Kein Ko­met aus ei­ner fer­nen Ga­la­xie

Bür­ger miss­trau­en Re­gie­rung in Flücht­lings­fra­ge.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - MICHAEL JUNGWIRTH

Die ers­te Hoch­rech­nung war nicht ein­mal ei­ne Mi­nu­te alt, da hat­ten sich ÖVP und SPÖ be­reits ei­ne Sprach­re­ge­lung zu­recht­ge­zim­mert: Es sei ei­ne Wahl im Aus­nah­me­zu­stand ge­we­sen, ein Son­der­fall, der von Er­eig­nis­sen fern­ab der Hei­mat be­stimmt war. Als ob ein Ko­met von ei­ner an­de­ren Ga­la­xie Ober­ös­ter­reich heim­ge­sucht hät­te.

Die ÖVP kann von Glück spre­chen. Es ist der Per­son von Jo­sef Püh­rin­ger zu ver­dan­ken, dass die Volks­par­tei die Frei­heit­li­chen auf Platz zwei ver­wei­sen konn­te. Her­mann Schüt­zen­hö­fer soll­te zu ei­ner Wall­fahrt nach Ma­ria­zell auf­bre­chen, weil er ge­mein­sam mit Vo­ves die stei­ri­schen Land­tags­wah­len auf Mai vor­ver­legt hat­te. Oh­ne Vor­ver­le­gung hie­ße der neue Lan­des­haupt­mann Ma­rio Ku­na­sek.

Mehr als 30 Pro­zent, ein sol­ches Er­geb­nis au­ßer­halb Kärn­tens hät­te sich Hai­der nie er­träumt. Vor ei­nem hal­ben Jahr hieß es noch, die FPÖ ha­be ihr Po­ten­zi­al bei 27 Pro­zent aus­ge­reizt. Noch da­zu ha­be Stra­che nicht Hai­ders Au­ra. Ei­ne ge­wal­ti­ge Feh­l­ein­schät­zung. Nun muss sich Michael Häupl, der ähn­lich po­pu­lär wie Püh­rin­ger ist und in zwei Wo­chen wählt, sehr warm an­zie­hen.

Die tek­to­ni­schen Ver­schie­bun­gen in Ober­ös­ter­reich sind in ers­ter Li­nie der Flücht­lings­kri­se ge­schul­det. Aber fer­ne Ga­la­xie? Ab­ge­straft wur­den eher Kanz­ler, Vi­ze­kanz­ler, In­nen­mi­nis­te­rin. Dass ei­ne sol­che Völ­ker­wan­de­rung die Po­li­tik über­for­dert, da­zu ge­nügt ein Blick nach Deutsch­land. Auch Mer­kel ver­liert in Um­fra­gen. Fay­mann, Mit­ter­leh­ner, Mik­lLeit­ner ha­ben ein un­ter­durch­schnitt­li­ches Bild ab­ge­lie­fert, be­glei­tet von in­ter­nen Rei­be­rei­en, Zick­zack-Ent­schei­dun­gen, Be­schwich­ti­gun­gen.

Die FPÖ mag het­zen,

aber dass sie ges­tern so viel Zu­spruch er­hal­ten hat, liegt am feh­len­den Ver­trau­en der Bür­ger in die Po­li­tik. Die mäch­ti­gen Bil­der von Ni­ckels­dorf ver­un­si­chern zu­tiefst. Lang­sam däm­mert vie­len, dass es sich um kein tem­po­rä­res Er­eig­nis han­delt, das man zu Neu­jahr mit neu­en Vor­sät­zen ab­hakt. In­tern rech­net man mit wei­te­ren 80.000 Flücht­lin­gen im nächs­ten Jahr. Sy­rer, Ira­kis wer­den we­gen des Krie­ges in ih­rer Hei­mat noch jah­re­lang in Ös­ter­reich ver­blei­ben. on der Re­gie­rung wer­den die Bür­ger mit ih­ren Ängs­ten al­lein­ge­las­sen. Und das Hand­ling der Kri­se ver­tieft das la­ten­te Miss­trau­en, er­schüt­tert die Glaub­wür­dig­keit, ver­lockt zum blau­en Pro­test. Der gest­ri­ge Son­der­fall ist der Be­ginn ei­ner neu­en Ära. Für SPÖ und ÖVP ent­puppt sich der Zu­sam­men­fall von Völ­ker­wan­de­rung und Ver­trau­ens­ver­lust als töd­li­cher Mix. Ja, in Linz be­ginnt’s.

VSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.