Die vie­len We­ge der „hu­ma­ni­tä­ren Ver­nunft“

War­um wer­den 1,4 Mil­lio­nen Kin­der ver­ges­sen, die gera­de auf der Flucht vor Bo­ko Ha­ram sind?

Kleine Zeitung Steiermark - - | INTERNATIONAL - VON MENSCH ZU MENSCH CA­RI­NA KERSCH­BAU­MER

Die Ant­wort ist ein­fach. Die­se Kin­der ha­ben das Pech, kei­ne Schlep­per be­zah­len zu kön­nen, die sie an ei­ne EUG­ren­ze brin­gen. Sie ha­ben das Pech, dass ihr Elend nicht durch die an den EU-Gren­zen pos­tier­ten Ka­me­ras in un­se­re Wohn­zim­mer dringt. Al­so wer­den sie nicht wahr­ge­nom­men. Da zählt nicht, dass sie zu den Schutz­be­dürf­tigs­ten ge­hö­ren und mehr Hil­fe bräuch­ten als je­ne Män­ner, die zu Hun­dert­tau­sen­den aus si­che­ren Flücht­lings­la­gern nach Eu­ro­pa kom­men.

1,4 Mil­lio­nen Kin­der, die nach An­ga­ben der Ver­ein­ten Na­tio­nen in Ni­ge­ria und im Tschad ver­zwei­felt auf der Flucht vor der Ter­ror­grup­pe Bo­ko Ha­ram sind, wer­den al­lein­ge­las­sen. Da schaut die Welt­öf­fent­lich­keit weg. Über die­se Kin­der wer­den die EU-Re­gie­rungs­chefs heu­te auch nicht re­den. Und wohl auch nicht über die Bank­rott­er­klä­rung des Rechts­staa­tes, die der­zeit an den Gren­zen täg­lich statt­fin­det. Weil kaum ei­ner mehr den Rechts­staat in letz­ter Kon­se­quenz auch mit Ein­satz der Exe­ku­ti­ve ge­gen Tau­sen­de zu ver­tei­di­gen wagt. Na­tür­lich wür­de die Po­li­zei bei ei­ner il­le­ga­len Grenz­über­schrei­tung je­den, der Wi­der­stand leis­tet und Ge­set­ze miss­ach­tet, fest­neh­men. Bei Hun­der­ten, Tau­sen­den, Zehn­tau­sen­den gibt sich der Rechts­staat of­fen­sicht­lich auf Dau­er auf.

Die ÖVP will ja nun den „Weg der hu­ma­ni­tä­ren Ver­nunft“ge­hen. Ei­nen Weg, den die an­ge­kün­dig­ten wei­te­ren 500.000 Flücht­lin­ge aus Flücht­lings­la­gern der Tür­kei dik­tie­ren wer­den? Hu­ma­ni­tä­re Ver­nunft schaut wohl an­ders aus. Sie wür­de selbst ent­schei­den und sich der Schwächs­ten an­neh­men. Da­zu zäh­len je­ne 1,4 Mil­lio­nen Kin­der – dar­un­ter un­zäh­li­ge Wai­sen –, über die nicht ein­mal ge­spro­chen wird.

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