„Die Par­al­le­le zu 1989 sind die Men­sche­nin Not“

Hans-Dietrich Gen­scher hielt 1989 in Prag die be­rühm­te „Bal­kon­re­de“und war als Au­ßen­mi­nis­ter maß­geb­lich an der deut­schen Ein­heit be­tei­ligt. Ein Ge­spräch über die Flucht.

Kleine Zeitung Steiermark - - | SONNTAGS-INTERVIEW -

Am 30. Sep­tem­ber jährt sich zum 26. Mal Ihr be­rühm­ter Halb­satz auf dem Bal­kon der Pra­ger Bot­schaft mit der an­schlie­ßen­den Aus­rei­se von DDR-Bür­gern in Zü­gen in die Bun­des­re­pu­blik und am 10. Sep­tem­ber 1989 öff­ne­te Un­garn die Gren­ze zu Ös­ter­reich. Die Bil­der auf die Aus­rei­se war­ten­der und flüch­ten­der DDR-Bür­ger in Un­garn und der da­ma­li­gen Tsche­cho­slo­wa­kei von 1989 glei­chen den Bil­dern von heu­te. Was emp­fin­den Sie heu­te, wenn Sie sol­che Bil­der wie­der se­hen? HANS-DIETRICH GEN­SCHER: Wir hat­ten da­mals ein­mal die Öff­nung der Bot­schaft in Prag und zu­vor die Ent­schei­dung der Füh­rung in Bu­da­pest, die Gren­zen zu öff­nen. Das war ei­ne zu Her­zen ge­hen­de und von uns auch sehr ge­wür­dig­te und mu­ti­ge Fra­ge. Denn es war da­mals über­haupt nicht si­cher, wie Moskau re­agie­ren wür­de, wenn Bu­da­pest die Gren­zen öff­nen wür­de. Die DDR hat sich da­mals na­tür­lich in Moskau dar­über be­schwert, dass das ge­schah. Das bleibt un­ver­ges­sen und wird durch die heu­ti­gen Er­eig­nis­se nicht be­rührt.

Se­hen Sie Par­al­le­len zur ak­tu­el­len Si­tua­ti­on, als die deut­sche Re­gie­rung und al­len vor­an Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel die Öff­nung der Gren­ze für sy­ri­sche Flücht­lin­ge be­schlos­sen hat? GEN­SCHER: Es geht in bei­den Fäl­len um Men­schen in Not. Men­schen, die ein an­de­res Le­ben wol-

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