Zu­kunft für Zeit­ge­nos­sen

Um die Be­deu­tung kul­tu­rel­len Er­bes und zu­kunfts­kom­pa­ti­ble Ge­sell­schafts­ent­wür­fe ging es bei der Er­öff­nung des stei­ri­schen herbsts 2015.

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR - UTE BAUMHACKL, J ULIA SCHAF­FER­HO­FER

Un­an­ge­neh­me Wahr­hei­ten, mit gro­ßer Ges­te aus­ge­teilt: Das stand dem stei­ri­schen herbst schon im­mer gut. Dass das Fes­ti­val in sei­ner 47. Aus­ga­be nicht nur dem al­tersad­äqua­ten The­ma „Back to the Fu­ture“hul­digt, son­dern sich auch sei­ner Tra­di­ti­on ge­sell­schafts­kri­ti­scher Selbst­ver­ge­wis­se­rung be­sinnt, darf man seit der Er­öff­nung am Frei­tag­abend in der Gra­zer Lis­tHal­le hof­fen. Nicht nur, weil In­ten­dan­tin Ve­ro­ni­ca Kaup-Hasler in ih­rer Er­öff­nungs­re­de mehr Dis­kus­si­on über das gern zi­tier­te „ge­mein­sa­me kul­tu­rel­le Er­be“ein­for­der­te. Son­dern auch, weil Au­tor Jo­sef Wink­ler in sei­nem Mu­sik­thea­ter­text für die Urauf­füh­rung von „Spec­ter of the Gar­de­nia oder Der Tag wird kom­men“, ver­tont von Jo­han­nes Ma­ria Staud, mit dem pro­ba­ten Mit­tel der Pu­bli­kums­be­schimp­fung ex­pe­ri­men­tiert hat. Wink­ler, zur Pre­mie­re aus Kla­gen­furt an­ge­reist, hat in sei­nen poe­ti­schen Text ei­ne „sur­rea­le Welt­kla­ge“mon­tiert, in der er die „Weich­ma­cher­ge­sell­schaft“, die „Du­ro­plast­ge­sell­schaft“, die „Si­li­kon­ge- sell­schaft“an­pran­gert. Ein star­kes Stück (aus­führ­li­che Be­spre­chung in der mor­gi­gen Aus­ga­be).

Zu­kunfts­fä­hig

Da­vor nutz­te Kaup-Hasler ih­re Re­de zu plas­ti­sche­ren For­de­run­gen: Hin­ter dem fri­vol klin­gen­den herbst-Mot­to „Back to the Fu­ture“ver­ber­ge sich „die Er­kennt­nis, dass die Zu­kunft oh­ne ei­ne pro­fun­de Ana­ly­se von Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart ge­fähr­lich und zum Schei­tern ver­ur­teilt ist“, so die In­ten­dan­tin. Dass Zu­kunfts­sze­na­ri­en der Ver­gan­gen­heit „die heu­ti­ge Le­bens­rea­li­tät in vie­len Aspek­ten er­schre­ckend genau tref­fen“, müs­se im ge­sell­schaft­li­chen Dis­kurs Wi­der­hall fin­den. Fa­zit: „Es gibt kei­ne ein­fa­chen Lö­sun­gen für die­se kom­ple­xen An­for­de­run­gen an un­se­re Zeit. Wer ein­fa­che Lö­sun­gen pa­rat hat, wie et­wa das Er­rich­ten von Zäu­nen, die Per­fek­tio­nie­rung der Fe­s­tung Eu­ro­pa, das Ver­har­ren im ver­meint­lich Ei­ge­nen, hat sich we­der mit Ge­schich­te aus­ein­an­der­ge­setzt noch mit zu­kunfts­fä­hi­gen Visionen. Und schon gar nicht mit Kunst.“Da­zu be­steht dem­nächst im­mer­hin reich­lich Ge­le­gen­heit: Der herbst läuft bis 18. Ok­to­ber.

P R O G R A M M -T I P P S

herbst-In­ten­dan­tin Ve­ro­ni­ca KaupHas­ler: „Ein­fa­che Lö­sun­gen sind nicht zu­kunfts­fä­hig“

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