Krieg der Zäu­ne

Nun wol­len die Un­garn auch an der Gren­ze zu Slo­we­ni­en ei­nen Zaun er­rich­ten. Zwi­schen Kroa­ti­en und Ser­bi­en es­ka­lier­te der Streit.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - KOR­RE­SPON­DEN­TEN CHRIS­TI­AN WEHRSCHÜTZ

A N A LY S E

Un­garn hat ges­tern auch an der grü­nen Gren­ze zu Slo­we­ni­en da­mit be­gon­nen, Hin­der­nis­se zu er­rich­ten. Nach An­ga­ben der un­ga­ri­schen Nach­rich­ten­agen­tur MIT be­gan­nen Po­li­zis­ten und Sol­da­ten in der Nä­he des Grenz­über­gangs Tor­ny­is­zent­mik­lós mit dem Bau ei­ner pro­vi­so­ri­schen Sper­re, die aus drei über­ein­an­der ge­zo­ge­nen Rol­len von St­a­chel­draht be­steht – ei­ne nicht be­son­ders wirk­sa­me Bar­rie­re, wie Er­fah­run­gen von der un­ga­risch-ser­bi­schen Gren­ze zei­gen.

Wann mit dem Bau ei­nes Zauns auch an der Gren­ze zu Slo­we­ni­en tat­säch­lich be­gon­nen wird, ist noch un­klar. Die ge­sam­te un­ga­risch-slo­we­ni­sche Gren­ze ist 102 Ki­lo­me­ter lang. Be­reits seit Ta­gen an­ge­kün­digt ist der Bau ei­nes 41 Ki­lo­me­ter lan­gen Zauns an der kroa­ti­schen Gren­ze. Die­se Gren­ze ist ins­ge­samt 329 Ki­lo­me­ter lang und wird vor al­lem durch die Flüs­se Drau und Mur mar­kiert. Ge­plant ist zu­dem ein 70 Ki­lo­me- ter lan­ger Zaun an der ins­ge­samt 448 Ki­lo­me­ter lan­gen ru­mä­nisch-un­ga­ri­schen Gren­ze.

Groß ist trotz­dem der Men­schen­strom, der wei­ter­hin nach und über Un­garn nach Ös­ter­reich kommt. Nach An­ga­ben der un­ga­ri­schen Po­li­zei ka­men vor­ges­tern 10.046 Per­so­nen ins Land, das ist ein neu­er Re­kord. Knapp 100 – und da­mit ein Pro­zent – ka­men über die ser­bi­sche Gren­ze nach Un­garn, al­le an­de­ren über Kroa­ti­en. Zu­vor hat­te Un­garn am 14. Sep­tem­ber – ei­nen Tag be­vor die ver­schärf­ten Ein­wan­de­rungs­ge­set­ze in Kraft tra­ten – ei­nen Re­kord ver­zeich­net, als an ei­nem Tag knapp 9.400 Asyl­su­chen­de an­ka­men.

Doch seit da­mals hat sich die Wan­de­rungs­be­we­gung über die Bal­kan­rou­te ge­än­dert, und das spürt ins­be­son­de­re Kroa­ti­en; mehr als 51.000 Men­schen ha­ben das Land über die grü­ne Gren­ze aus Ser­bi­en bin­nen 10 Ta­gen pas­siert, und das hat sich auch auf die Be­zie­hun­gen von Bel­grad, Agram und Bu­da­pest aus­ge­wirkt. Kroa­ti­en be­trach­tet die neue Rou­te als Er­geb­nis des ge­gen­sei­ti­gen Um­gangs von Un­garn und Ser­bi­en und for­dert, dass wie­der mehr Per­so­nen die Grenz­über­gän­ge in Hor­gosˇ pas­sie­ren. So lan­ge sol­len die Be­schrän­kun­gen des Wa­ren- und Per­so­nen­ver­kehrs auf­recht­blei­ben, die Kroa­ti­en an den Über­gän­gen zu Ser­bi­en ein­ge­führt hat.

Kei­ne Au­tos aus Ser­bi­en

Das Er­geb­nis wa­ren zu­nächst ki­lo­me­ter­lan­ge Schlan­gen von Lkw, die auf die kroa­ti­sche Ab­fer­ti- gung war­te­ten. Durch­ge­las­sen wur­den Lkw mit leicht ver­derb­li­cher Wa­re. Ser­bi­en re­agier­te auf die­se Ein­schrän­kun­gen ges­tern mit ei­nem Ein­fuhr­ver­bot für kroa­ti­sche Wa­ren, wor­auf Kroa­ti­en den Per­so­nen­ver­kehr ein­schränk­te. Au­tos mit ser­bi­schen Kenn­zei­chen dür­fen nicht pas­sie­ren, zu Fuß soll die­se Re­gel aber nicht gel­ten – und gar nicht gilt sie für die Grenz­über­gän­ge zu Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, die ei­ne Mög­lich­keit der Um­fah­rung bie­ten.

So ein­drucks­voll die Bil­der vom Stau an den Grenz­über­gän-

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