Krebs die Tarn­kap­pe ent­rei­ßen

Kleine Zeitung Steiermark - - STUDIEREN IN DER STEIERMARK - SON­JA SAURUGGER

Krebs wird, der trotz al­ler For­schungs­er­fol­ge teil­wei­se noch im­mer ein über­mäch­ti­ger Geg­ner zu sein scheint. „Die Immuntherapie wird die Land­schaft der Krebs­the­ra­pie völ­lig ver­än­dern“, sagt der Wie­ner Krebs­spe­zia­list Chris­toph Zie­lin­ski. „Wir ste­hen am Be­ginn von et­was, das ex­trem viel­ver­spre­chend aus­sieht“, pflich­tet sein spa­ni­scher Kol­le­ge Ig­na­cio Me­le­ro bei.

Die Eu­pho­rie ist auch des­halb groß, weil die Immuntherapie ei­nen lan­ge ge­heg­ten Traum der Krebs­me­di­zi­ner Wirk­lich­keit wer­den lässt: die Waf­fen des ei­ge­nen Kör­pers, die Im­mun­ab­wehr, da­zu zu nut­zen, den Tu­mor zu be­sie­gen. Die­se Idee exis­tiert be­reits lan­ge: 1866 be­ob­ach­te­te ein deut­scher Chir­urg, dass sich der Krebs ei­ner Pa­ti­en­tin zu­rück­bil­de­te, als sie an ei­ner In­fek­ti­on er­krank­te – der An­griff von Vi­ren hat­te das Im­mun­sys­tem ge­weckt, das plötz­lich auch die Tu­mor­zel- len at­ta­ckier­te. Doch von die­ser Be­ob­ach­tung war es ein lan­ger Weg: Ers­te Ver­su­che in den 1980ern, ei­ne Imp­fung ge­gen den Krebs zu ent­wi­ckeln, schei­ter­ten. Die For­schung kämpf­te lan­ge ge­gen die in­tel­li­gen­te Stra­te­gie des Tu­mors, sich im Kör­per un­sicht­bar zu ma­chen. „Ei­gent­lich ist un­ser Im­mun­sys­tem dar­auf ge­schult, Krank­heits­er­re­ger, aber auch ge­ne­tisch veränderte Zel­len, al­so Krebs­zel­len, im Kör­per zu er­ken­nen und zu zer­stö­ren“, er­klärt Ma­ria Si­bi­lia, die das In­sti­tut für Krebs­for­schung der MedUni Wi­en lei­tet. Doch die Tu­mor­zel­le, schlau und ego­is­tisch wie sie ist, fin­det We­ge, das Im­mun­sys­tem aus­zu­trick­sen. „Sie zieht sich qua­si ei­ne Tarn­kap­pe über“, sagt Si­bi­lia. Über ver­schie­de­ne bio­che­mi­sche Mecha­nis­men ge­lingt es den Krebs­zel­len, das Im­mun­sys­tem da­von zu über­zeu­gen, dass sie ge­sun­de Zel­len sei­en – und da­her nicht an­ge­grif­fen wer­den müs­sen. „20 Jah­re For­schung ste­cken in der Be­mü­hung, das Im­mun­sys­tem da­zu zu brin­gen, die bös­ar­ti­gen Zel­len wie­der als sol­che zu er­ken­nen“, sagt Si­bi­lia. Und mit den so­ge­nann­ten Check­point-In­hi­bi­to­ren, die nun ver­füg­bar sind, ist das ge­lun­gen.

Die Er­fol­ge zeig­ten sich bis­her vor al­lem beim schwar­zen Haut­krebs (Me­la­nom): Im Ver­gleich zur Che­mo­the­ra­pie konn­te die Ein-Jah­res-Über­le­bens­ra­te von 42 auf 73 Pro­zent ge­stei­gert wer­den. Und auch das Fort­schrei­ten der Er­kran­kung konn­te wei­ter hin­aus­ge­zö­gert wer­den. Ak­tu­el­le Stu­di­en be­le­gen auch Er­fol­ge bei fort­ge­schrit­te­nen For­men von Lun­gen- und Nie­ren­krebs. „Die Immuntherapie ver­sucht man vor al­lem bei je­nen Tu­mo­ren ein­zu­set­zen, die bis heu­te nur sehr schwer zu be­han­deln sind“, sagt

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