Welt­ver­druss­pol­ka

Im Land gärt es wie in Fausts He­xen­kü­che: Fei­er­tag für die Frei­heit­li­chen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE -

An­geb­lich wäh­len heu­te die Ober­ös­ter­rei­cher ih­ren Land­tag. Es spricht viel da­für, dass es sich um ei­ne Mut­ma­ßung han­delt und in Wahr­heit ei­ne ganz an­de­re Ver­an­stal­tung an­steht.

Es ist ei­ne Land­tags­wahl, die kei­ne Land­tags­wahl ist und nur so heißt. Sie fin­det nur zu­fäl­lig in Ober­ös­ter­reich statt und hat nicht den ge­rings­ten ört­li­chen Be­zug. Das wird tröst­lich und schmerz­lin­dernd sein für die, die an der Macht sind. Die Qua­li­tät ih­rer Ar­beit wird nur am Ran­de in die Beur­tei­lung ein­flie­ßen.

Die Vek­to­ren der auf­ge­wühl­ten Stimm­bür­ger zie­len an­ders­wo hin, auf den Bund, zer­strit­ten und kraft­los, auf die ver­sa­gen­de EU, viel­leicht auch dif­fus auf die Welt oder das ei­ge­ne, von Ver­lust- und Be­dro­hungs­ängs­ten um­spül­te Sein. Welt­ver­druss­pol­ka, so heißt es bei Pe­ter Hand­ke. Das ist auch der Grund da­für, war­um an­ge­se­he­ne Lan­des­haupt­leu­te wie Franz Vo­ves, der ein re­spek­ta­bles po­li­ti­sches Pro­jekt an­ge­führt hat, heu­te sei­ne Tat­kraft dem sach­kun­di­gen Schnitt der Ro­sen wid­met und nicht mehr dem bo­num com­mu­ne, dem Wohl al­ler. Er wur­de ab­ge­wählt, oh­ne be­wusst ab­ge­wählt zu wer­den. Er hat­te nur Pech, zum Zeit­punkt der Land­tags­wahl Lan­des­haupt­mann ge­we­sen zu sein. Al­les, was nach Esta­blish­ment roch, wur­de von der Frus­tra­ti­ons­wo­ge er­fasst und von ihr mit­ge­ris­sen. Al­les, was nach An­ti-Esta­blish­ment und Sys­tem­fer­ne riecht, bleibt ge­mäs­tet ste­hen.

Die Ablei­tung des Blit­zes läuft im Land ha­b­i­tu­ell über die FPÖ. Sie ist ei­ne Ven­til­par­tei. Die Um­lei­tung auf Stro­nach funk­tio­nier­te kurz, die auf die Grü­nen gar nicht. Ver­mut­lich mei­nen die Leu­te die blau­en Kan­di­da­ten gar nicht, wenn sie sie wäh­len. Eben­so we­nig sind die re­gio­nal Herr­schen­den ge­meint, wenn sie nicht mehr ge­wählt wer­den. Die Zei­ten sind vol­ler Pa­ra­do­xi­en. Sie set­zen den Schön­wet­ter-De­mo­kra­ti­en zu, es beu­telt sie.

Herrscht ein Ne­ga­ti­ons­kli­ma im Land, und da gärt es der­zeit wie in Fausts He­xen­kü­che, ha­ben die Frei­heit­li­chen Fei­er­tag. Sie ha­ben mehr als die Kir­chen. Sie soll­ten sich nichts ein­bil­den dar­auf und glau­ben, es ha­be et­was mit ih­nen zu tun. Das ist der Be­rüh­rungs­punkt zwi­schen Ab­ge­wähl­ten und Ge­wähl­ten. Es reicht, wenn die Pro­fi­teu­re der Ne­ga­ti­on aus der Fer­ne mit den Hän­den im Ho­sen­sack dem Brand zu­schau­en und ef­fekt­voll pol­tern, wie schlecht und wir­kungs­los die Feu­er­wehr löscht. Es reicht, wenn sie zwi­schen­durch mit schlech­tem Atem in die Koh­le bla­sen, es muss gar nicht mehr fest sein wie frü­her.

Frei­tag­früh Jo­sef Püh­rin­gers Ab­schluss­re­de im Ra­dio ge­hört. Sie klang wie das vor­weg­ge­nom­me­ne Sonn­tag­aben­dS­tate­ment. Man könn­te in je- dem sei­ner mah­nen­den Sät­ze spü­ren, wie un­ge­recht und ab­grün­dig er das al­les fin­det, die Ver­schie­bun­gen der Erd­plat­ten, die bi­zar­re Lo­gik des Sogs und der Wo­ge, die auch dies­mal vor Lan­des­vä­tern nicht zu­rück­wei­chen wird, ob­wohl es gar nicht in ih­rer Hand liegt, zu kor­ri­gie­ren, was sicht­bar ent­glit­ten ist: Kon­trol­le über den Zustrom der Mi­gran­ten und über den staat­li­chen Herr­schafts­raum, das Her­stel­len von Recht und Ord­nung, da­mit nicht Po­li­zis­ten auf Grenz­brü­cken da­ste­hen und im Strom zu­rück­blei­ben wie hilf­lo­se, ver­lo­re­ne See­len. Das Bild war in sei­ner sym­bo­li­schen Wir­kung so furcht­bar wie die Be­dräng­nis de­rer, die un­ter­wegs sind. ber all das wird heu­te ab­ge­stimmt, zu­fäl­lig in Ober­ös­ter­reich. Mit dem Land­tag hat die Wahl nichts zu tun, mit dem Land al­les: Vor­bo­ten.

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