Fräch­ter zah­len drauf

Grenz­kon­trol­len sol­len die Zu­wan­de­rung von Flücht­lin­gen in ge­ord­ne­te Bah­nen len­ken. Doch für stei­ri­sche Fräch­ter be­deu­ten sie vor al­lem ei­nes: hö­he­re Kos­ten.

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT - RO­MAN VILGUT

Deutsch­land ist nicht nur das Lieb­lings­ziel von Tau­sen­den Flücht­lin­gen, es ist auch das wich­tigs­te Zi­el­land der stei­ri­schen Ex­port­un­ter­neh­men. Die wie­der ein­ge­führ­ten Grenz­kon­trol­len stel­len Trans­port­un­ter­neh­men vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen. Neun St­un­den darf ein Lkw-Fah­rer am Stück fah­ren. Al­lei­ne drei St­un­den ver­liert die­ser der­zeit aber am Grenz­über­gang Wal­ser­berg. Al­bert Mo­der, Fräch­ter und Ob­mann der Fach­grup­pe Gü­ter­trans­port der Wirt­schafts­kam­mer, ist gleich dop­pelt be­trof­fen: „Wenn ich ein Fer­tig­teil­haus in die Schweiz lie­fern soll, ste­he ich bei Bre­genz noch mal zwei St­un­den.“St­un­den, die Mo­der wie je­der Un­ter­neh­mer aus­zah­len muss. An sei­ne Kun­den will er die ge­stie­ge­nen Per­so­nal­kos­ten (noch) nicht wei­ter­ge­ben. Für ihn ist das „un­ter­neh­me­ri­sches Ri­si­ko“. Was Mo­der wirk­lich stört, sind die Be­stim­mun­gen zu Lenk- und Ru­he­zei­ten. „Es gibt in Ös­ter­reich ein dop­pel­tes Straf­sys­tem. Der Fah­rer muss zah­len und das Un­ter­neh­men. Die Stra­fen sind hor­rend.“Für die ak­tu­el­le Aus­nah­me­si­tua­ti­on for­dert Mo­der ein Ent­ge­gen­kom­men der Po­li­tik: „Steh­zei­ten an den Gren­zen sol­len als freie Zei­ten an­ge­se­hen wer­den und nicht als Fahr­zeit.“

Nicht nur die Fräch­ter sind be­trof­fen, er­klärt IV-Ge­schäfts­füh­rer Ger­not Pag­ger. Für ei­ni­ge Bran­chen kom­men die Kon­trol­len zu ei­nem denk­bar un­güns­ti­gen Zeit­punkt. „Für die Be­klei­dungs- und Schuh­in­dus­trie be­ginnt die wich­ti­ge Herbst­sai­son.“Am meis­ten Sor­gen be­rei­tet den In­dus­trie­be­trie­ben al­ler­dings die Tat­sa­che, dass pünkt­li­che Lie­fe­run­gen nicht mehr mög­lich sind. Ru­he­zei­ten der Lk­wFah­rer sor­gen für zu­sätz­li­che Ver­zö­ge­run­gen. Das Trans­port­un­ter­neh­men Fri­kus hat beim The­ma Lie­fer­zei­ten früh bei sei­nen Kun­den um Ver­ständ­nis ge­wor­ben, er­klärt Ge­schäfts­füh­rer Roland Amt­mann. „Es ist wich­tig, Kun­den für un­se­re La­ge zu sen­si­bi­li­sie­ren.“Das gilt auch für die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on. „Wir ha­ben Jah­res­o­der Mehr­jah­res­ver­trä­ge. Da­her hof­fen wir, dass die­ser Zu­stand nicht noch ein hal­bes Jahr an­hält.“An­de­ren­falls wer­de man über Kos­ten dis­ku­tie­ren müs­sen.

Hier winkt Pag­ger ab: „So schnell wird man noch nicht über Prei­se spre­chen kön­nen. Erst muss man schau­en, wie sich die Si­tua­ti­on in den kom­men­den Wo­chen ent­wi­ckelt.“Für die In­dus­trie ist es am wich­tigs­ten, dass die eu­ro­päi­schen Lie­fer­ket­ten am Le­ben ge­hal­ten wer­den und wie­der ei­ne ter­min­ge­rech­te Lie­fe­rung mög­lich wird. „Blei­ben die Grenz­kon­trol­len auf­recht, wird man ge­mein­sam mit den Fräch­tern ei­ne Lö­sung su­chen.“

Al­bert Mo­der, WKOb­mann der Fräch­ter

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