Papst ent­täuscht die viel zu ho­hen Er­war­tun­gen

Fran­zis­kus wird Ver­mitt­ler­rol­le aber voll ge­recht.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - KLAUS EH­RING­FELD

Papst Fran­zis­kus hat Ku­ba ver­las­sen, und es ist al­les beim Al­ten ge­blie­ben: Raúl Cas­tro ist noch im­mer Prä­si­dent, der So­zia­lis­mus ist noch im­mer Staat­dok­trin, und die ver­streu­te Op­po­si­ti­on führt auch wei­ter ein Schat­ten­da­sein. Man konn­te zu­letzt ja ver­schie­dent­lich den Ein­druck ge­win­nen, die Rei­se wer­de mehr Ve­rän­de­run­gen be­wir­ken, als es die Re­for­men der Staats­füh­rung in den Vor­jah­ren ver­moch­ten. Wenn man die Er­war­tun­gen zu hoch schraubt, kann man nur ent­täuscht wer­den.

Fran­zis­kus ist nicht an­ge­eckt. Er hat sich we­der für die Dis­si­den­ten ein­ge­setzt, noch hat er das Wirt­schafts­mo­dell oder feh­len­de Frei­hei­ten kri­ti­siert. Es war ei­ne für ei­nen so po­li­ti­schen Papst er­staun­lich zah­me und aufs Re­li­giö­se ge­trimm­te Rei­se. Der Pon­ti­fex hat bes­ten­falls theo­re­tisch kri­ti­siert und Denk­an­stö­ße ge­ge­ben. Er hat auf sei­ner Rei­se die Wor­te Op­po­si­ti­on und Dis­si­den­ten öf­fent­lich nicht aus­ge­spro­chen. Das kann man als schwach be­zeich­nen, wenn man weiß, dass die­ser Papst schon an­de­re Ta­bus ge­bro­chen hat. Die Re­gie­rung hat zwei al­te Da­men, die der Op­po­si­ti­on an­ge­hö­ren und vom Erz­bi­schof von Ha­van­na ein­ge­la­den wor­den wa­ren, an der Teil­nah­me ge­hin­dert. Dar­auf folg­te kein Wort der Kri­tik. Und zu­vor hat­te die va­ti­ka­ni­sche Gen­dar­me­rie ge­mein­sam mit der ku­ba­ni­schen Staats­si­cher­heit Op­po­si­tio­nel­le ab­ge­führt, als sie sich vor der Mes­se in Ha­van­na dem Pa­pa­mo­bil nä­her­ten, Pa­ro­len ge­gen die Re­gie­rung rie­fen und Flug­blät­ter war­fen. Das wä­re ver­mut­lich auch in den USA oder an­ders­wo so pas­siert. Es geht schließ­lich um das Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che.

Aber in Ku­ba wird ein sol­cher Akt vor dem Hin­ter­grund der po­li­ti­schen Frei­heit in­ter­pre- tiert. Da­bei fehlt der größ­ten­teils aus dem Aus­land un­ter­stütz­ten und fi­nan­zier­ten Op­po­si­ti­on die ge­sell­schaft­li­che Ver­an­ke­rung auf der In­sel. Wei­te Tei­le der ge­gen­über der Cas­tro-Re­gie­rung kri­ti­schen Ku­ba­ner ken­nen die Dis­si­den­ten nicht oder füh­len sich durch sie nicht re­prä­sen­tiert. o war die Rei­se auf die letz­te kom­mu­nis­ti­sche In­sel im Meer des Ka­pi­ta­lis­mus ein Trip mit vie­len Fall­stri­cken. Fran­zis­kus hin­ter­lässt ent­täusch­te Hoff­nun­gen. Der Papst hat Nut­zen und Scha­den ei­ner pro­non­cier­te­ren Po­si­ti­on wohl ab­ge­wo­gen. Er hat sei­ne Rol­le als Ver­mitt­ler in der An­nä­he­rung zwi­schen Washington und Ha­van­na über al­les ge­stellt. Denn er weiß, dass er als Di­plo­mat und Brü­cken­bau­er noch ge­braucht wird. Wä­re er Ku­bas Füh­rung zu sehr auf die Fü­ße ge­tre­ten, hät­te er nicht nur sei­ne Rol­le, son­dern mög­li­cher­wei­se die ge­sam­te An­nä­he­rung ge­fähr­det.

SSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

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