Ei­ne Kri­se, für die es kei­ne ra­sche Lö­sung gibt

Eu­ro­pa stellt sich auf die Flücht­lin­ge ein. Und das ist gut so.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - ST E FA N W I N K L E R

Es ist gut, dass die Gip­fe­l­eu­ro­pä­er in Brüssel gar nicht erst den Ein­druck er­weck­ten, aus der Flücht­lings­kri­se füh­re ei­ne be­que­me Ab­kür­zung her­aus. Die ge­wal­ti­gen Men­schen­strö­me über­for­dern die EU und ih­re Po­li­ti­ker, so wie sie je­des an­de­re po­li­ti­sche Ge­bil­de über­for­dern wür­den.

Eu­ro­pa wird sich auf die Wan­de­run­gen in sei­ne Wohl­stands­zo­nen ein­stel­len müs­sen. Die Vor­stel­lung, sie zu be­herr­schen, ist il­lu­sio­när. Um sie zu­min­dest bes­ser steu­ern zu kön­nen, wird es viel Zeit, viel Geld und ei­nes Bün­dels kom­ple­xer Maß­nah­men be­dür­fen, die von der Ur­sa­chen­be­kämp­fung über die Ab­si­che­rung der Gren­zen und die Eu­ro­päi­sie­rung des Asyl­we­sens bis zu ei­nem von geo­po­li­ti­schem Prag­ma­tis­mus ge­lei­te­ten Um­gang mit Nach­barn wie der Tür­kei rei­chen. Die Not­hil­fe-Mil­li­ar­de, die Re­gis­trie­rungs­zen­tren in Grie­chen­land und Ita­li­en und der Dia­log mit An­ka­ra, auf die sich die Gip­fel­run­de ei­nig­te, sind ein ers­ter Schritt da­zu.

Die be­müh­te Ei­nig­keit der Staats- und Re­gie­rungs­chefs nach dem häss­li­chen Quo­ten­streit der letz­ten Ta­ge ver­mag frei­lich nicht dar­über hin­weg­zu­täu­schen, wie stark die EU an Bin­de­kraft ver­lo­ren hat. Viel­leicht war der Ge­mein­sinn auch gar nie grö­ßer und was jetzt Ris­se zeigt, ist nicht das rea­le Eu­ro­pa, son­dern das Wunsch­bild, das wir da­von hat­ten. Nur zu ger­ne ha­ben vie­le die EU als Vor­stu­fe zu ei­ner Art zwei­ten eu­ro­päi­schen USA ima­gi­niert. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa! Das klang zu schön. Es hat­te aber nur so lan­ge Be­stand, wie es der EU gut ging. In der Kri­se tre­ten die na­tür­li­chen Dif­fe­ren­zen zwi­schen Nord und Süd, Ost und West of­fen zu­ta­ge und die EU er­weist sich als das, was sie ist – als Sum­me ih­rer 28 Na­tio­nal- staa­ten, die un­schön um Geld und Flücht­lin­ge zan­ken.

Die Ent­so­li­da­ri­sie­rung in Eu­ro­pa, die bei uns in die­sen Ta­gen be­klagt wird, ist je­den­falls nicht so neu. Seit Jah­ren stran­den Flücht­lin­ge aus Afri­ka an den süd­li­chen Küs­ten der EU. Nur hat die­se Völ­ker­wan­de­rung an den Rän­dern im Zen­trum nie­man­den ge­küm­mert. ohl des­halb fällt das La­men­to über die Ver­flüch­ti­gung des eu­ro­päi­schen Geis­tes in Rom und Ma­drid viel de­zen­ter aus. Dort kä­me nie­mand auf die Idee, Schen­gen und gleich die gan­ze EU für ge­schei­tert zu er­klä­ren, weil die bay­ri­sche Po­li­zei tem­po­rär die Gren­zen kon­trol­liert und der Un­garn-Pre­mier sein Land ein­zäunt.

Da­mit soll nichts be­schö­nigt wer­den. Um Eu­ro­pa ist es in die­sen Ta­gen gar nicht gut be­stellt. Es ist nicht so, wie wir es ger­ne hät­ten. Aber es ist lan­ge nicht am En­de. Wir soll­ten uns da­her hü­ten, es ka­putt­zu­re­den.

WSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

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