Be­droh­lich: „Un­ser Ziel ist Ex­zel­lenz“

Ful­mi­nan­ter herbst­Auf­takt mit „Spec­ter of the Gar­de­nia“: Jo­sef Wink­ler und Jo­han­nes Ma­ria Staud brin­gen das Ge­spenst des Sur­rea­lis­mus zum Tan­zen. Alex­an­dra Ba­de­as „Zer­split­tert“lie­fert ei­ne düs­te­re Col­la­ge der heu­ti­gen Ar­beits­welt.

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - UTE BAUMHACKL

SONN­TAG,

27. SEP­TEM­BER 2015, SEI­TE 72

STEI­RI­SCHER HERBST

2015

Jo­han­nes Sil­ber­schnei­der: be­mer­kens­wer­te Mo­du­la­ti­ons­viel­falt

In­stal­la­ti­ve Kon­zert­per­for­mance. Lus­tig, dass gera­de die­ses saft­lo­se Wor­t­un­ge­tüm ein Büh­nen­werk be­zeich­net, das durch au­ßer­or­dent­li­che Sinn­lich­keit be­sticht. Der stei­ri­sche herbst hat sei­ne 47. Sai­son am Frei­tag mit der Urauf­füh­rung ei­nes Auf­trags­werks in der Gra­zer List-Hal­le er­öff­net: „Spec­ter of the Gar­de­nia oder Der Tag wird kom­men“heißt es; Jo­sef Wink­ler hat da­für den Text ver­fasst, Jo­han­nes Ma­ria Staud die Mu­sik kom­po­niert. Die bei­den au­to­no­men Wer­ke mon­tier­te Re­gis­seu­rin So­phia Simit­zis zu ei­nem Stück, des­sen ver­ba­len und mu­si­ka­li­schen Bil­der­reich­tum sie noch auf ei­ner drit­ten Ebe­ne an­rei­chert, in­dem sie über­di­men­sio­na­le Spie­gel­scher­ben über der GRAZ. Nach dem ge­lun­ge­nen Auf­takt mit Tank­red Dorsts „Mer­lin“auf der gro­ßen Büh­ne hat nun am Sams­tag auch Haus Zwei (frü­her Pro­be­büh­ne) die neue Thea­ter­sai­son er­öff­net – mit der deutsch­spra­chi­gen Erst­auf­füh­rung von Alex­an­dra Ba­de­as preis­ge­krön- Büh­ne als Pro­jek­ti­ons­flä­chen nutzt. Selbst­be­wusst zi­tie­ren dar­auf schwarz-wei­ße Stumm­fil­me Klas­si­ker des Sur­rea­lis­mus und Slap­stick – was be­son­ders gut funk­tio­niert, wenn Staud zwi­schen­durch lust­voll mit der ty­pi­schen Or­na­men­tik span­nungs­ge­la­de­ner Films­cores spielt.

Dra­ma­ti­sches Fein­ge­fühl

Mit im­men­sem dra­ma­ti­schen Fein­ge­fühl hat der Ti­ro­ler Kom­po­nist sei­ne Par­ti­tur aus­ge­stat­tet, malt mit­hil­fe ei­ner brei­ten sti­lis­ti­schen Pa­let­te ex­pres­si­ve Kla­gen und ge­fühl­vol­le So­li, erup­ti­ves Pa­thos und ver­hal­te­ne Re­zi­ta­ti­ve, vom groß auf­spie­len­den En­sem­ble Mo­dern un­ter Di­ri­gent Emi­lio Pomà­ri­co so emo­tio­nal wie prä­zi­se um­ge­setzt. Un­ter­halt­sa­mes De­tail: Das 22-köp­fi­ge Orches­ter lässt sich ein paar Mal (et­wa per Tanz­ein­la­gen und so­gar als hüp­fen­de Wür­fel ver­klei­det) in das sze­ni­sche Ge­sche­hen ein­bin­den. Das an­sons­ten der Schau­spie­ler Jo­han­nes Sil­ber­schnei­der be­strei­tet. Der fin­det zu ei­ner be­mer­kens­wer­ten Mo­du­la­ti­ons­viel­falt, in­dem er sich ganz dem as­so­zia­ti­ven und hoch poe­ti­schen Text über­lässt, den Wink­ler wie mit ge­lös­tem Zü­gel quer­feld­ein durch tem Stück „Zer­split­tert“. Die ru­mä­nisch-fran­zö­si­sche Au­to­rin zeigt vier Fi­gu­ren in ei­ner glo­ba­li­sier­ten, gna­den­lo­sen Ar­beits­welt: ei­ne chi­ne­si­sche Fließ­band­ar­bei­te­rin, ei­nen se­ne­ga­le­si­schen Team­lei­ter, ei­ne Pro­dukt­de­si­gne­rin aus Bu­ka­rest und ei­nen fran-

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