„Die ha­ben mich

FP-Sie­ger Man­fred Haim­buch­ner wi­der­spricht der The­se, das Be­ben in Ober­ös­ter­reich ge­he auf das Kon­to der Flücht­lin­ge. Dar­in be­kommt er über­ra­schend Un­ter­stüt­zung.

Kleine Zeitung Steiermark - - | THEMA - THO­MAS GÖTZ

Vor dem Re­stau­rant „Her­ber­stein“mit­ten in der Lin­zer Alt­stadt steht ein Lie­fer­wa­gen der Fir­ma „Freu­den­ton“. Ar­bei­ter schlep­pen die Ton­an­la­ge für die Wahl­par­ty der ÖVP hin­ein. Die Freu­den­tö­ne aber, die gibt es an die­sem Wahl­abend an­ders­wo.

Im Dach­ge­schoß des Ar­sElec­tro­ni­ca-Cen­ters an der Do­nau fei­ert Man­fred Haim­buch­ner, der Spit­zen­kan­di­dat der FPÖ. Aus dem brei­ten Fens­ter sieht man ein rie­si­ges Por­trät von Jo­sef Püh­rin­ger am an­de­ren Do­nau­ufer: „Ein star­ker Lan­des­haupt­mann“steht quer über die Fas­sa­de. Das war ein­mal, und weil das ab­seh­bar war, sind Gäs­te aus Wi­en da. „HC, HC, HC!“, schrei­en die Fans, als die ers­ten Er­geb­nis­se auf dem Bild­schirm er­schei­nen. Mit lo­cke­rem Schal steht Heinz-Chris­ti­an Stra­che, der sich mas­siv in den Wahl­kampf ge­mengt hat­te, un­ter den Fei­ern­den. „16 Pro­zent plus in Wi­en“, sagt er und rech­net ge­nüss­lich die ober­ös­ter­rei­chi­schen Zu­ge­win­ne zu sei­nem letz­ten Er­geb­nis da­zu. „Mit 26 Pro­zent hast a an­de­re Aus­gangs­ebe­ne.“

Man­fred Haim­buch­ner hat das Er­geb­nis sei­ner Par­tei ver­dop­pelt, die Lan­des­haupt­mann­par­tei, die seit dem Zwei­ten Welt­krieg Ober­ös­ter­reich re­giert, ver­lor über 10 Pro­zent­punk­te. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten sack­ten un­ter zwan­zig Pro­zent und auf den drit­ten Platz zu­rück. Über die Ur­sa­chen sind sich Sie­ger und Ver­lie­rer nicht ei­nig. Schon in der ers­ten Run­de ge­ben die Par­tei­se­kre­tä­re die Pa­ro­le aus: Das ist kein ober­ös­ter­rei­chi­sches Er­geb­nis, es ist der Flücht­lings­kri­se ge­schul­det. Haim­buch­ner hält das für Selbst­be­trug der Ver­lie­rer.

„Geh Bur­li, schau scho“

„Ich ha­be schon 2010 ge­sagt, die SPÖ könn­ten wir über­ho­len“, er­in­nert er sich. Jo­sef Ackerl, der da­mals die SPÖ führ­te, re­agier­te mit ei­nem Satz, der sich ein­ge­prägt hat: „Geh Bur­li, schau scho“, hat er ge­sagt. „Ich weiß nicht, wer jetzt schaut.“Sein Fa­zit: „Die ha­ben mich maß­los un­ter­schätzt.“Dass Schwarz und Rot da­mals kei­nen Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel voll­zo­gen ha­ben, das ha­be sich nun ge­rächt, sagt der 37-Jäh­ri­ge. Nun sei die SPÖ eben ei­ne Rand­grup­pen­par­tei, po­li­tisch kor­rekt, aber klein.

Dass nun al­le die Flücht­lings­strö­me als Haupt­grund für das po­li­ti­sche Be­ben se­hen, hält Haim­buch­ner für ei­nen Feh­ler. Die ÖVP sei eben kei­ne CSU, sagt er. Sie blin­ke oft rechts, um dann links ab­zu­bie­gen, das las­se sei­ner Par­tei Raum. Die Ener­gie­po­li­tik, die Püh­rin­ger ge­mein­sam mit sei­nem grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner Ru­di An­scho­ber ge­macht hat, hält er für in­dus­trie­feind­lich. „Die ers­ten, die mir gra­tu­liert ha­ben, ka­men aus der Wirt­schaft“, sagt er. Auch die grü­ne Ab­leh­nung des We­strings zur Ent­las­tung des Ver­kehrs in der In­nen­stadt sei ein Ar­gu­ment für sei­ne Par­tei ge­we­sen, die Wirt­schafts­po­li­tik der ÖVP det­to. Und an die Adres­se der SPÖ: „Die So­zi­al­de­mo­kra­ten ha­ben wir schon vor zwei Jah­ren in Um­fra­gen über­holt.“Der Tief­punkt aber ste­he der Par­tei noch be­vor.

Ne­ben der FPÖ ist der Grü­ne Ru­di An­scho­ber der ein­zi­ge Sie­ger des Abends. Et­was mehr als ei­nen Pro­zent­punkt hat er zu­ge­legt und ein Man­dat. Hel­fen wird es ihm nicht. Die Ko­ali­ti­on mit der ÖVP, die er vor zwölf Jah­ren ein­ge­fä­delt hat, ist oh­ne Mehr­heit.

Wäh­rend die Vi­sa­gis­tin un­ge­dul­dig war­tet, ihn für den TVAuf­tritt zu schmin­ken, bringt er sei­ne Idee für die Zu­kunft des Lan­des vor: Ei­ne „Al­li­anz der

Ei­ner lacht, die an­de­ren sind be­trof­fen: Lan­des­haupt­mann Püh­rin­ger, SP-Chef

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