Win­ter­korn geht, Piëch er­neu­ert mit Pötsch

Nur ra­di­ka­ler Neu­an­fang macht VW wie­der flott.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - ADOLF WINK­LER

Selbst im Ab­gang nahm Mar­tin Win­ter­korn noch ei­ne wie von Soft­ware ge­steu­er­te Dros­se­lung bei der Ver­mes­sung sei­ner Ver­ant­wor­tung vor. Er sei sich kei­ner Ver­feh­lung be­wusst, setz­te er den Grenz­wert der Schuld für sich selbst her­ab. Den Rück­tritt zu er­klä­ren war kei­ne gro­ße Tat mehr, als er mit dem Ruf des Welt­kon­zerns VW und sei­ner Ak­tie in fu­rio­sen frei­en Fall ge­riet. Es klang nur noch wie ein Ab­schied aus dem Ab­grund.

Er sei fas­sungs­los und über­neh­me die Ver­ant­wor­tung für die Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei Die­sel­mo­to­ren. Die­se Ver­ant­wor­tung hät­te Win­ter­korn frü­her wahr­neh­men müs­sen. Den VW-Kon­zern trieb der best­be­zahl­te DAX-Ma­na­ger von ei­nem Re­kord­ge­winn zur nächs­ten Mil­li­ar­den­ren­di­te. Den Blick der Kon­zern­for­scher auf die Ver­träg­lich­keit mit Mensch und Um­welt aus­rich­ten ging durch den Aus­puff. Man wand­te di­gi­ta­le Prä­zi­si­on für Ab­gas­schwin­del auf und kehr­te die Täu­schung an der Na­tur auch noch als Ver­kaufs­ar­gu­ment im Di­ens­te der Mensch­heit her­vor. Da kommt ei­nem fast der Die­sel. Fas­sungs­los ist al­lent­hal­ben die Welt über so viel Chuz­pe in deut­scher Wert­ar­bei­t­aus­füh­rung. Da­bei bau­en VW und Au­di gran­dio­se Au­tos und ih­re Öko-Wer­te ge­hö­ren zu den vor­bild­lichs­ten der Welt. Wo im­mer den­noch die Ab­gas-Soft­ware zur Ge­winn­an­peit­schung ent­wi­ckelt und ein­ge­baut wur­de – der Er­geb­nis­druck kam von ganz oben. Und ist nun Fall für den Staats­an­walt.

Nach Ruf-To­tal­scha­den, Ge­winn­war­nung und epo­cha­lem Bör­sen­wert­ver­lust von 24 Mil­li­ar­den Eu­ro schlägt die St­un­de des „Al­ten“. Fer­di­nand Piëch hat­te Win­ter­korn schon für den Ab­schuss aus­er­ko­ren und zog den Kür­ze­ren. Jetzt geht es nicht mehr um Macht, son­dern um Piëchs Le­bens­werk. VW und Por­sche zu­sam­men er­ga­ben das Su­per­mo­dell, das schein­bar un­be­sieg­bar läuft und läuft. Doch jetzt droht es vor US-Ge­rich­ten wie ein Kä­fer auf dem Rü­cken zu lie­gen.

Die VW-Ak­tie war schon vor­her er­mü­det, wie der Kurs­ab­fall seit März auf den hal­ben Wert zeigt. Auch auf Chi­nas Wachs­tums­brem­se muss VW re­agie­ren. Vor al­lem muss Volks­wa­gen sich neu er­fin­den – mit Be­to­nung auf den ers­ten Teil sei­nes Mar­ke­na­mens, muss Ver­trau­en breit zu­rück­ge­win­nen. b Piëch als Auf­sichts­rat durch­star­tet oder, aus Ge­sund­heits­grün­den et­wa, nicht: Mit Macht­wil­len und Ak­tio­närs­ge­wicht könn­te er wie­der ei­nen Ös­ter­rei­cher an die Spit­ze set­zen: Fi­nanz­vor­stand Hans Die­ter Pötsch, an Piëchs Stel­le ab No­vem­ber als Auf­sichts­rats­chef vor­ge­se­hen, soll es, so hö­ren wir, statt als obers­ter Kon­trol­lor gleich als neu­er Kon­zern­chef rich­ten.

OSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

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