St­epic will mehr Re­spekt für

Der lang­jäh­ri­ge Ost­Pio­nier der Raiff­ei­sen­bank, Her­bert St­epic, lehnt die Sank­tio­nen ge­gen Russ­land ab. Die Vor­wür­fe we­gen Im­mo­bi­li­en-De­als weist er zu­rück: „Ich bin un­schul­dig.“

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT WOCHENVORSCHAU -

Die Flücht­lings­strö­me ha­ben ei­nen an­de­ren Kri­sen­herd in den Hin­ter­grund ge­drängt – die Ukrai­ne. Sie sind dort stark en­ga­giert – wie schät­zen Sie die La­ge der­zeit ein? HER­BERT ST­EPIC: Die La­ge in der Ukrai­ne ist sehr schlecht. Die Wirt­schaft wird heu­er um et­wa zehn Pro­zent schrump­fen. Der Min­dest­lohn ist der nied­rigs­te in ganz Eu­ro­pa, er liegt bei nur 100 bis 120 Eu­ro. In ei­nem eu­ro­päi­schen Land, das müs­sen Sie sich vor­stel­len! Das Land ist am Be­ginn ei­nes müh­sa­men, blu­ti­gen Re­form­pro­zes­ses, um 20 ver­lo­re­ne Jah­re auf­zu­ho­len.

Be­züg­lich der Ukrai­ne wer­fen Sie der EU schon lan­ge Di­let­tan­tis­mus vor. War­um? ST­EPIC: Die EU hat die Ukrai­ne 10 Jah­re lang ne­giert und ein­fach igno­riert, dass die Ukrai­ne ein klas­si­scher Puf­fer­staat ist und von Russ­land stär­ker ab­hän­gig ist als von Eu­ro­pa. Al­lei­ne des­we­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Kauf drei­er Woh­nun­gen in Sin­ga­pur so­wie im Rah­men ei­ner Selbst­an­zei­ge we­gen Nicht­ver­steue­rung von Er­trä­gen aus dem Aus­land. Seit­her be­rät St­epic Po­li­ti­ker und Un­ter­neh­men – auch die RBI. Die H. St­epic CEE Cha­ri­ty hilft Kin­dern, Ju­gend­li­chen und jun­gen Frau­en in be­nach­tei­lig­ten Re­gio­nen Zen­tral- und Ost­eu­ro­pas. gra­fie ken­nen. Man ist ihm jah­re­lang nicht mit dem Re­spekt, den man ei­nem Staats­mann ent­ge­gen­bringt, be­geg­net. Das hat er nicht ver­ges­sen, um­so mehr, als er in sei­nem Land der Held schlecht­hin ist. Es wä­re so leicht, man braucht Pu­tin ja nur den Re­spekt ge­ben, den er zu Recht ein­for­dert.

Aber der Re­spekt bringt nicht die Lö­sung. ST­EPIC: Ab­so­lut nicht. Aber er ist Vor­aus­set­zung für das kon­struk­ti­ve Ge­spräch.

Sie tref­fen ja hin und wie­der Prä­si­dent Po­ro­schen­ko. Wie sieht denn er die Sa­che? ST­EPIC: Po­ro­schen­ko kennt die rus­si­sche „See­le“, er kennt Pu­tin sehr gut, die bei­den ha­ben ein kon­struk­ti­ves Ge­sprächs­kli­ma.

Am 26. Ok­to­ber gibt es Re­gio­nal­wah­len, wie wich­tig sind die Wah­len für die Re­for­mer? ST­EPIC: Sehr wich­tig, weil sie die Ba­sis für die wei­te­re Ar­beit im Par­la­ment und den Ge­mein­den bil­den. Doch nach Um­fra­gen vom Au­gust be­kommt die Par­tei Po­ro­schen­kos nur 14 %, schon auf Platz 3 liegt die Par­tei von ExPrä­si­dent Ja­nu­ko­witsch, dann die Va­ter­lands­par­tei von Ti­mo­schen­ko. Die Par­tei von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ja­zen­juk kommt nur mehr auf 2 %. Das heißt, Po­ro­schen­ko hat zwar die re­la­ti­ve Mehr­heit, aber ei­ne Ko­ali­ti­ons­bil­dung wird im­mer schwie­ri­ger, weil der Preis steigt, den die an­de­ren Par­tei­en da­für ein­for­dern.

Die Ukrai­ne lei­det un­ter ho­her Ar­beits­lo­sig­keit, ho­her In­fla­ti­on, Kor­rup­ti­on und Schat­ten­wirt­schaft etc. Wel­che Re­for­men gab es schon, wel­che feh­len noch? ST­EPIC: Po­li­zei, An­ti­kor­rup­ti­on, Ban­ken, Zen­tral­bank – da ist sehr viel wei­ter­ge­gan­gen. Heißt das, es ist al­les er­le­digt? Über­haupt nicht. Was das Land braucht, ist, wie ge­sagt, Zeit für die Re­for­men. Aber es ist ein lan­ger Weg.

Wie lan­ge wird die Ukrai­ne brau­chen, um auf die Bei­ne zu kom­men? ST­EPIC: Man kann das Land mei­ner Mei­nung nach in drei Jah­ren mas­siv sta­bi­li­sie­ren, in fünf Jah­ren kann man von ei­nem ech­ten Auf­schwung re­den. Zu glau­ben, es sei un­ter fünf Jah­ren mach­bar – das ist ei­ne Il­lu­si­on.

Wie ein Klotz an Ih­rem Bein hän­gen nach wie vor die Un­ter­su­chun­gen we­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung und die Un­ter­su­chun­gen der Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft.

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