Er­grei­fend ernst und sehr ko­misch

Zeit­ge­nös­si­sche Künst­le­rin­nen und Künst­ler be­fra­gen christ­li­che Iko­no­gra­fie nach ih­rer Be­deu­tung für das 21. Jahr­hun­dert. Ih­re Ar­bei­ten bil­den ein schil­lern­des Pan­ora­ma.

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR - WAL­TER TITZ

Na­vid Ker­ma­ni, deut­scher Au­tor ira­ni­scher Her­kunft, nennt sein neu­es Buch „Un­gläu­bi­ges Stau­nen“. Der ha­bi­li­tier­te Ori­en­ta­list blickt dar­in auf Bil­der von Bot­ti­cel­li, Ca­ra­vag­gio, El Gre­co, Rem­brandt und an­de­ren. Auf Wer­ke ei­ner Tra­di­ti­on, die Wolf­gang Schö­ne, deut­scher Kunst­his­to­ri­ker von Rang (aber lei­der ein Na­zi der ers­ten St­un­de), in den 1950er-Jah­ren als „ab­ge­lau­fen“er­klär­te. „Got­tes Bild­ge­schich­te“, so Schö­ne, sei um 1800 be­en­det wor­den.

„The Pro­blem of God“heißt ei­ne gro­ße Aus­stel­lung, die heu­te in Düsseldorf er­öff­net wird. Ih­re Am­bi­ti­on: zu zei­gen, „wie sich For­men und Zei­chen der christ­li­chen Bild­spra­che als Be­stand­teil des kol­lek­ti­ven Bild- und Text­ge­dächt­nis­ses viel­schich­tig und am­bi­va­lent in den Wer­ken zeit­ge­nös­si­scher Künst­le­rin­nen und Künst­ler wie­der­fin­den“. Wo­mit auch das Kon­zept der Schau „Re­li­q­te: re­loa­ded“um­ris­sen ist.

„Zum Er­be christ­li­cher Bil­der­wel­ten heu­te“wähl­ten Jo­han­nes Rau­chen­ber­ger und Alois Kölbl als Un­ter­ti­tel ih­rer so sinn­li­chen wie in­tel­li­gen­ten Ins­ze­nie­rung der Wer­ke von rund drei Dut­zend Künst­le­rin­nen und Künst­lern.

Re­spekt­los ernst

Die „Res­te­ver­wer­tung“, der künst­le­ri­sche Um­gang mit Re­lik­ten der un­ter­schied­lichs­ten Art, kann sich je­den­falls se­hen las­sen. Und ist na­tur­ge­mäß kei­ne un­be­schwer­te Fei­er von Re­li­gi­on(en) und von Kir­che(n). An­no 2015 sind die Brü­che grö­ßer, die Fra­gen viel­fäl­ti­ger denn je. Was es nicht mehr gibt, zu­min­dest nicht in die­ser Zu­sam­men­stel­lung: Bil­der von rein af­fir­ma­ti­vem Cha­rak­ter. Ernst­haf­tig­keit eig­net aber al­len Ex­po­na­ten, auch den ver­meint­lich re­spekt­lo­sen (viel­leicht die­sen be­son­ders).

Re­spekt­los sind die Ge­mäl­de von Sieg­fried An­zin­ger, die sich ge­wis­ser­ma­ßen als ro­ter Fa­den durch die Prä­sen­ta­ti­on zie­hen. Seit Jah­ren wid­met sich der Ober­ös­ter­rei­cher und Pro­fes­sor an der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie christ­li­cher Iko­no­gra­fie. Sei­ne Va­ri­an­ten von Kreu­zi­gung, Au­fer­ste­hung und Him­mel­fahrt, aber auch Hul­di­gun­gen an Hieronymus und den Lö­wen er­wei­sen An­zin­ger als (kei­ne Über­ra­schung) vir­tuo­sen Ma­ler und Meis­ter der Hoch­ko­mik.

Ei­ne kon­tra­punk­ti­sche Leit­li­nie sind „es­cha­to­lo­gi­sche“Vi­deo-Por­träts von Joa­chim Ha­ke und Tho­mas Hen­ke. Die Au­to­ren Tho­mas Bü­scher, Fe­li­ci­tas Hop­pe und Tho­mas Hür­li­mann, Phi­lo­soph Tho­mas Ma­cho und die Be­ne­dik­ti­ne­rin Co­ro­na Bam­berg re­agie­ren „auf ein­fa­che und ele­men­ta­re Fra­gen“. Ein­fach, ele­men­tar. In Sum­me sehr kom­plex.

An­na & Bern­hard Blu­me, Le­na Knil­li, Ze­ni­ta Ko­mad, Alois Neu­hold, Adri­an Pa­ci, Mark Wal­lin­ger und Ma­ria Wirkka­la sind nur ei­ni­ge Bei­trä­ger von ein­fach ele­men­tar Kom­ple­xem. Künst­ler, die mit heu­ti­gen Mit­teln ei­ne Bil­der­spra­che neu for­mu­lie­ren, die man nicht in je­der Ak­zen­tu­ie­rung ver­ste­hen muss, um zum Dia­log an­ge­regt zu wer­den. Re­li­q­te: re­loa­ded. Er­öff­nung: mor­gen, 15 Uhr. Aus­stel­lung bis 24. Jän­ner. Kul­tur­zen­trum bei den Mi­no­ri­ten, Andrä- Kir­che, QL- Ga­le­rie. kultum. at

Wer­ner Reiterer: „Will be back in 5 Min – God“(oben); Michael Trie­gels „De­us ab­s­con­di­dus“(2013)

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