„Nur die Fü­ße aus­stre­cken möcht ich nicht“

Der 84-jäh­ri­ge Her­mann Noack be­treibt ge­mein­sam mit sei­nem Sohn Her­mann ei­ne Bild- und Kunst­gie­ße­rei. Gera­de wird sie groß aus­ge­baut.

Kleine Zeitung Steiermark - - | MEINE KARRIERE -

Herr Noack, der schon von Ih­rem grün­det? HER­MANN NOACK III.: Ja, in Fried­richs­hain, dann über­sie­del­te die Fir­ma nach Wil­mers­dorf, spä­ter nach Frie­denau, und seit fünf Jah­ren sind wir an der jet­zi­gen Adres­se in Char­lot­ten­burg.

Es blieb Ih­nen wahr­schein­lich gar nichts an­de­res üb­rig, als das be­ruf­li­che Er­be von Groß­va­ter und Va­ter an­zu­tre­ten? NOACK: Ich hät­te ger­ne ei­ne Hoch­schu­le ab­sol­viert, doch das ha­ben sie mir aus­ge­re­det. Al­so ha­be ich ei­ne Leh­re im ei­ge­nen Be­trieb be­gon­nen – wo sonst? Und es hat mir zu­se­hends Spaß ge­macht.

Wo darf man die­sen Be­rufs­zweig ein­rei­hen? Be­trieb wur­de Groß­va­ter ge- NOACK: Wir sind, wenn ich das sa­gen darf, „Hand­lan­ger“für Bild­hau­er und Künst­ler. Das heißt: Wir set­zen die Kunst­wer­ke in gu­tes Ma­te­ri­al um, so­dass sie spä­ter in Mu­se­en ste­hen oder ver­kauft wer­den kön­nen. Un­se­re Mit­ar­bei­ter be­kom­men von An­fang an ein­ge­bläut, was es be­deu­tet, für Künst­ler ar­bei­ten zu dür­fen.

Sie ha­ben auch mit dem gro­ßen Hen­ry Moo­re zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. NOACK: Und zwar sehr gut, bis zu sei­nem Tod. Mit ihm muss­te man im­mer ei­nen Whis­ky trin­ken, dann ließ es sich gut re­den.

Wel­che Tech­ni­ken wen­den Sie an? NOACK: Es gibt Sand- und Wachs­guss. Den Sand­guss nimmt man, wenn die For­men sehr glatt sind und gro­ße Flä­chen ha­ben. Kom­pli­zier­te­res muss man aus Wachs ma­chen. Das kunst­vol­le Seil, das Sie hier am Ne­ben­tisch se­hen, ist kein ech­tes, son­dern aus Wachs ge­gos­sen. Merkt man mit frei­em Au­ge gar nicht.

Be­son­ders be­rühmt ist Ih­re Fir­ma, weil sie Jahr für Jahr die „Bä­ren“, die Prei­se der Ber­li­ner Film­fest­spie­le, an­fer­tigt. NOACK: Ja. Von An­fang an. Von ei­nem Me­tall­mo­dell wird ein Sand­ab­druck ge­nom­men, aus dem dann die Feuch­tig­keit raus­muss. Er wird al­so ge­trock­net. Dann wird das Me­tall in ei­nen zwei­tei­li­gen Form­kas­ten ge­gos­sen, die bei­den Hälf­ten wer­den mit ei­nem Stift zu­sam­men­ge­hal­ten, bis das Gan­ze zur Ent­nah­me be­reit ist. Der Ur­ent­wurf stammt von Renée Sin­te­nis, ei­ner be­rühm­ten Ber­li­ner Tier-Bild­haue­rin. Sie hat ihr Le­ben lang fast nur Tie­re ge­macht.

Was spielt sich am Tag Preis­ver­lei­hung bei Ih­nen ab? NOACK: Da gibt’s ei­ne Son­der­schicht, in der fünf bis sechs Leu­te be­schäf­tigt sind. Am Vor­mit­tag krie­gen wir die Na­men der Ge­win­ner, die wer­den dann in den So­ckel gra­viert, am En­de wird al­les ver­sil­bert oder ver­gol­det, je nach­dem. Ab 17 Uhr wird ge­lie­fert.

Sind Sie Film­fan? NOACK: Nee, ich schaue mir über­haupt kei­ne Fil­me an und war noch nie auf der Ber­li­na­le.

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Be­gehr­te Tro­phäe:

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