Mit al­ler Macht end­lich los von

Die Ka­ta­la­nen wäh­len mor­gen ein neu­es Re­gio­nal­par­la­ment. Zer­bricht Spa­ni­en dar­an? Die Se­pa­ra­tis­ten wol­len die Un­ab­hän­gig­keit aus­ru­fen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - VON UN­SE­REM KORRESPONDENTENORR RESP SPONDENTEN RALPHALP PH H SCHUL­ZE

Als Spa­ni­ens kon­ser­va­ti­ver Pre­mier Ma­ria­no Ra­joy die­ser Ta­ge die ab­drif­ten­de Re­gi­on Ka­ta­lo­ni­en be­such­te, be­kam er haut­nah mit, wie ge­la­den die Stim­mung ist. „Hau ab!“, be­grüß­ten ihn De­mons­tran­ten, als Ra­joy in der Stadt Reus ein Bad in der Men­ge neh­men woll­te. Sprech­chö­re mit dem Schlacht­ruf „Un­ab­hän­gig­keit, Un­ab­hän­gig­keit“ver­folg­ten ihn. Ra­joy zog es vor, sei­nen Spa­zier­gang ab­zu­bre­chen.

Ka­ta­lo­ni­en, wo mor­gen ge­wählt und da­mit in­di­rekt über die Un­ab­hän­gig­keit ab­ge­stimmt wird, ist feind­li­ches Ge­biet für Spa­ni­ens Kon­ser­va­ti­ve. Un­güns­ti­ge Vor­zei­chen al­so für je­ne Wahl, die der ka­ta­la­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­tur Mas zu ei­nem „Ple­bis­zit für die Frei­heit und Sou­ve­rä­ni­tät Ka­ta­lo­ni­ens“aus­rief. Soll­te die von Mas an­ge­führ­te Un­ab­hän­gig­keits­front ei­ne kla­re Mehr­heit er­rin­gen, wol­len die Se­pa­ra­tis­ten gleich am Tag nach der Wahl den Ab­spal­tungs­pro­zess ein­lei­ten, der bin­nen 18 Mo­na­ten in die Grün­dung ei­nes ei­ge­nen Staa­tes mün­den soll.

Spa­ni­ens Pre­mier Ra­joy kün­dig­te an, dass man al­le ein­sei­ti­gen Schrit­te ver­hin­dern wer­de. „Spa­ni­en wird nicht aus­ein­an­der­bre­chen.“Er wer­de die Ab­spal­tung per Ge­richt stop­pen las­sen, da in Spa­ni­ens Grund­ge­setz die „un­auf­lös­li­che Ein­heit der spa­ni­schen Na­ti­on“ver­an­kert sei. Die Ver­fas­sungs­rich­ter hat­ten be­reits im Herbst 2014 Ka­ta­lo­ni­ens Un­ab­hän­gig­keits­fahrt ge­stoppt. Da­mals sus­pen­dier­ten sie ein ka­ta­la­ni­sches Re­fe­ren­dum über die Ab­spal­tung, weil es oh­ne die Er­laub­nis der Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid an­ge­setzt wor­den war. Des­we­gen griff Ka­ta­lo­ni­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Mas nun zum Trick der vor­ge­zo­ge­nen Re­gio­nal­wahl, bei der es aus­schließ­lich um das The­ma Un­ab­hän­gig­keit geht – und ver­wan­del­te sie in ei­ne in­of­fi­zi­el­le Volks­ab­stim­mung.

Mei­nungs­for­scher se­hen die Un­ab­hän­gig­keits­be­für­wor­ter klar vorn: Die Lis­te „Ge­mein­sam für das Ja“und die noch ra­di­ka­le­re Se­pa­ra­tis­mus­par­tei CUP könn­ten dem­zu­fol­ge zu­sam­men ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit er­rin­gen. Vie­ler­orts weht die ka­ta­la­ni­sche Fah­ne mit den fünf gel­ben und vier ro­ten Strei­fen an Fens­tern und Bal­ko­nen. Vor zwei Wo­chen hat­ten über ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen in der Re­gio­nal­haupt­stadt Bar­ce­lo­na für ei­ne „ka­ta­la­ni­sche Re­pu­blik“de­mons­triert.

In Ka­ta­lo­ni­en, ei­ner der reichs­ten Re­gio­nen Spa­ni­ens, le­ben 7,5 Mil­lio­nen Men­schen. Sie pfle­gen ih­re ei­ge­ne Spra­che und Kul­tur und füh­len sich von Ma­drid be­vor­mun­det und aus­ge­beu­tet.

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