Aus­weg aus Wür­ge­griff der He­ta

Bund gibt Kärnten Ge­set­zes­rah­men, um mit Hy­po-Gläu­bi­gern Hair­cut zu ver­han­deln und Mil­li­ar­den­an­lei­hen zu­rück­zu­kau­fen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - ADOLF WINK­LER

Wie win­det man sich mit lee­ren Ta­schen aus dem Wür­ge­griff von über zehn Mil­li­ar­den Eu­ro Lan­des­haf­tun­gen? Kärnten grün­det ei­nen ei­gen­tü­mer­lo­sen Fonds als Zweck­ge­sell­schaft, gibt sei­ne 500-Mil­lio­nen­Re­ser­ve aus dem Zukunftsfonds des Hy­po-Ver­kaufs hin­ein und ver­wer­tet au­ßer Schu­len, Spi­tä­lern und Stra­ßen al­les nicht Be­triebs­not­wen­di­ge um wei­te­re 100 bis 200 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Bund stellt ei­nen Kre­dit in Hö­he des er­hoff­ten Er­lö­ses aus den Rest­wer­ten der Ab­bau­bank He­ta. Mit die­sen ver­mut­lich kaum fünf Mil­li­ar­den macht Kärnten den He­taGläu­bi­gern das An­ge­bot, ih­re An­lei­hen mit­samt den Haf­tun­gen ab­zu­kau­fen – mit ei­nem Hair­cut von um die 40 bis 50 Pro­zent.

Bay­ern-Ver­gleich

Für die­se op­ti­mis­ti­sche Va­ri­an­te hat ges­tern der Mi­nis­ter­rat die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­eb­net. Ers­tens gab es grü­nes Licht für den Ge­ne­ral­ver­gleich, den Fi­nanz­mi­nis­ter Hans Jörg Schel­ling mit den Bay­ern zu al­len Pro­zes­sen für die Re­pu­blik aus­ge­han­delt hat und der den Bay­ern 1,23 Mil­li­ar­den Eu­ro aus den He­ta-Er­lö­sen bringt. Das Geld fließt zu­erst als „Vor­schuss“aus Rück­la­gen im Rah­men des Fi­nanz­markt­sta­bi­li­täts-Ge­set­zes (FinS­taG) an die Bay­ern. Dann wird ge­schaut, wel­che Quo­te den an­de­ren He­ta-Gläu­bi­gern an­ge­bo­ten wird. Über­steigt die­se er- ziel­te Quo­te rech­ne­risch den Vor­schuss, dann er­hält die Bay­ernLB noch­mals ei­ne Zu­zah­lung, um auch auf die­se Quo­te zu kom­men. Das ist we­gen der Gläu­bi­ger­gleich­be­hand­lung not­wen­dig.

Zu­gleich wird das FinS­taG ge­än­dert, da­mit Kärnten die An­lei­hen der Gläu­bi­ger zu­rück­kau­fen kann. Schel­ling sprach von ei­nem „Hold-out-Ge­setz“für ei­nen Rück­kauf durch Kärnten mit­hil­fe der ge­lie­he­nen Li­qui­di­tät des Bun­des, die er sich bei der He­ta-Ver­wer­tung zu­rück­holt. Für Schel­ling ist „als Kauf­mann“na­he­lie­gend, dass Kärnten das An­ge­bot noch heu­er stellt.

Kärn­tens ers­te Of­fer­te

Was das Land Kärnten, das bis­her erst 75 Pro­zent sei­ner Gläu­bi­ger kennt, die­sen an­bie­tet, ist vor­erst nicht mehr als ein Re­or­ga­ni­sa­ti- ons­plan, der ein Pro­ze­de­re und ei­nen Zeit­plan vor­schlägt. Die An­walts­kanz­lei Abel (abela­bel.at) stell­te ihn ges­tern on­line. So­wohl beim Land als auch beim Bund hält man sich ex­trem be­deckt bei Zah­len, wel­che Quo­te Kärnten an­bie­ten könn­te bzw. wie viel da­für an He­ta-Er­lö­sen zu er­war­ten wä­re, um we­nigs­tens ei­nen Teil der Zehn­mil­li­ar­den­haf­tung Kärn­tens ab­zu­lö­sen.

Die Op­po­si­ti­on kri­ti­sier­te in Bund und Land die Plä­ne. Wäh­rend Vi­ze­kanz­ler Hel­mut Mit­ter­leh­ner den Bay­ern-Ver­gleich be­grüß­te, spra­chen Team-Stro­nach­Ku­b­ob­mann Ro­bert Lugar und Kärn­tens FPÖ-Chef Chris­ti­an Rag­ger von ei­ner „Ka­ta­stro­phe“. Kärn­tens Fi­nanz­re­fe­ren­tin Ga­by Schau­nig-Kan­dut (SPÖ) sah „ei­nen wich­ti­gen Schritt in Rich­tung He­ta-Lö­sung“.

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