Nah­kampf mit har­ten Ban­da­gen

In Wels könn­te die FPÖ 70 Jah­re Do­mi­nanz der SPÖ be­en­den. Andre­as Rabl hofft, in der Stich­wahl in zwei Wo­chen Bür­ger­meis­ter zu wer­den.

Kleine Zeitung Steiermark - - | THEMA -

Fort­set­zung von Sei­te 3

R E P O R TA G E

Die Hupf­burg in Form ei­nes Sau­ri­ers wippt im Takt des Boo­gie-Woo­gie, ein ro­tes, auf­blas­ba­res Männ­chen zuckt kon­vul­si­visch un­ter wech­seln­der Luft­zu­fuhr. Die SPÖ ze­le­briert den letz­ten Wahl­auf­tritt ih­rer ober­ös­ter­rei­chi­schen Spit­zen­leu­te in Ge­mein­den und im Land­tag im Wel­ser Volks­gar­ten. Das ist kein Zu­fall. Die al­te Sta­tu­t­ar­stadt an der Traun ist in Ge­fahr, an die FPÖ zu fal­len. Es wä­re das En­de von 70 Jah­ren so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher He­ge­mo­nie.

Die war schon län­ger be­ein­träch­tigt. Im Ge­mein­de­rat ha­ben ÖVP und FPÖ die Mehr­heit und nüt­zen sie ge­nüss­lich ge­gen den Bür­ger­meis­ter. Am Sonn­tag schickt die SPÖ ei­nen neu­en Mann ins Ren­nen. Her­mann Wim­mer war seit 1999 Vi­ze­bür­ger­meis­ter, er kennt al­so das Ge­schäft und weiß um den dro­hen­den Macht­ver­lust. as ihm Mut macht, er­zählt der leut­se­li­ge Mann am Ran­de der Bier­ti­sche, die sei­ne Par­tei für das klei­ne „Fest für al­le“auf­ge­stellt hat. „Wir ha­ben im letz­ten Jahr 14.000 Men­schen bei Haus­be­su­chen an­ge­spro­chen. Die Re­ak­tio­nen wa­ren aus­ge­spro­chen po­si­tiv.“Nir­gend­wo sei­en sei­ne Leu­te und er ab­ge­wie­sen wor­den, nie­mand ha­be sie un­freund­lich be­han­delt. Die Men­schen sei­en froh ge­we­sen, dass je­mand kommt und sie fragt.

Was er denn da zu hö­ren be­kom­men ha­be? „Die Men­schen

Win­ter­es­sie­ren sich für ihr un­mit­tel­ba­res Wohn­um­feld, Pro­ble­me mit der Müll­ab­fuhr, ein ka­put­tes Stra­ßen­licht, Lärm im Hof.“Kei­ne Kla­gen über Pro­ble­me mit Zu­wan­de­rern, die der Kon­kur­rent ins Zen­trum rückt? 28 Pro­zent der Be­völ­ke­rung der Stadt sind nicht in Ös­ter­reich ge­bo­ren, sagt die Sta­tis­tik, die meis­ten kom­men aus Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, aus der Tür­kei, aus Kroa­ti­en. Nein, sagt Wim­mer, nur die Kla­gen über lär­men­de Kin­der, die hät­ten manch­mal da­mit zu tun.

Das sieht Andre­as Rabl, Vi­ze­bür­ger­meis­ter der FPÖ und ihr Spit­zen­kan­di­dat, an­ders. Der 43jäh­ri­ge Rechts­an­walt, der erst kurz vor der Wahl sei­ne 30-köp­fi­ge Kanz­lei ver­kauft hat, um das nach ei­nem et­wai­gen Wahl­sieg nicht un­ter Zeit­druck tun zu müs­sen, ver­strömt Ge­las­sen­heit. Er weiß, die Er­eig­nis­se der letz­ten Wo­chen trei­ben ihm Wäh­ler zu, oh­ne dass er viel da­für tun müss­te. Dass die SPÖ in Wels das The­ma In­te­gra­ti­on un­ter­schätzt hat, sagt er seit vie­len Jah­ren. n den letz­ten Ta­gen vor der Wahl ist das Kli­ma rau­er ge­wor­den. Rabl reicht sein Han­dy über den Tisch. Es zeigt die ver­un­stal­te­te Fas­sa­de des FPÖ-Par­tei­lo­kals: „Pro­gram­me statt Po­gro­me, Öko­no­mie statt Xeno­pho­bie“hat je­mand näch­tens über die Fens­ter ge­schmiert. Sei­ne Pla­ka­te wür­den oft mit Hit­ler­bärt­chen ver­ziert, er­zählt Rabl. „Wer kei­ne Ar­gu­men­te hat, zer­stört Pla­ka­te“,

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