Liebs­cher: Kein Ver­tei­ler, kei­ne Ver­ant­wor­tung

Ex-No­ten­bank-Chef Liebs­cher sag­te vor dem U-Aus­schuss, dass er Be­rich­te über die Hy­po nicht im­mer ge­le­sen hat. Auch des­halb tra­ge er kei­ner­lei Schuld am Kon­troll­ver­sa­gen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | WIRTSCHAFT - KLAUS KNITTELFELDER

Ent­spannt und selbst­be­wusst be­trat der ein­zi­ge Zeu­ge die­ser Wo­che kurz vor neun Uhr das Lo­kal VI im Par­la­ment, um vor dem Hy­po-Un­ter­su­chungs­aus­schuss aus­zu­sa­gen: Ex-Na­tio­nal­bank-Gou­ver­neur Klaus Liebs­cher. Der eins­ti­ge Chef-No­ten­ban­ker und so­mit auch Ban­ken­auf­se­her soll­te, so die Hoff­nung der Ab­ge­ord­ne­ten, Er­klä­run­gen für das Ver­sa­gen der staat­li­chen Kon­trol­le der Hy­po Al­pe Adria preis­ge­ben. Kon­kret: War­um we­der Na­tio­nal­bank (OeNB) noch Fi­nanz­markt­auf­sicht (FMA) zwi­schen 2001 und 2007 an­ge­sichts teils ver­hee­ren­der Hy­po-Be­rich­te trotz ih­rer Kon­troll­funk­ti­on kaum ein­ge­grif­fen ha­ben.

So weist et­wa der von Grü­nen-Front­mann Wer­ner Kog­ler vor­ge­leg­te Hy­po-Be­richt der OeNB aus dem Jahr 2007 gleich neun Ver­stö­ße ge­gen das Bank­we­sen­ge­setz auf – den­noch blieb er de fac­to fol­gen­los. Liebs­cher er­klär­te, er ha­be den Be­richt nicht ge­le­sen, weil er nicht im in­ter­nen Mail-Ver­tei­ler stand. „Wie soll man auf et­was re­agie­ren, das man nicht ge­le­sen hat?“, frag­te er in die Run­de. Dass ein No­ten­bank-Chef über schwe­re Män­gel, er­ho­ben von den haus­ei­ge­nen Prü­fern, nicht in­for­miert wor­den sei, be­zeich­ne­te Ne­os-Man­da­tar Rai­ner Ha­ble als „er­staun­lich“. Auf die Fra­ge, wel­che der seit 2001 stets kri­ti­schen Hy­po-Be­rich­te Liebs­cher denn ge­le­sen ha­be, hielt sich die­ser kurz: „Nur die, bei de­nen ich im Ver­tei­ler stand.“Über­haupt sei es laut Liebs­cher le­dig­lich die Auf­ga­be der OeNB, Män­gel auf­zu­zei­gen. Dies ha­be man „vor­bild­lich“er­le­digt. Die ent­schei­den­den Schrit­te, die dann eben aus­ge­blie­ben sind, hät­te aber die FMA – in de­ren Auf­sichts­rat Liebs­cher eben­falls ge­ses­sen ist – set­zen müs­sen. Es sei laut Liebs­cher aber we­der die Auf­ga­be der OeNB noch der FMA ge­we­sen, Hy­po-Auf­sichts­rat und Wirt­schafts­prü­fer für die in­ter­ne Kon­trol­le der Bank zu er­set­zen. „Au­ßer­dem“, sag­te er, „war die Ge­set­zes­la­ge für uns vor 2008 un­zu­rei­chend“, die Kon­trol­le da­her re­la­tiv zahn­los.

Tat­säch­lich aber hät­te man der Hy­po be­reits da­mals die Bank­li­zenz ent­zie­hen kön­nen, kon­ter­te Ha­ble. Was für Liebs­cher aber nicht in­fra­ge ge­kom­men wä­re, weil „an­de­re Ban­ken ja ähn­li­che Män­gel hat­ten“und die Hy­po lan­ge nicht als Pro­blem­bank ge­gol­ten ha­be. Al­lein, 2007 woll­te man den da­ma­li­gen Vor­stands­chef der Bank, den mitt­ler­wei­le in­haf­tier­ten Wolf­gang Kul­te­rer, schließ­lich doch ab­sä­gen. Die Kon­se­quenz: Er wech­sel­te vom Vor­stand an die Spit­ze des Auf­sichts­ra­tes. Zu­dem hielt Liebs­cher fest, dass es bei ihm „kei­ner­lei po­li­ti­sche In­ter­ven­tio­nen ge­ge­ben hat“.

Klaus Liebs­cher, von 1995 bis 2008 an der Spit­ze der Na­tio­nal­bank, sag­te als Zeu­ge im U-Aus­schuss zum Hy­po-Skan­dal aus

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