Ge­sucht: Ein Pro­fil mit Kan­ten

Kleine Zeitung Steiermark - - | STEIERMARK -

Die bei­den Par­tei­chefs in der Lan­des­re­gie­rung, Her­mann Schüt­zen­hö­fer und Michael Schick­ho­fer, „tre­ten zwar zu­sam­men, aber nicht ge­mein­sam auf“. So die tref­fen­de Kurzana­ly­se ei­nes prä­zi­sen Be­ob­ach­ters. Da­ge­gen hel­fen auch de­mons­tra­ti­ve öf­fent­li­che Auf­trit­te in Gra­zer Lo­ka­len nicht. Die Zei­ten der al­ten Re­form­part­ner­schaft sind end­gül­tig vor­bei, ei­ne neue Nüch­tern­heit prägt die ak­tu­el­le Ko­ali­ti­on. Und auch die Er­nüch­te­rung über das letz­te Wah­l­er­geb­nis: Franz Vo­ves und Schüt­zen­hö­fer hat­ten ge­mein­sam ih­re Re­gie­rungs- und Land­tags­mann­schaft ge­knech­tet und das Null­de­fi­zit zum Cre­do er­ho­ben. Ih­re Be­mü­hun­gen, das Land „en­keltaug­lich“zu ma­chen, wa­ren al­ler­eh­ren­wert (und fi­nan­zi­ell ge­se­hen ab­so­lut not­wen­dig). Al­lein, die Wäh­ler zeig­ten kei­ne Dank­bar­keit – ge­mein­sam mi­nus 17,7 Pro­zent. Die Lust, so wei­ter­zu­ma­chen, ist gleich null. acht­po­li­tisch kam für die SPÖ ein schwe­rer Tief­schlag hin­zu, der Ver­lust des Am­tes des Lan­des­haupt­man­nes. Mit drei Neu­en in der Lan­des­re­gie­rung ver­sucht die SPÖ jetzt ei­nen Neu­start. Do­ris Kam­pus steht im Flücht­lings-Dau­er­ein­satz, Uschi Lack­ner und Jörg Leicht­fried ar­bei­ten sich flei­ßig in ih­re Res­sorts ein. Ei­ne ei­ge­ne po­li­ti­sche Pro­fi­lie­rung ist bis­her kaum ge­lun­gen, aber es ist ja noch viel Zeit bis zur nächs­ten Wahl.

MViel stär­ker un­ter Zeit­druck steht Schick­ho­fer. Er will im Jän­ner vom SPÖ-Par­tei­tag zum Vor­sit­zen­den ge­wählt wer­den. Die Ge­nos­sen sind seit Vo­ves ei­nen Chef ge­wohnt, der mit kan­ti­gen For­mu­lie­run­gen auf­war­tet und der kei­nen Kon­flikt mit der Bun­des­par­tei scheut. Noch aber hat Schick­ho­fer kein der­ar­ti­ges Pro­fil. Selbst in der Par­tei gilt er im­mer noch als Vor­zugs­schü­ler und Zög­ling von Vo­ves. Die­ser hat­te ihn vor Jah­ren in sein Re­gie­rungs­bü­ro ge­holt, ihn spä­ter in den Na­tio­nal­rat ge­schickt und schließ­lich zum Lan­des­rat und zu­letzt zum Lan­des­haupt­mann­Stell­ver­tre­ter ge­macht. chick­ho­fers ers­ter Ver­such, sein Lieb­lings­schwie­ger­sohnI­mage ab­zu­schüt­teln, ging in die

SHo­se: In ei­nem In­ter­view im „Stan­dard“po­si­tio­nier­te er sich als „der Ma­cher“in der Lan­des­re­gie­rung, wäh­rend Schüt­zen­hö­fer („ein Lan­des­haupt­mann nur mit der Volks­kul­tur“) sich aufs Re­prä­sen­tie­ren kon­zen­trie­re. Ein Schlag in die Ma­gen­gru­be des be­kannt flei­ßi­gen ÖVP-Chefs. Ein­zel­ne in der ÖVP ver­lang­ten nach ei­ner mas­si­ven Ant­wort. Nach ei­ner Schreck­se­kun­de tat Schüt­zen­hö­fer – nichts. Und lobt wei­ter­hin die gu­te Zu­sam­men­ar­beit mit dem Vi­ze. Und lässt Schick­ho­fer erst recht als bra­ven Stell­ver­tre­ter da­ste­hen. ie­se Atta­cke half Schick­ho­fer beim Ver­such der Pro­fi­lie­rung al­so nicht wirk­lich. Ein an­de­rer Un­ter­griff hin­ge­gen scha­de­te ihm echt, vor al­lem in der ei­ge-

Dnen Par­tei: Er, Schick­ho­fer, sei „ein po­li­ti­scher Ar­bei­ter, der Pro­ble­me lö­sen will“. Ganz im Ge­gen­satz zu frü­her, so die un­ter­schwel­li­ge Bot­schaft, da sei das an­ders ge­we­sen: „Schüt­zen­hö­fer und Vo­ves ha­ben ein Gla­serl Wein ge­trun­ken und über die Welt phi­lo­so­phiert“, qua­li­fi­zier­te er de­ren Ar­beit ab. Dass er da­mit nicht nur Schüt­zen­hö­fer, son­dern auch Vo­ves als „Schmäh­füh­rer“ab­kan­zel­te, stieß vie­len in der SPÖ sau­er auf. Vor al­lem den Vo­ves-Fans, von de­nen es doch noch ei­ni­ge gibt. as ver­grö­ßert Schick­ho­fers Pro­blem vor dem Par­tei­tag: Er hat kei­ne Haus­macht in der Par­tei. We­der in ei­ner star­ken Par­tei­re­gi­on (Lan­des­rat Jörg Leicht­fried bei­spiels­wei­se führt die Ober­stei­er­mark, sei­ne Kol­le­gin Uschi Lack­ner hat Graz und Um­ge­bung hin­ter sich) noch in ei­ner Par­tei­un­ter­or­ga­ni­sa­ti­on, und schon gar nicht in der Ge­werk­schaft. Zur Er­in­ne­rung: Ar­bei­ter­kam­mer-Chef Jo­sef Pes­serl und ÖGB-Chef Horst Schach­ner hat­ten im SPÖ-Vor­stand ge­gen die Ei­ni­gung mit der ÖVP und da­mit auch ge­gen die „Be­för­de­rung“Schick­ho­fers ge­stimmt. Es sich in die­ser kri­ti­schen Si­tua­ti­on zu­sätz­lich mit den Vo­ves-Ge­treu­en zu ver­scher­zen, ist im Hin­blick auf den Par­tei­tag nicht be­son­ders schlau. Man kann auf die nächs­ten Ver­su­che Schick­ho­fers, sein Pro­fil zu schär­fen, schon ge­spannt sein.

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Muss sich ge­gen­über dem Ko­ali­ti­ons­part­ner ÖVP, aber auch in der ei­ge­nen Par­tei pro­fi­lie­ren: Michael Schick­ho­fer will im Jän­ner SPÖ-Chef wer­den

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