Grie­chen lie­ßen sich nicht be­ir­ren

Al­exis Tsi­pras hat die Wahl für sich ent­schie­den. Zu Recht, fin­den ei­ni­ge un­se­rer Le­ser.

Kleine Zeitung Steiermark - - | LESERFORUM - Karl S emmler, Bad Blu­mau

Ent­ge­gen al­len Um­fra­gen und so man­chem Wunsch­den­ken ha­ben die Grie­chen bei den Neu­wah­len dem Links­bünd­nis un­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent Tsi­pras die Treue ge­hal­ten. Sie er­la­gen nicht der bei uns ver­brei­te­ten Ver­gess­lich­keit, son­dern er­in­ner­ten sich of­fen­bar, dass für die Schul­den­po­li­tik und die Steu­er­hin­ter­zie­hung in den letz­ten Jahr­zehn­ten in ers­ter Li­nie die Kon­ser­va­ti­ven und teil­wei­se auch die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­ant­wort­lich sind.

Eben­so dürf­ten sie durch­schaut ha­ben, wie die EU, be­son­ders un­ter dem Ein­fluss der kon­ser­va­ti­ven Re­gie­run­gen Deutsch­lands, Spa­ni­ens, Groß­bri­tan­ni­ens und Po­lens so­wie des IWF und der EZB, im In­ter­es­se der Ban­ken und Gläu­bi­ger der von ih­nen ver­hass­ten grie­chi­schen Links­re­gie­rung ein mehr schi­ka­nö­ses als sinn­vol­les Spar­pro­gramm auf­er­leg­ten. Die oh­ne­hin schon äu­ßerst nied­ri­gen Löh­ne und Pen- sio­nen zu kür­zen, die Mehr­wert­steu­er für Pro­duk­te des täg­li­chen Be­dar­fes von 13 auf 23 Pro­zent hin­auf­zu­schnal­zen, das Bil­dungs­und Ge­sund­heits­we­sen ra­di­kal zu be­schnei­den, geht an die Sub­stanz der Volks­wirt­schaft. Der Wäh­ler­schaft wird nicht ent­gan­gen sein, dass die­se Maß­nah­men von der Links­re­gie­rung nur un­ter größ­tem Druck an­ge­nom­men wur­den, wäh­rend es der Kon­ser­va­ti­ven Par­tei durch­aus in ih­re neo­li­be­ra­le Stra­te­gie pass­te, eben­so wie die ver­lang­te Pri­va­ti­sie­rung von Hä­fen, der Was­ser­ver­sor­gung und an­de­rer wich­ti­ger öf­fent­li­cher Ein­rich­tun­gen. Die Men­schen dürf­ten ge­spürt ha­ben, dass sie Tsi­pras eher zu­trau­en kön­nen, bei den ho­hen Mi­li­tär­aus­ga­ben mehr her­ein­zu­spa­ren und die Steu­er­hin­ter­zie­hung stär­ker zu be­kämp­fen, um ei­nen fi­nan­zi­el­len Spiel­raum für we­ni­ger Kür­zun­gen z. B. bei den Spi­tä­lern und Min­dest­löh­nen zu schaf­fen.

Be­son­ders schmer­zen wird es die kon­ser­va­ti­ven Kräf­te in der EU, al­len vor­an Mer­kel, Schäu­b­le, Ca­me­ron und Ra­joy, weil das grie­chi­sche Links­bünd­nis nun auch der auf­stre­ben­den spa­ni­schen Link­s­par­tei für die be­vor­ste­hen­de Wahl zu­sätz­li­chen Auf­trieb ge­ben wird und die­ser Trend sich in Por­tu­gal und Ita­li­en fort­set­zen könn­te.

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