En­de des gol­de­nen Zeit­al­ters

Wie ha­ben die Mil­lio­nä­re vor 100 Jah­ren ihr Ver­mö­gen an­ge­legt – und mit wie viel Er­folg? Wirt­schafts­his­to­ri­ker und Au­tor Ro­man Sand­gru­ber im In­ter­view.

Kleine Zeitung Steiermark - - | MARKT & WERT -

Wie ha­ben denn die Su­per­rei­chen von einst ihr Ver­mö­gen an­ge­legt? Nicht so viel an­ders als es die Rei­chen heu­te tun. Die Mil­lio­nä­re um 1910 ha­ben eben­falls in fest­ver­zins­te Wert­pa­pie­re in­ves­tiert. Das war die da­mals wich­tigs­te An­la­ge­form, ri­si­ko­los, und wur­de als An­la­ge­stra­te­gie emp­foh­len. Im Ver­lauf des Ers­ten Welt­kriegs hat sich dies als qua­si fa­tal er­wie­sen. Wer um 1910 ver­meint­lich si­che­re Wert­pa­pie­re be­saß, konn­te nach­her – 1924/25 – völ­lig ver­armt sein. Wer war da­von be­trof­fen?

Sehr oft un­mün­di- ge Kin­der, de­ren Er­be ver­an­lagt wur­de. Da ha­ben ei­ni­ge Pech ge­habt. Wenn z. B. der Va­ter ge­stor­ben ist, wur­den Ak­ti­en und Rea­li­tä­ten ver­kauft und in mün­del­si­che­re An­la­gen in­ves­tiert. Und dann kam die In­fla­ti­on. Da war das al­les prak­tisch nichts mehr wert – ei­ne to­ta­le Ent­wer­tung.

Man be­saß al­so Ak­ti­en, wie die Leu­te sie heu­te auch be­sit­zen?

Ja, al­ler­dings war es da­mals noch et­was ri­si­ko­rei­cher als heu­te. Weil ja viel sel­te­ner et­was von der öf­fent­li­chen Hand auf­ge­fan­gen wur­de. Wenn man es aber mit den Wert­pa­pie­ren ge­schafft hat, dann hat es ei­nen so­zu­sa­gen drü­ber­ge­tra­gen, über die In­fla­ti­on.

Wenn so vie­le durch die In­fla­ti­on plötz­lich ver­armt wa­ren, hät­te man das – na­iv nicht vor­her­se­hen kön-

Be­stän­di­ge An­la­ge: Gold ge­sagt – nen?

Aus der Per­spek­ti­ve des 19. Jahr­hun­derts konn­te man das nicht wis­sen. Die Prei­se wa­ren im Lauf des Jahr­hun­derts nur we­nig ge­stie­gen, und über 50 Jah­re hin­durch ist so ge­se­hen nichts pas­siert. Und dann plötz­lich ging die­ses gol­de­ne Zeit­al­ter der Si­cher­heit zu En­de. Den Krieg hät­te man vor­aus­se­hen kön­nen oder auch nicht.

Wel­che – hof­fent­lich si­che­re­ren – An­la­ge­for­men gab es da­mals noch?

Die Emp­feh­lung war auch sei­ner­zeit, sein Ver­mö­gen zu ei­nem Drit­tel in Rea­li­tä­ten an­zu­le­gen oder Edel­me­tall. Man­che ha­ben auch da­mals schon in Kunst in­ves­tiert. Das kann gut ge­hen, es kann aber auch schlecht ge­hen. Vor al­lem bei der zeit­ge­nös­si­schen Kunst, aber auch bei al­ter Kunst – weil man nie wis­sen kann, wie sich die Prei­se ent­wi­ckeln. Sol­che An­la­ge­stra­te­gi­en wie Edel­me­tall oder auch Grund­be­sitz hel­fen na­tür­lich lang­fris­tig über Kri­sen hin­weg, Gold­bar­ren usw. wer­fen aber kei­nen Er­trag ab. Wert­pa­pie­re hin­ge­gen schon – von den Zin­sen und Di­vi­den­den kann man oft gut le­ben.

Kann man aus der Ver­gan­gen­heit auch Leh­ren für die Ge­gen­wart zie­hen?

Ro­man Sand­gru­ber ist Wirt­schafts- und So­zi­al­his­to­ri­ker

Das ist nicht ein­fach. Wer ei­ne Misch­stra­te­gie be­vor­zugt, der ist im­mer im Vor­teil. Aber ei­nen wirk­li­chen Rat gibt es nicht.

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