Mit ihm fuhr VW an die Welt­spit­ze

Der de­tail­ver­lieb­te Tech­nik-Freak Win­ter­korn stol­pert über ei­nen Tech­nik-Skan­dal.

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT - HAN­NES GAISCH- FAUSTMANN

Kaum wur­de der Die­sel-Skan­dal bei VW ruch­bar, mehr­ten sich die Stim­men, die den Rück­tritt von Kon­zern­chef Mar­tin Win­ter­korn for­der­ten. An­ge­sichts des Aus­ma­ßes des Scha­dens für VW mag der Schritt lo­gisch sein, den­noch setz­ten bis zu­letzt ei­ni­ge In­si­der auf Win­ter­korns Ver­bleib an der Spit­ze.

Der 68-Jäh­ri­ge, er wur­de in Leon­berg bei Stutt­gart als Sohn ei­nes Ar­bei­ters und ei­ner Haus­frau ge­bo­ren, bau­te VW zu ei­nem Zwölf-Mar­ken-Reich aus, fuhr Re­kord­zah­len ein, setz­te auf Qua­li­tät und Quan­ti­tät und das Ziel, To­yo­ta als welt­größ­ten Au­to­bau­er zu über­ho­len. Eu­ro­pas größ­ter Au­to­pro­du­zent hat Win­ter­korn sehr viel zu ver­dan­ken. Das wirk­te sich auch auf sei­nem Ge­halts­zet­tel aus; 2014 über­wies VW sei­nem Chef 15,86 Mil­lio­nen Eu­ro.

Der pro­mo­vier­te Me­tall­phy­si­ker gilt als de­tail­ver­ses­se­ner Au­to­narr. „Wenn ich nicht mehr weiß, wie ein Pas­sat in den USA aus­sieht, ein Gol in Bra­si­li­en oder ein Po­lo in Süd­afri­ka, dann läuft et­was falsch“, hat­te Win­ter­korn im Fe­bru­ar dem „Stern“ge­sagt. Falsch ge­lau­fen ist viel bei VW, gera­de in die­sem Jahr. Noch frisch ist die Er­in­ne­rung an den in der me­dia­len Öf­fent­lich­keit aus­ge­tra­ge­nen Macht­kampf zwi­schen Win­ter­korn und sei­nem eins­ti­gen För­de­rer Fer­di­nand Piëch im April. Bis da­hin hat­te VW-Pa­tri­arch Piëch noch nie ein Kräf­te­mes­sen ver­lo­ren, doch Win­ter­korn be­hielt im Füh­rungs­streit um das VWS­teu­er die Ober­hand. Beim Be­triebs­rat ist er hoch an­ge­se­hen. Doch der­sel­be in­ners­te Füh­rungs­zir­kel, der Win­ter­korn ge­gen Piëch den Rü­cken stärk­te, ent­zog ihm nun das Ver­trau­en. Wohl ein Ver­such der Scha­dens­be­gren­zung.

Ei­ner Schuld im Ab­gas-Skan­dal sei er sich nicht be­wusst, so Win­ter­korn, VW sei sein Le­ben. Über Bosch und Au­di kam der Ma­na­ger nach Wolfsburg, 2007 lös­te er auf Be­trei­ben von Men­tor Piëch Bernd Pi­sche­ts­rie­der als Kon­zern­boss ab.

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