Schlum­mer­trunk mit Prunk

Will­kom­men im Schmuck­käst­chen: Schloss­ho­tels und Her­ren­häu­ser in der Wach­au lo­cken mit feu­da­lem Am­bi­en­te in idyl­li­scher Land­schaft.

Kleine Zeitung Steiermark - - | REISE - EL­KE FERTSCHEY

Wer in der Burg Ober­r­an­na an­kommt, ist, oh­ne es zu wis­sen, ei­nem ma­gi­schen Ruf ge­folgt. „Die Burg sucht sich ih­re Be­woh­ner aus“, ist Haus­her­rin Ly­dia Ne­metz über­zeugt. Sie muss es wis­sen, konn­te die Vi­ze­prä­si­den­tin der Ver­ei­ni­gung Schloss­ho­tels und Her­ren­häu­ser, die heu­er ihr 50-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um fei­ert, doch der An­zie­hungs­kraft der im 11. Jahr­hun­dert er­bau­ten Burg über Spitz an der Do­nau nicht wi­der­ste­hen.

Sitzt man in der uri­gen Burg­schän­ke oder der his­to­ri­schen Bi­b­lio­thek, de­ren Holz­de­cke einst mit blut­ro­tem Stier­blut ge­gen Holz­wür­mer im­prä­gniert war, oder steht man im ma­le­ri­schen, ro­sen­ge­schmück­ten Re­nais­sance-Burg­hof mit Blick auf die ro­ma­ni­sche Wehr­kir­che mit der ar­chai­schen Kryp­ta, ver­steht man, wie viel Auf­wand und Lie­be Ne­metz und ihr Gat­te – ein auf Denk­mal­pfle­ge spe­zia­li­sier­ter Ar­chi­tekt – in das ur­al­te Ge­mäu­er ge­steckt ha­ben.

Nach ei­nem „schau­ri­gen“An­fang wur­de dar­aus ein Schmuck­stück für be­son­de­re Gäs­te, die dort eben­so wie die Herr­schaf­ten nicht strei­ten kön­nen. Auch das ge­hört zum ma­gi­schen Ver­mächt­nis der Burg, die idea­ler Aus­gangs­punkt für Wan­de­run­gen per Rad durch die herr­lichs­ten Wein­gü­ter der Wach­au ist. Ei­ne Be­son­der­heit un­ter ih­nen ist der vom Ba­rock­ar­chi­tek­ten Ja­kob Prand­tau­er 1696 er­bau­te Wein­le­se­hof der St. Pölt­ner Chor­her­ren in Joching bei Wei­ßen­kir­chen, der 1967 von der Fa­mi­lie Holz­ap­fel er­wor­ben wur­de. Im mit Blu­men ge­schmück­ten Ar­ka­den­hof vol­ler Pal­men und Ole­an­der schme­cken die mit Frisch­kä­se ge­füll­ten und mit Speck um­wi­ckel­ten ge­bra­te­nen Ma­ril­len köst­lich, eben­so wie die Gau­men­freu­den, die auf der Eta­ge­re ser­viert wer­den. In­mit­ten der Reb­stö­cke der Wein­gär­ten wer­den Trau­un­gen ab­ge­hal­ten, wo man ger­ne zu­min­dest als Zaun­gast da­bei wä­re.

Die Do­nau ent­lang geht es nach Wei­ßen­kir­chen, wo der Raf­fels­ber­ger Hof zum fürst­li­chen Woh­nen lädt: Der Pracht­bau der Spät­re­nais­sance ist der ein­zi­ge der Wach­au, des­sen Ar­ka­den nach au­ßen ge­öff­net sind. Er ge­hört heu­te Clau­dia An­ton-Krupp, de­ren El­tern das de­so­la­te Ge­bäu­de sa­niert ha­ben. „Kein Win­ter oh­ne Bau­stel­le“, er­zählt die Ho­tel­che­fin im ele­gan­ten Früh­stücks­raum, in dem Ma­ria The­re­sia von ei­nem Ori­gi­nal­ge­mäl­de ih­res Hof­ma­lers Van Mer­tens lä­chelt.

Die teu­ren Sma­ragd-Wei­ne ge­dei­hen auf Steil­la­gen zwi­schen Wei­ßen­kir­chen und Spitz, wo der Er­trag ge­ring, aber die Qua­li­tät der Trau­ben hoch ist, wo­von Na­men wie „Küss den Pfen­nig“zeu­gen. Im Mau­ri­ti­us­hof, seit 1799 von der Fa­mi­lie Gritsch in mitt­ler­wei­le sieb­ter Ge­ne­ra­ti­on ge­führt, ist der tren­di­ge Kal­muck-

Kul­ti­vier­te

Hän­ge, kul­ti­vier­te Häu­ser:

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