihr ers­tes Büh­nen­werk ver­fasst: Wie kam es denn da­zu? JO­SEF WINK­LER (öff­net ein voll­ge­schrie­be­nes No­tiz­buch): So hat es be­gon­nen. Mit ein­zel­nen Sät­zen. Ve­ro­ni­ca Kaup-Hasler, die In­ten­dan­tin des stei­ri­schen herbs­tes, hat mich ge­fragt, ob ich ei­nen Stück­text schrei­ben möch­te. Oh­ne in­halt­li­che Vor­ga­ben. Das war die Chan­ce für mich. Sie hat ge­sagt, ich soll ma­chen, was ich will. Das hat mich in­spi­riert, weil ich kein Thea­ter­mensch bin und mich für das Thea­ter auch gar nicht in­ter­es­sie­re; ich wüss­te auch gar nicht, wie man ein Thea­ter­stück schreibt.

In die­sem No­tiz­buch kle­ben Kunst­post­kar­ten mit Bil­dern von Hieronymus Bosch, Cra­nach, Rous­seau, Bot­ti­cel­li. Leit­bil­der für den Text? WINK­LER: Ich ha­be ja ge­wusst, ich möch­te ins Sur­rea­le, Sprach­spie­le­ri­sche ge­hen. Und in den Bil­dern sind die Mo­ti­ve schon drin: das Ka­tho­li­sche, das Ma­ka­bre, das Sur­rea­le, das Ero­ti­sche – es ging nur dar­um, das mit Sät­zen auf­zu­la­den. Und weil ich weiß, ich kann kein Thea­ter­stück schrei­ben, wuss­te ich, ich muss erst ein­mal Sät­ze los­las­sen, rein as­so­zia­tiv drauf­los­schrei­ben.

Wie schrei­ben Sie? WINK­LER: Mit der Hand. Dann tip­pe ich den Text ab, dru­cke ihn aus, tip­pe ihn ab, dru­cke ihn aus, im­mer wie­der. Auch, wenn der Text schon sehr weit ist, wenn ich schon über den Berg da­mit bin, kann es sein, dass ich ihn noch ein­mal ab­tip­pe. So tas­te ich ihn ab, Zei­le für Zei­le, Satz für Satz: Stimmt der Satz, stimmt der Rhyth­mus? Das ist wie ei­ne Kla­vier­tas­ta­tur für mich.

Klingt sehr mu­si­ka­lisch. WINK­LER: Na ja. Frü­her, als wir noch auf der me­cha­ni­schen oder elek­tri­schen Schreib­ma­schi­ne ge­schrie­ben ha­ben, war die Pro­sa manch­mal ag­gres­si­ver. Wir ha­ben da rich­tig hin­ein­ge­dro­schen; aus den frü­hen Bü­chern von Tho­mas Bern­hard kann man das sehr deut­lich her­aus­le­sen. Heu­te ist al­les so sanft. Auch die Li­te­ra­tur ist sanft ge­wor­den. So ge­schmei­dig. So käuf­lich. Das fin­de ich scha­de, und ich hof­fe nach wie vor auf die Ra­di­ka­len, die sa­gen: Das ist für mich die Exis­tenz. Ent­we­der schrei­ben. Oder ster­ben. Ei­ni­ge gibt es ja noch. Die sich beim Schrei­ben nicht über die Schul­ter bli­cken las­sen von je­man­dem, der ih­nen sagt: „Die­sen Satz er­tra­gen nur 2000 Leu­te“– das ist der An­fang vom En­de.

Wenn man auf die Ver­kaufs­zah­len schielt? WINK­LER: Weil so ein Text nie un­ge­heu­er­lich wer­den kann. Aber man muss mer­ken: Ich ha­be al­les, oh­ne links und rechts zu schau­en, von mir ge­ge­ben, was ich kann, und ich bin mit dem Kopf durch ei­ne Sprach­mau­er ge­gan­gen.

Beim Schrei­ben für die Büh­ne ist man nicht so al­lein mit sich. Dra­ma­tur­gie, Re­gie, Kom­po­nist: Al­le brau­chen Zu­gang zum Text. WINK­LER: Ich ha­be sechs of­fi­zi­el­le Fas­sun­gen des Texts wei­ter­ge­ge­ben, ihn im­mer wie­der mit Jo­han­nes Ma­ria Staud durch­be­spro­chen. Ir­gend­wann hat er ge­sagt: Es be­ginnt in mir im­mer mehr zu krib­beln. Der Text war für ihn ei­ne at­mo­sphä­ri­sche In­spi­ra­ti­on.

Wie gut kann­ten Sie Jo­han­nes Ma­ria Staud und sei­ne Mu­sik vor Ih­rem ge­mein­sa­men Pro­jekt? WINK­LER: Über­haupt nicht.

Ent­stan­den sind letzt­lich zwei un­ab­hän­gi­ge Wer­ke, ein Text und

„Spec­ter of the Gar­de­nia“wird am 25. Sep­tem­ber ur­auf­ge­führt

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