Al­ter­na­ti­ven­los

Kleine Zeitung Steiermark - - | LESERFORUM -

Es ist ein Po­li­tik­ver­sa­gen der ers­ten Klas­se. Da räu­men die Staats- und Re­gie­rungs­chefs ein, die La­ge in Sy­ri­en un­ter­schätzt zu ha­ben. Um an­schlie­ßend ihr Gip­fel­tref­fen – ein Ex­per­te hat es im Mor­gen­jour­nal Grup­pen­the­ra­pie­tref­fen ge­nannt – oh­ne kon­kre­te Lö­sungs­an­sät­ze zu be­en­den.

Vor­aus­schau­end war al­so nichts – das ist nicht neu, Po­li­tik han­delt ja meist erst, wenn ihr das Was­ser bis zum Hals steht.

Aber kann man sich an­ge­sichts der Flücht­lings­strö­me jetzt noch mit Lö­sun­gen Zeit las­sen? Kann die EU, und das sind ja die 28 Staats- und Re­gie­rungs­chefs als Ver­ant­wort­li­che und ge­wähl­te Re­prä­sen­tan­ten selbst, zu­se­hen, wie wich­ti­ge Rech­te und Er­run­gen­schaf­ten wie das Du­blinAb­kom­men und Schen­gen sich ein­fach in Luft auf­lö­sen? Und der nächs­te Pa­pier­ti­ger, die Quo­ten­zu­wei­sung von Flücht­lin­gen, ab­seh­bar ist?

Wo ist der Plan Eu­ro­pas, wie es ge­denkt, mit den vie­len Men­schen auf der Su­che nach ei­ner Zu­kunft um­zu­ge­hen? Nir­gends. Je­der weiß, das Pro­blem ist groß und schwie­rig – aber pa­cken wir’s doch end­lich an! Wo ist die ge­mein­sa­me Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik der EU, die die­sen Na­men ver­dient? In der Flücht­lings­kri­se, ge­gen­über Russ­land in der Ukrai­nek­ri­se, ge­gen­über Afri­ka, wo sich der­zeit Chi­na und die USA den Kon­ti­nent qua­si auf­tei­len. Po­li­tik(er/-in­nen), bit­te auf­wa­chen, end­lich! Han­delt! Heu­te, nicht mor­gen! Han­delt für heu­te, be­son­ders aber für mor­gen. Springt über eu­ren Schat­ten, trefft zu­kunfts­wei­sen­de Ent­schei­dun­gen für Eu­ro­pa und die Men­schen, die hier le­ben (wol­len). Der kleins­te ge­mein­sa­me Nen­ner ist nicht gut ge­nug. Nicht für die Men­schen, nicht für die Be­wäl­ti­gung der Zu­kunft und ih­rer Her­aus­for­de­run­gen. Über­lasst das Feld nicht den Po­pu­lis­ten und Ex­tre­mis­ten. We­der in Ta­ten noch mit Wor­ten.

Die Men­schen wol­len ge­führt wer­den, wol­len Ent­schei­dun­gen, mit al­len Vor­tei­len und Nach­tei­len. Aber sie wol­len sie ver­ste­hen und sie wol­len mit ih­ren Ängs­ten und Sor­gen ernst ge­nom­men wer­den.

Was für Po­li­ti­ker gilt, gilt aber auch für je­de Ein­zel­ne und je­den Ein­zel­nen. Bit­te auf­wa­chen! In­for­miert euch, hört auf, schwarz-weiß zu den­ken, glaubt kei­ne un­er­füll­ba­ren Heils­bot­schaf­ten. Sel­ten sind die ein­fachs­ten Bot­schaf­ten die rich­ti­gen. Schließt in der Wahl­zel­le kei­ne Haus­tür­ge­schäf­te ab, die nicht rück­gän­gig zu ma­chen sind. Seid nicht nur Kreu­zerl­ma­cher, son­dern auch ak­ti­ve, den­ken­de, ver­ste­hen­de Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. ir al­le sind die EU, nicht Brüssel. Wir al­le sind ver­ant­wort­lich, nicht nur die da oben. Wir al­le müs­sen so­li­da­risch sein. Ver­spie­len wir nicht die­ses ein­zig­ar­ti­ge Zu­kunfts­pro­jekt, das es trotz al­ler Män­gel ist. Die EU ist al­ter­na­ti­ven­los. Michael Csoklich

Wwar lang­jäh­ri­ger Re­dak­teur des ORF

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