ZUR PER­SON

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - I NTERVIEW: UTE BAUMHACKL

ein Mu­sik­stück, die von der Re­gis­seu­rin So­phia Simit­zis zur „in­stal­la­ti­ven Kon­zert­per­for­mance“zu­sam­men­ge­fügt wur­den. Staud hat Ih­ren Text al­so nicht ver­tont? WINK­LER: Das glau­be ich nicht. Er wird sich vom Text in­spi­rie­ren ha­ben las­sen und dann sei­ne Zei­chen da­zu­ge­ge­ben ha­ben.

Staud sagt: Zu er­le­ben, wie ra­di­kal Sie Ih­ren Text kür­zen, hat ihm ge­zeigt, er dür­fe beim Kom­po­nie­ren auch nicht ge­schwät­zig sein. WINK­LER: Ja, das woll­ten wir bei­de nicht. Ich woll­te ei­nen dich­ten Text ab­lie­fern, er ei­ne dich­te Mu­sik. Und wir woll­ten uns bei­de nicht lang­wei­len. Das soll ein in­ten­si­ver Abend wer­den.

Ihr Text „Spec­ter of the Gar­de­nia“ist in­spi­riert von der gleich­na­mi­gen sur­rea­lis­ti­schen Skulp­tur Mar­cel Je­ans. Sie ha­ben um die­se Fi­gur, die statt Au­gen Reiß­ver­schlüs­se im Kopf hat, ei­nen As­so­zia­ti­ons­raum ge­baut. Jo­sef Wink­ler, geb. 3. März 1953 in Ka­me­ring/Kärnten. Lebt und ar­bei­tet in Kla­gen­furt. 1979 zwei­ter Preis beim In­ge­borg-Bach­mann-Preis. Seit 1982 frei­er Schrift­stel­ler. 2008 Ge­org-Büch­ner-Preis. Wer­ke (Aus­wahl): „Der Acker­mann aus Kärnten“(1980), „Der Leib­ei­ge­ne“(1987), „Fried­hof der bit­te­ren Oran­gen“(1990), „Dom­ra“(1996), „Na­tu­ra mor­ta“(2001), „Rop­pon­gi“(2007). WINK­LER: Ja, mit drei The­men: Es ist dar­in ei­ne Lie­bes­ge­schich­te ver­bor­gen – in Form ei­ner An­ru­fung, an­ge­lehnt an das Ge­dicht „Frei­heit“des Sur­rea­lis­ten Paul Éluard. Da­zu ei­ne Kind­heits­ge­schich­te und ei­ne über­dreh­te Kla­ge über die Zer­stö­rung der Welt, die man als sur­rea­le Pu­bli­kums­be­schimp­fung le­sen kann.

Und je­der darf sich be­trof­fen füh­len? WINK­LER: Ja, man soll be­trof­fen sein. Nicht im Sinn von zer­stört oder de­pri­miert. Son­dern: Der Abend hat gut­ge­tan, er hat weh­ge­tan und man geht aus dem Stück raus und will al­lein sein und Luft ho­len. Das ist das, was ich mir er­war­te. Vom Ki­no, vom Thea­ter. Sonst war’s ein schö­ner Abend – und das ist zu we­nig.

Trotz Ih­rer Skep­sis ge­gen­über dem Thea­ter: Ha­ben Sie sich über die­se Schrei­ber­fah­rung nicht doch mit dem Thea­ter­vi­rus in­fi­ziert? WINK­LER: Nach 35 Jah­ren als Au­tor ha­be ich das ers­te Mal ge­sagt: Ich setz mich vor ein lee­res Blatt Pa­pier, und dar­aus soll in ei­nem Jahr ein Stück wer­den. Und man kriegt da­bei tat­säch­lich Lust auf mehr. Al­so viel­leicht ist das mein Ein­stieg ins Thea­ter. André Hel­ler hat mich un­längst ge­fragt, ob ich ein Stück aus ei­nem La­van­tText ma­chen will. Dar­über den­ke ich nach. Ei­gent­lich sit­ze ich schon da­bei.

Das klingt ja schon nach ei­ner schwe­ren An­ste­ckung. WINK­LER: Ja, es hat lan­ge ge­dau­ert. Man schreibt 35 Jah­re, und plötz­lich kommt die In­fek­ti­on.

Gut für uns, das Pu­bli­kum. WINK­LER: Schau­en wir, ob die Er­geb­nis­se in­ter­es­sant sind. 21 Uhr, Ö1: In ih­rem ers­ten, ra­san­ten Hör­spiel „GPS“the­ma­ti­siert die Ra­dio­spre­che­rin und Schau­spie­le­rin Ur­su­la Scheid­le die fra­gi­len Grund­la­gen von Ori­en­tie­rung und Exis­tenz.

Jo­sef Wink­ler übers Schrei­ben für die Büh­ne: „Den­ke wei­ter dar­über nach“

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