Und jetzt: Ein Mehr an In­te­gra­ti­on

Kleine Zeitung Steiermark - - | LESERFORUM -

Seit Wo­chen ist der An­sturm sy­ri­scher Flücht­lin­ge das The­ma schlecht­hin im in­ner­po­li­ti­schen Dis­kurs. Es ist ein The­ma, das die Mehr­heit der Ös­ter­rei­cher mit Un­ru­he er­füllt. Im­mer wird von der Po­li­tik ver­si­chert, man neh­me die Ängs­te ernst. In der Pra­xis ist we­nig da­von zu er­ken­nen.

Die wirt­schaft­lich fun­dier­ten Ängs­te (was kos­tet uns das?) sind wahr­schein­lich aus­zu­räu­men. Im­mi­gran­ten ha­ben sich von je­her ex­tra an­ge­strengt, in ih­rem Zufluchts­land ein Höchst­maß an Leis­tung zu er­brin­gen, und vie­le sind auch bes­ser qua­li­fi­ziert, als der Stamm­tisch dies ver­mu­tet.

Das ei­gent­li­che Pro­blem mit der In­te­gra­ti­on wird aus Grün­den der Po­li­ti­cal Cor­rect­ness aus­ge­spart: Es ist der Is­lam. An­ders als das Chris­ten­tum oder der Bud­dhis­mus ist der Is­lam po­li­tisch pun­ziert und ge­walt­be­reit ge­gen­über an­de­ren Kul­tu­ren. Ein un­ge­rech­ter Vor­wurf ? Hen­ryk Bro­der hat ein­mal kor­rekt fest­ge­hal­ten: Der Vor­wurf ei­nes „Ge­ne­ral­ver­dach­tes“ge­gen­über dem po­li­ti­schen Is­lam ist ab­surd: Von „Ver­dacht“kann kei­ne Re­de mehr sein, es gibt da­für ge­nü­gend Be­wei­se. Nicht nur in den is­la­mi­schen Län­dern selbst, son­dern auch in Eu­ro­pa.

Die Ge­fahr ter­ro­ris­ti­scher An­schlä­ge geht nicht von den Im­mi­gran­ten der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on aus, son­dern von der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on. Der Ter­ror in der Lon­do­ner In­nen­stadt von 2005, dem 52 Men­schen zum Op­fer fie­len, wur­de von vier jun­gen Pa­kis­ta­nis aus­ge­übt, al­le wa­ren in En­g­land ge­bür­tig und hat­ten un­auf­fäl­li­ge El­tern. We­nig spä­ter gab es in Edin­burgh ei­nen wei­te­ren Ter­ror­an­schlag des­sel­ben Mus­ters. Der 23-jäh­ri­ge sie­ben­fa­che Mör­der von Tou­lou­se Mu­ha­med Merah, der vier jü­di­sche Schü­ler und drei Po­li­zis­ten er­schoss, war Kind al­ge­ri­scher Im­mi­gran­ten. Die „Char­lie Heb­do“-Ter­ror­mor­de hat­ten als Ver­ur­sa­cher drei Al­ge­ri­er, al­le Söh­ne von Im­mi­gran­ten. Der Ös­ter­rei­cher Mo­ha­med M., Sohn ägyp­ti­scher Im­mi­gran­ten, wur­de we­gen der Vor­be­rei­tung von Ter­ror­ta­ten zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Er setz­te sich nach Ägyp­ten ab, wo er sich vor ei­ni­gen Mo­na­ten als IS-Ter­ro­rist „ou­te­te“und vor lau­fen­der Ka­me­ra ei­nen kroa­ti­schen Mecha­ni­ker er­mor­de­te. Die Lis­te lie­ße sich ver­län­gern. on­se­quen­zen? Ei­ne in­ten­si­ve­re kul­tu­rel­le In­te­gra­ti­on der jun­gen Asy­lan­ten, und da­bei ist die Men­ta­li­tät von Gut­men­schen nicht hilf­reich. Es darf nicht mehr sein, dass is­la­mi­sche Mäd­chen vom Sport­un­ter­richt ab­ge­mel­det wer­den dür­fen. Ei­ne De­bat­te über das Kopf­tuch und sei­ne Rol­le als In­te­gra­ti­ons­hin­der­nis muss mög­lich sein, der­zeit wer­den sol­che Denk­an­stö­ße mit schril­len Dif­fa­mie­run­gen nie­der­ge­schrien. Der Deutsch­un­ter­richt soll­te ver­pflich­tend sein – auch für El­tern. Sol­che Maß­nah­men be­deu­ten nicht, dass wir den Asy­lan­ten feind­se­lig ge­gen­über­ste­hen, ganz im Ge­gen­teil. Aber es fehlt der­zeit die nö­ti­ge Be­stimmt­heit, auf der Ak­zep­tanz un­se­rer To­le­ranz­kul­tur zu in­sis­tie­ren. Adi Wim­mer lehr­te Ang­lis­tik an der Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt

K

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.